April-Kalenderbild: Sumatratiger

Beim Sumatratiger ist die einzige Ungenauigkeit im diesjährigen Kalender vorgenommen worden. Die zeigt allerdings auch den Wandel, dem die Kategorisierungen bei der Einteilung in die Bedrohungsstufen unterliegen. Es existiert nach herkömmlicher Ansicht vom Tiger nur eine Art mit verschiedenen Unterarten. Früher wurden diese Unterteilungen individuell beurteilt und der Sumatratiger mit seinen 400-600 in der Wildnis verbliebenen Tieren als vom Aussterben bedroht gelistet. In der letzten Neubeurteilung im Jahr 2021 hat die IUCN dann alle Tigerunterarten wieder in einen Topf geschmissen und listet sie pauschal „nur noch“ als stark gefährdet. Mit dieser neuen Handhabung hätte der Tiger also eigentlich keinen Einzug in diesen Kalender finden dürfen.

 

Dieses Beispiel zeigt zweierlei auf: zum einen, dass die Bewertungen fließend sind und sich immer wieder nach neuer Faktenlage ändern. Zum anderen aber auch, dass nicht alle taxonomischen Einordnungen unumstritten sind. Dem Tiger hilft eine pauschale Einordnung sicherlich nicht wenn alle Bestandszahlen kumuliert werden. Es ist für die Gefährdungsbeurteilung ein großer Unterschied, ob man pauschal von 5.600 in der Wildnis lebenden Tigern oder konkret von 400-600 Sumatratigern spricht. Genetische Untersuchungen deuten inzwischen sogar darauf hin, dass man in der Klassifizierung zwischen Festlandtigern und Sundatigern differenzieren muss. Von den Sundatigern ist der Sumatratiger die einzige noch existierende Unterart, was deutlich für eine Gefährdungsbeurteilung als vom Aussterben bedroht spricht.

 

Nach der Theorie nun aber zum eigentlichen Thema, dem Sumatratiger. Mit einer Länge von ca 2,50 m handelt es sich um die kleinste Unterart des Tigers. Die Kater wiegen bis 140 kg, die Katzen unter 100 Kilogramm. Die Farben der südlichsten Tigersubspezies sind gekennzeichnet durch einen kräftigen Orangeton. Wie alle Tigerarten sind auch Sumatratiger gute Schwimmer, besitzen als einzige aber sogar Schwimmhäute. Am liebsten besiedeln die Tiere dichte Urwälder. Als Einzelgänger bevölkern bis zu drei Tiere eine Fläche von 100 km².

 

Was setzt dem Tiger auf Sumatra so zu, dass es nur so wenige Tiere gibt und er vom Aussterben bedroht ist? Zunächst muss man wissen, dass es sich bei Sumatra um eine Insel in Indonesien handelt. Das ist nicht vergleichbar mit Inseln wie wir sie hierzulande kennen, denn Sumatra ist die sechstgrößte Insel der Welt und etwa 30% größer als Deutschland – dennoch ist das Platzangebot auf einer umschlossenen Fläche natürlich begrenzt. Die Insel teilen sich die Tiger unter anderem mit 50 Millionen Menschen, die alle ihren Platz zum Leben brauchen und ihren Lebensunterhalt verdienen müssen. Dafür werden die Regenwälder abgeholzt, die nicht nur Tiger als Lebensraum benötigen. Das Roden von Regenwald zur Holzgewinnung, vor allem auch zur Schaffung von Palmölplantagen und für Kautschuk hat dazu geführt, dass der Lebensraum für die Tiere immer kleiner wurde. Dazu werden Tiere für die ostasiatische Medizin geschossen sowie für die Gewinnung von Tigerfellen. Zudem bestehen Mensch-Tier-Konflikte auch in der anderen Richtung fast jährlich, dass Tiger Menschen töten – mit schwindendem Lebensraum dürfte das noch häufiger vorkommen in Zukunft – was im Gegenzug die Akzeptanz der Wildtiere schwinden lässt.

 

Der Sumatratiger ist ein gutes Beispiel dafür, warum eine Erhaltungszucht in zoologischen Gärten sehr sinnvoll ist, auch wenn es bislang keine Auswilderungen gab. Die Tiger kommen in verschiedenen Gebieten auf der Insel vor, die nicht miteinander verbunden sind, so dass sich eine relativ kleine Anzahl miteinander paart und die Genetik entsprechend schlecht ist, was die Gefahr einer Inzuchtdepression erhöht. Die Zuchten in den Zoos sind koordiniert und werden eben nach genetischen Gesichtspunkten möglichst breit auseinandergezogen, so dass die Basis erheblich gesünder sein dürfte als bei den wildlebenden Tieren. Eine Wiederansiedlung in bereits besetzte Gebiete ergibt zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt keinen Sinn. Es ist aber durchaus denkbar, dass man eines Tages an den Punkt kommt, in dem die Population in der Wildnis einbricht und eben Reviere frei werden, die man mit genetisch gesünderen Tieren besetzen kann, um die Unterart zu erhalten.

 

Der Sumatratiger auf dem Kalenderbild ist ein mittlerweile verstorbener Kater namens Kabus aus dem NaturZoo Rheine. Im englischen Chessington geboren verbrachte er zunächst fast neun Jahre im Zoo in Belfast, ehe er 2018 nach Rheine abgegeben wurde, wo er bis 2022 lebte. Während es in Nordirland nicht mit einer Nachzucht klappte, brachte die Verpaarung in Nordrhein-Westfalen noch vierfachen Nachwuchs zustande.

 

ARTENPROFIL

Art: Tiger
Unterart: Sumatratiger
Wissenschaftl. Name Panthera tigris sumatrae
Vorkommen: Sumatra (Indonesien)
IUCN Status: stark gefährdet / vom Aussterben bedroht
Nachwuchs: Im Schnitt 2 Jungtiere nach 100 Tagen Tragzeit
Ernährung: Huftiere, Vögel, Reptilien
Feinde: Mensch
Lebenserwartung: ca 15 Jahre