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Weltnashorntag: Aussterben für Hokuspokus-Glauben

Fünf Nashornarten existieren weltweit noch. Die bekanntesten zwei in Afrika mit dem Spitz- und dem Breitmaulnashorn. In Asien ist das Panzernashorn noch geläufig, das Java- und Sumatranashorn dagegen schon deutlich weniger. Der Grund ist recht banal: es gibt sie nicht in europäischen Zoos und damit fehlt es an Bekanntheit.

Das Javanashorn existiert kaum noch. Etwa 40-60 Exemplare wurden zuletzt gesichtet. Ein Schutzprogramm ist auferlegt, um die Art noch retten zu können. Nicht viel besser steht es um das Sumatra-Nashorn, von dem noch etwa 200 Tiere leben. Das Panzernashorn ist in Indien etwas besser geschützt und mit 3.000 verbliebenen Exemplaren das noch am Häufigsten anzutreffende Nashorn Asiens. Das afrikanische Spitzmaulnashorn kommt in acht Unterarten vor, von denen fünf aber bereits ausgestorben sind. Am meisten Exemplare existieren mit etwa 20.000 vom südlichen Breitmaulnashorn, während vom nördlichen Breitmaulnashorn die letzten beiden Tiere in Kenia auf dem Privatgelände der Ol Pejeta Conservancy ohne Chance auf Nachwuchs leben.

Heute das größte Problem der Tiere ist der ostasiatische Hokuspokus-Glaube, dass das Horn des Nashorns zum einen krebsheilende Wirkung hätte, zum anderen wird es als Potenzmittel verkauft. Schön, wer daran glaubt, aber das Horn besteht aus Keratin – genauso gut könnten die ostasiatischen Wunderheiler ihre Fingernägel und Haare in die Medizin schnipsen. Da die traditionelle Medizin das aber nicht glaubt und es obendrein ein lukratives Geschäft ist, wird weiter ohne Rücksicht auf Verluste und frei jeglicher menschlicher Vernunft gewildert.

Resultat ist, dass Nashörner im Grunde nur noch unter kompletter Bewachung eine Überlebenschance haben. In Namibia lagert der Staat Nashörner wegen der besseren Überwachungsmöglichkeit aus den Nationalparks an private Farmen aus. In Kenia schützen bewaffnete Ranger die Nashörner, die teilweise in Parks von der Öffentlichkeit und dem anderen Tierleben weggesperrt eingezäunt leben rund um die Uhr. Im vergangenen Jahr machte erstmals aus Paris ein Fall die Schlagzeilen, dass Wilderer im Zoo ein Nashorn getötet und das Horn geklaut haben.

Im 21. Jahrhundert sollte man eigentlich denken, dass die Leute so aufgeklärt sind, dass solche haarsträubenden Aktionen in Geschichtsbüchern unter der Rubrik „Absurditäten mittelalterlicher Irrglauben“  zu finden sind, aber so sind Nashörner vielleicht die Tiere, die mit den größten Einschränkungen leben müssen, um ihren Fortbestand überhaupt retten zu können.

Das September-Model: der Katta

Wer gelegentlich in verschiedene Zoos geht, könnte denken, dass die Kattas Massentiere sind. Die wohl bekannteste Lemurenart wird oft und gerne gezeigt, kommen sie beim Publikum doch sehr gut an. Dies liegt nicht zuletzt am Film „Madagaskar“, der auch „Schuld“ daran trägt, dass Heerscharen von Leuten vor die Gehege treten und die Tiere schnell als „King Julien“ identifizieren.

 

Die Realität ist eine ganz andere, die Kattas sind eine als stark gefährdet gelistete Tierart. Sie sind endemisch auf Madagaskar, wo die Bevölkerungszahlen stark zu- und die Waldflächen stark abnehmen. Die Tierwelt auf Madagaskar ist ob ihrer isolierten Insellage einzigartig. Die starke Gefährdungslage betrifft nicht nur Lemuren, sondern nahezu alle auf der Insel vorkommende Tierarten.

 

Die „Disneyfizierung“ zeigt beim Katta wie bei kaum einer anderen Tierart die positiven und negativen Seiten derart stark. Auf der einen Seite wecken die Darstellungen in den Animationsfilmen das Interesse an den Tieren, zeigen aber zeitgleich ein irreführendes Bild mit ihren vereinfachten und auf Niedlichkeit getrimmten Darstellungen. So wäre „King Julien“ im wahren Leben kein Herrscher, denn Lemuren sind matrilinear organisiert, d.h. ein zentrales Weibchen bestimmt, was die aus etwa gleich vielen Männchen wie Weibchen bestehende Gruppe macht – der Anführer müsste also eigentlich eher „Queen Julia“ heißen…

 

Bei Zoos führt die Fokussierung der Besucher auf Kattas dazu, dass viele sie halten wollen, weil die Besucher durch die Filme einen hohen Popularitätsgrad haben. So halten alleine in Deutschland über 50 zoologische Einrichtungen Kattas. Das ist für eine bedrohte Tierart hervorragend, um die 2.500 Tiere bilden eine grandiose Reservepopulation. Dies geht leider zu Lasten anderer Lemurenarten, die nicht so häufig gezeigt werden, aber nicht minder bedroht sind.

 

Unter den Zoos, die den Primatenkalender unterstützt haben, kann man Kattas an folgenden Orten sehen: Braunschweig, Frankfurt, Hamm, Hannover, Herford, Münster, Rheine, Apeldoorn, Arnheim, Overloon und Barcelona.