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Das Schwarzfußkatzenprojekt

Eines der beiden begünstigten Projekte vom Charity Kalender in diesem Jahr ist das Schwarzfußkatzenprojekt. Was aber verbirgt sich dahinter? Eine Fahrt nach Köln zum Dr Alexander Sliwa, Leiter dieses Projekts, sollte Aufschluss darüber geben.

Wie wird man Spezialist für eine Tierart, die es in europäischen Zoos überhaupt nicht zu sehen gibt? Diese Frage begleitete mich auf dem Weg zu Dr Sliwa, von Beruf Kurator im Kölner Zoo, und gleichzeitig Begründer und Leiter des Schwarzfußkatzenprojekts in Südafrika. Dass Zoomitarbeiter sich auch für die freilebenden Tieren interessieren, ist normal, vor allem aber entwickeln sie Interesse an den eigenen Zöglingen. Wie kommt man aber auf eine Katzenart, die nahezu unbekannt ist!?

Das Interesse an der Natur ist bei Alexander Sliwa in die Wiege gelegt. Beide Eltern waren naturbegeistert und so war der Werdegang vorgezeichnet. Das Interesse war aber zunächst nicht so sehr an Zoos, sondern die Richtung sollte in Freilandprojekte gehen. Einen Großteil der Jugend hat Sliwa in Japan verbracht, vielleicht auch ein Fingerzeig hin zum Internationalen. Die Uniausbildung fand in den USA, an der FU Berlin und in Südafrika statt.

Für die Diplomarbeit ging der Weg über einen Zoo ins Freiland. Durch einen Besuch bei den Schwiegereltern kam Sliwa in Kontakt mit dem Zoo Wuppertal, der zu diesem Zeitpunkt nicht weniger als zwanzig Schwarzfußkatzen beheimatete. Die Aussage des Zoodirektors, dass man diese Tiere aus eigener Erfahrung nie in der Wildnis entdecken würde, geriet zur Herausforderung in den frühen 90er Jahren. Eine Herausforderung, die gemeistert werden konnte, 1993 ging es in Südafrika ans Projekt Schwarzfußkatze. Schon seit 1994 gehört Sliwa zur Gruppe der Katzenspezialisten der IUCN.

So ganz passt die anfangs getroffene Aussage also nicht, es gab Schwarzfußkatzen in Zoos und auch dadurch kam das Interesse an der Tierart zustande. Vor fünf Jahren ist das letzte Tier in Europa verstorben. In Nordamerika leben derzeit 45 Tiere in 18 verschiedenen Zoos.

Die reine Feldarbeit gab Sliwa 1998 der Familie wegen auf und ging 1999 an den Zoo Wuppertal, ehe 2007 der Wechsel nach Köln folgte. Die Reiseaktivitäten sind als Kurator am Zoo keineswegs eingestellt, auch wenn er von Köln aus die internationalen Zuchtbücher für die Oman-Falbkatze und die Bartaffen führt. Seit 2008 leitet er das Schwarzfußkatzenprojekt. Die Unterstützung erfolgt wie meist bei solchen Projekten durch Zoos, in dem Fall hauptsächlich aus den USA.

In Südafrika wurden viele Katzen mit Sendern ausgestattet, um ihre Wege zu verfolgen und ihre Lebensweise verstehen zu können. Nur so kann man Erkenntnisse über den Bestand gewinnen und der Tierart letztlich helfen. Der Bestand der Schwarzfußkatze ist als gefährdet gelistet. Die kleinste Katzenart Afrikas bekommt ein- bis zweimal im Jahr Nachwuchs und im Schnitt überlebt eines der Tiere aus dem Wurf. Im Jugendalter und vor allem wenn sie erwachsen werden und gerade ihre ersten eigenen Schritte machen, laufen sie Gefahr zur Beute zu werden, weswegen der Bestand sich auch nicht erhöht. An mangelnder Jagdfähigkeit liegt es jedenfalls nicht, dass die Anzahl der Tiere nicht wächst, denn die Schwarzfußkatze gilt als eine der erfolgreichsten Jäger. Freilich sind die Beutetiere bei der Größe der Katzen auch eher kleine, aber dafür umso wendigere Säuger.

