Januar-Bild: Europäischer Nerz

Januar-Bild: Europäischer Nerz

Im Januar geht es gleich mitten in die einheimische bedrohte Tierwelt. Der Europäische Nerz gilt seit 2011 als vom Aussterben bedroht. Zunächst wurden Nerze von Pelztierjägern getötet, was ihre Population sinken ließ. Das alleine hätte ihren Bestand allerdings nicht gefährdet, andere Tierarten waren zu dem attraktiver für die Pelzgewinnung, z.B. der Zobel. Ein weiterer viel populärerer Pelztierlieferant ist der Amerikanische Nerz – Mink genannt – der größer ist und damit mehr Pelz abwirft. Er wurde deshalb von Pelztierfarmen importiert und er entkam. Die entflohenen Populationen setzten sich gegenüber ihrem kleineren europäischen Verwandten durch und verdrängten sie vielerorts. Hinzu kam das Problem, dass Nerze an dicht bewachsenen Flüssen und Seeufern leben. Durch die Begradigung vieler Flüsse entschwand ihr Lebensraum. Erschwerend kommt hinzu, dass es sich beim Europäischen Nerz um absolute Einzelgänger handelt, die ein Revier für sich beanspruchen.

 

Anfang dieses Jahrtausends wurde angefangen etwas für den Nerz zu unternehmen. Renaturierungen an den Flüssen gehören dazu, aber Auswilderungen des Nerzes machen nur dort Sinn, wo kein Mink ansässig ist. Am Erfolgreichsten verliefen Nerz-Projekte in Estland. In Deutschland kümmert sich Euronerz aus dem Osnabrücker Raum um die Nerze. Hier besteht eine Zuchtstation, wo die Tiere miteinander verpaart werden. Die Rüden oder schwangeren Fähen werden in Zoos und Tierparks gebracht, wo auf die Tierart aufmerksam gemacht werden soll. Der Nachwuchs wird entweder zumeist am Steinhuder Meer ausgewildert oder aber verbleibt in den Zuchtstationen zur Verbesserung des Genpools. Den tatsächlichen Bestand am Steinhuder Meer kann man nicht sagen, allerdings konnte durch Fotofallen belegt werden, dass es bereits Nachwuchs in der Natur dort gab.

 

Wie schwer Nerze in der Natur zu finden sind, kann jeder ahnen, der in Zoos schon welche fotografieren wollte. Ein Schnappschuss wie das aktuelle Kalenderbild aus dem Zoo Osnabrück gelingt selten bei den scheuen Marderartigen.

Olaf Goldbecker