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Februar-Kalenderbild: Weißrückengeier

Geier haben ein Imageproblem. Viele Menschen mögen sie nicht wegen ihrer kahlen Hälse und weil sie immer dort auftauchen, wo der Tod lauert. Dabei handelt es sich um extrem nützliche Vögel. Sie töten nicht selber, sondern verwerten das Aas verstorbener Tiere und sind damit eine elementar wichtige Gesundheitspolizei. Ohne sie droht der Ausbruch von Seuchen. Aber kümmern wir uns speziell um die Geschichte des Weißrückengeiers.

 

Grundsätzlich findet man Weißrückengeier in Afrika südlich der Sahara. Mit 2,25 m Flügelspannweite und einem Gewicht bis 7 kg sind sie schwer zu übersehen. Durch die namensgebenden weißen Federn am Rücken kann man sie leicht von anderen Geierarten auseinanderhalten. Die Schnabelspitze, ist dafür geeignet, den toten Körper zu öffnen. Der Hals ist frei von Federn, damit sie tiefer in den Kadaver vordringen können, ohne sich mit dem Blut das Gefieder zu verkleben.

 

Weißrückengeier arbeiten sozial. Man kann sie oft in größerer Anzahl antreffen. Haben sie Kadaver gefunden, betreiben sie oft Arbeitsteilung. Einige Tiere halten den toten Körper in Position, damit andere ihn besser aufreißen können. Durch ihre Übersicht aus der Luft sind sie oft die Ersten, die bei einem Kadaver eintreffen und sorgen so für eine Entsorgung potentieller Gefahrenquellen. Durch ihre ungemein starke Magensäure sind sie selbst immun gegen Krankheiten wie Milzbrand oder Tollwut.

 

Kurzum, Geier sind perfekte und ungemein nützliche Tiere. Aber warum sind sie dann so gefährdet? Zum einen liegt das an der Zerstörung des Lebensraums der Tiere. Die Urbanisierung schreitet voran, mit ihr der Bedarf für Lebensmittel. Dadurch wird Natur in Bau- und Farmland gewandelt, so dass weniger Fläche für die Tierwelt vorhanden ist. Entsprechend weniger Kadaver fallen an für die Weißrückeneier, die durch die Zerstückelung der Lebensräume auch weitere Strecken zu fliegen haben. Womit die Tiere nicht klarkommen, sind die Nebenwirkungen der Besiedelungen, zum Beispiel die Stromleitungen – an ihnen erleiden sie einen tödlichen Stromschlag. Die größere Gefahr für Geier sind aber Vergiftungen. Farmer versuchen ihre Tiere zu schützen, indem sie ein vergiftetes Tier auslegen in der Hoffnung, dass Beutegreifer dort zuschlagen und am Gift sterben. Damit wird nicht auf die Greifvögel abgezielt, aber da sie oft als Erstes vor Ort sind, nehmen sie das Gift als Erste auf – und da sie in einer Gruppe arbeiten, stirbt nicht nur ein einzelnes Tier daran. Mit ähnlichen Methoden gehen Wilderer vor, die entweder Tiere für den illegalen Wildtierhandel fangen wollen, oder aber mit dem vergifteten Kadaver vor einer anderen Tötung ablenken wollen, auf die Geier die Ranger aufmerksam machen würden. Während Geier im Gegensatz zum Menschen nichts bei Tollwut und Milzbrand befürchten müssen, ist das für die Tiere tödliche Mittel für die Menschen ein Positives: Diclofenac lindert bei uns die Schmerzen, während die Greifvögel es nicht überleben.

Hilfe für die Weißrückengeier sowie andere Tiere besteht im Ausweisen von Wildtierschutzgebieten, wo Menschen erschwerten Zugang zu besitzen. Zudem gilt es, die Bevölkerung und im Speziellen die Farmer überhaupt von der Nützlichkeit der Tiere zu überzeugen – eine mühsame und langwierige Aufgabe. Anfang der 90er schätzte man den Bestand an Weißrückengeiern noch auf 270.000 Tiere, mittlerweile sind es 80% weniger.