Von den generierten Geldern wird eine Person finanziert, die vor Ort die Feldarbeit übernimmt. Ein amerikanischer Zoo stellt dabei großzügigerweise das Fahrzeug. Die Tätigkeit ist ziemlich einsam, denn die Schwarzfußkatze lebt in Trockengebieten fernab der Bevölkerung. Die größte menschliche Gefahr geht daher auch von Farmern aus, die nur die Augen der Katze leuchten sehen und nicht wissen, mit welchem Beutegreifer sie es zu tun haben und zur Vorsicht schießen. Die Aufklärung der lokalen Bevölkerung ist auch ein Job, den das Schwarzfußkatzenprojekt sich auf die Fahne geschrieben hat. Eines der nächsten Ziele des Projekts ist die Ausweitung der Forschung auf Namibia.

Schwarzfußkatze – Black-footed cat – Felis nigripes – Copyright Dr Alexander Sliwa
Schwarzfußkatze – Black-footed cat – Felis nigripes – Copyright Dr Alexander Sliwa

Raubtiere-Cover 2019: Eisbären Nanuq und Sprinter

Nanuq und Sprinter heißen die beiden Hauptdarsteller des Coverfotos von „Raubtiere 2019“. Entstanden ist das Bild auf der hervorragenden Eisbärenanlage des Erlebniszoos Hannover. Die zwei männlichen Eisbären lebten zur Zeit der Aufnahme alleine auf der Anlage und testeten ihre Kräfte spielerisch im Wettstreit. Beide Tiere wurden 2007 geboren und leben seit 2010 in Hannover. Nanuq ist gebürtiger Österreicher aus Wien, während Sprinter im niederländischen Rhenen zur Welt kam. Mittlerweile hat sich ihre Situation geändert. Seit 2017 lebt die russische Eisbärendame Milana noch in Hannover und soll sich ihren Traumprinzen aus den beiden aussuchen.

Ein grundsätzliches Problem des als gefährdet gelisteten Eisbären in der Natur ist bekanntlich die globale Erwärmung. Der Ruf gerade des amerikanischen Präsidentendarstellers nach Förderung von Erdöl in der Arktis ist eine zweite große Bedrohung für den Eisbären, denn es würde nicht nur Lebensraum genommen, sondern mit der Ansiedlung von Arbeitern eine Konfliktsituation künstlich geschaffen. Im Gegensatz zu allen anderen Bären sieht der Eisbär den Menschen nämlich als Beute an und würde angreifen, was wiederum eine hohe Zahl an erschossenen Bären zur Folge hätte. Das Abschießen von Eisbären ist in Kanada und Grönland mit gewissen Quoten übrigens nach wie vor gestattet.

Der Eisbär ist eng mit dem Braunbären verwandt, was sich auch daran zeigt, dass die beiden sich miteinander verpaaren können. Dies ist nicht nur als Unfall im Zoo Osnabrück passiert, sondern häuft sich auch in der Natur, da Braunbären durch das wärmere Klima sich immer weiter in den Norden ausdehnen und dort auf Eisbären treffen. Die kalten Temperaturen der Arktis benötigt der Eisbär hingegen nicht unbedingt – auch in Alaska werden es im Sommer über 20 Grad Celsius – an das Eis angepasst ist er hauptsächlich für die Beutejagd. Die fetthaltigen Robben sind bevorzugtes Ziel und da sie im Wasser keine Chance auf eine erfolgreiche Jagd haben, benötigen sie die Löcher in der Eisdecke, die von den Robben genutzt werden, um Luft zu tanken. Zu erfolgreichen Jagdzeiten können sich Eisbären ein dickes Polster anfressen, von dem sie zur Not wochenlang zehren können.