 

ARTENPROFIL

Art: Weißrückengeier
Unterart:
Wissenschaftl. Name Gyps africanus
Vorkommen: Afrika südlich der Sahara
IUCN Status: vom Aussterben bedroht
Nachwuchs: 1-3 (meist 1) Eier, einmal jährlich, 2 Monate Brutzeit, Nistzeit 4-5 Monate
Ernährung: Aas
Feinde: Menschen
Lebenserwartung: ca 20 Jahre

vom Aussterben bedroht: Ostafrikanisches Spitzmaulnashorn

In Afrika kann man auf zwei Nashornarten treffen, das Breitmaulnashorn und das Spitzmaulnashorn. Während die Südlichen Breitmaulnashörner wieder verhältnismäßig oft vorkommen und „nur“ potentiell gefährdet gelistet sind, sieht es beim Spitzmaulnashorn schlechter aus.  Man geht von drei noch existierenden Unterarten aus. Während das Südwestafrikanische Spitzmaulnashorn sich dank Schutzmaßnahmen auf potentiell gefährdet verbessert hat, sind das Südliche Spitzmaulnashorn und das Ostafrikanische Spitzmaulnashorn weiterhin vom Aussterben bedroht.

 

Im Englischen heißen die Arten White (Breitmaulnashorn) und Black Rhino (Spitzmaulnashorn), aber mit der Farbe der Tiere kommt man für die Unterscheidung nicht weiter. Beide weisen einen ähnlichen Grauton auf, der sich durch den Bodenbelag im Vorkommensgebiet und durch das Suhlen verändert. Beim größeren und schwereren Breitmaulnashorn befindet sich der Kopf mit dem namensgebenden breiten Maul kurz über dem Boden. Die Art ernährt sich von Gräsern und kann durch diesen anatomischen Vorteil seine Nahrung leichter zu sich nehmen. Das Spitzmaulnashorn greift dagegen mit seiner Oberlippe seine aus Pflanzen bestehende Nahrung von Büschen und Bäumen, weswegen der Kopf beweglicher sein muss. Die Länge von bis 3,50 Meter und ein Gewicht von 1,4 Tonnen (Bullen), bzw. 900 kg (Kühe) muss man mit rein pflanzlicher Ernährung aber auch erst einmal schaffen. Obwohl sie keine Leichtgewichte sind, zeigen sich Spitzmaulnashörner erstaunlich wendig und können eine Geschwindigkeit von über 50 Stundenkilometern erreichen.

 

Spitzmaulnashörner sind grundsätzlich Einzelgänger. Bullen besetzen ein Territorium, können darin schon mal junge Bullen dulden, aber oft kommt es dabei zum Kampf, der auch tödlich enden kann. In der Tat werden mehr Männchen als Weibchen geboren, aber bei adulten Tieren sieht das Geschlechterverhältnis andersherum aus. Auch Weibchen bleiben meist solitär mit Ausnahme ihres jüngsten Nachwuchses. Die Tiere setzen Duftmarken mit ihrem Urin, um ihr Gebiet zu markieren. Dadurch erkennen Bullen auch, ob die entsprechende Kuh paarungsbereit ist. Wenn sich ein Paar zur Fortpflanzung gefunden hat, bleiben sie für wenige Wochen zusammen. Nach einer Tragzeit von 15-16 Monaten kommt der Nachwuchs zur Welt, der dann mindestens zwei, manchmal aber auch bis zu vier Jahre bei seiner Mutter bleibt – bis die wieder fortpflanzungsbereit ist. Diese geringe Fortpflanzungsrate ist natürlich ein Hindernis im Kampf gegen das Aussterben.

 

Spitzmaulnashörner können sowohl tagsüber wie auch nachts aktiv sein. Dies ermöglicht eine Schwäche der Tiere, nämlich ihre schlechte Sehkraft, die sie nicht zur Orientierung benötigen. Umso ausgeprägter sind dafür ihr Geruchs- und Gehörsinn.