Andere Tierarten profitieren übrigens immens von der Arbeit der weißen Bären, denn sie verzehren nur Haut und Fett, während andere Fleischfresser wie Polarfüchse sich über den Rest hermachen. Die kleinen Füchse müssen aber trotzdem vorsichtig sein, denn grundsätzlich fressen Eisbären alles, selbst der eigene Eisbärennachwuchs ist außer vor der Mutter vor niemandem sicher. Jedoch sind schnelle Tiere grundsätzlich im Vorteil, denn mehr als einen kurzen Sprint schaffen Eisbären nicht, sie sind gewöhnlich eher im Schritttempo unterwegs.

In der freien Natur können Eisbären maximal 25-30 Jahre alt werden, wobei die meisten das Alter von 20 Jahre nicht erreichen. In Zoos gilt 30 als hohes Alter, wenngleich die Tiere dort bis zu 45 Jahren alt werden können. Wegen der hohen Haltungsanforderungen werden Eisbären nicht mehr so häufig in Zoos gezeigt. Empfehlenswerte Anlagen bei unseren Unterstützerzoos gibt es neben Hannover auch in Emmen und Gelsenkirchen.

Das Oktober-Model: Bolivianischer Totenkopfaffe

Totenkopfaffen gehören dank Pippi Langstrumpfs Herr Nilsson zu den bekanntesten Affenarten der Welt. Dabei „profitierte“ die Art von der Filmfassung, denn Astrid Lindgren hatte ihrer Hauptfigur in den Büchern eine Meerkatze zur Seite gestellt. Ende der 60er und in den 70er als die Filme gedreht wurden, hielt man gelegentlich Totenkopfaffen in Haushalten entgegen ihrer Natur alleine, bekam sie dadurch zahm und konnte sie besser für einen Film gebrauchen als Meerkatzen. In freier Natur bestehen die Gruppen aus 50 und mehr Tieren.

Die Totenkopfaffen gehören mit den Kapuzineraffen zur Familie der Kapuzinerartigen. Die Totenkopfaffen teilen sich in acht Untergruppen auf. Wir beschäftigen uns mit der Art, die auf dem Foto aus Apeldoorn zu sehen ist, den Bolivianischen Totenkopfaffen. Im dortigen Affenpark „Apenheul“ leben die Tiere auch in der entsprechenden Gruppenzahl frei im Waldstück, durch das die Gäste als Besucher durchgehen.

Was ihn von anderen Totenkopfaffen unterscheidet, ist die dunklere Kopffärbung, die bei Weibchen schwarz und bei Männchen grau ist. Auf dem Foto handelt es sich folglich um ein Weibchen. Die weiße Umrandung um die Augen ist bei der bolivianischen Unterart rundlicher als bei anderen Subspezies. Entgegen ihrem Namen kommen sie nicht nur in Bolivien, sondern auch in Peru und Teilen von Brasilien vor.

Tonangebend unter den Totenkopfaffen sind die Weibchen, die in ihrer Gruppe bleiben, während die Männchen mit Eintritt in die Geschlechtsreife mit 2-3 Jahren ihren Familienverbund verlassen und sich einer Junggesellengruppe anschließen. Gefahr droht dem Bolivianischen Totenkopfaffen durch Jagd auf ihr Fleisch und immer noch durch den Fang als Heimtiere, aber gefährdet ist die Art nach aktuellem Stand nicht.

Unter den Zoos, die den Primatenkalender unterstützt haben, findet man den Bolivianischen Totenkopfaffen außer in Apenheul noch in Aachen, Detmold-Heiligenkirchen, Nürnberg, Osnabrück und Overloon. Wer vergleichen möchte, findet den Gewöhnlichen Totenkopfaffen in Braunschweig und Dortmund.