 

Der wissenschaftliche Name für das Spitzmaulnashorn Diceros bicornis lässt keine Zweifel darüber, um was für ein Tier es sich handelt. Diceros ist griechisch und bedeutet „zwei Hörner“, während bicornis lateinisch ist und ebenfalls „zwei Hörner“ heißt. Wie bei anderen Nashörnern auch besteht das Horn aus Keratin – dem gleichen Material wie unsere Fingernägel und Haare – und wachsen grundsätzlich ihr Leben lang. Die Bullen haben im Normalfall kürzere Hörner, weil sie eher ihre Kräfte messen – sei es an Baumstämmen oder im Kampf gegen Rivalen. Die Hörner sind leider auch das Verhängnis für die Rhinozerosse, denn aufgrund ihrer werden sie nach wie vor für die traditionelle ostasiatische Medizin gejagt. Dem Horn werden verschiedene Wunderdinge nachgesagt, gelten gerne als Potenz- oder Krebsheilmittel, was absoluter Unfug ist. Man könnte genauso gut menschliche Fingernägel in die Medizin rühren, was die gleiche ausbleibende Wirkung hätte. Der Effekt dieser völlig sinnbefreiten Jagd war, dass zwischen 1970 und 1990 die Population von etwa 70.000 Spitzmaulnashörnern auf etwa 2.400 Tiere reduziert wurde, ein Verlust von über 95% innerhalb von nur 20 Jahren.

 

Noch heute ist die Jagd auf die Hörner die größte Gefahr für Nashörner, etwa 500 von ihnen werden in Afrika jährlich getötet. Das geringe Einkommen in Afrika macht es den Hintermännern leicht, einheimische Wilderer für die Jagd zu gewinnen. Nashörner werden weitestgehend gut durch Ranger geschützt, aber es gibt immer wieder Gefechte zwischen ihnen und Wilderern, die auch Menschenleben kosten. In Namibia wurden Tiere in private Schutzgebiete eingestellt, weil man sie auf großen Flächen wie in Nationalparks schlechter schützen kann. Zur Sicherheit der Tiere werden oft auch die Hörner gekürzt, damit es erst gar keinen Anreiz zur Tötung gibt. Die Prozedur an sich ist für die Nashörner harmlos – eben weil die Hörner aus Keratin bestehen – aber man muss sie dafür in Narkose legen, weil sonst ein Eingriff nicht möglich ist. Dank der extremen Schutzmaßnahmen ist die Anzahl an Spitzmaulnashörnern wieder angestiegen, unterartübergreifend auf 6.800 Tiere. In Kenia, dem Ort, wo etwa 90% der Ostafrikanischen Spitzmaulnashörner leben, hat die Marke im Jahr 2024 erstmals seit langem wieder die 1000er Marke überschritten. Dort werden aktuell Schutzgebiete gesucht, wo neue Populationen angesiedelt werden können. Ziel ist die Marke von 2000 Tieren bis 2037 zu erreichen. In Tansania lebt eine zweistellige Anzahl an Ostafrikanischen Spitzmaulnashörnern, und in Ruanda wurden sie wieder angesiedelt, nachdem sie dort schon ausgestorben waren. Exportiert wurden auch Tiere außerhalb ihres Vorkommensgebiets nach Südafrika in den Addo Elephant National Park sowie in private Schutzgebiete.

 

Wenn man in europäischen Zoos Spitzmaulnashörner sieht, handelt es sich ausschließlich um die ostafrikanische Unterart. Etwas über 20 Zoos auf unserem Kontinent bilden eine relativ dünne Reservepopulation. Die Anzahl an Breitmaulnashornhaltern in zoologischen Einrichtungen ist deutlich höher, weil die Tiere besser untereinander und mit anderen Arten zu vergesellschaften sind. Spitzmaulnashörner muss man dagegen einzeln unterbringen, was nicht so schauattraktiv ist, und Vergesellschaftungen mit anderen Arten sind schwierig.

 

 

ARTENPROFIL

Art: Spitzmaulnashorn
Unterart: Ostafrikanisches Spitzmaulnashorn
Wissenschaftl. Name Diceros bicornis michaeli
Vorkommen: Kenia, Tansania, Ruanda
IUCN Status: vom Aussterben bedroht
Nachwuchs: 1 Jungtier nach 15-18 Monaten Tragzeit
Ernährung: Pflanzliche Nahrung (Zweige, Blätter, Äste, Rinden)
Feinde: Menschen
Lebenserwartung: bis 35 Jahre in der Wildnis, bis 45 Jahre in Zoos