November-Kalenderbild: Östlicher Bongo
Bei Antilopen denkt man eher an Tiere, die in großen Gruppen auf offener Savanne leben. Dies ist beim Bongo anders. Er lebt zurückgezogen in Bergwäldern. Sein rötlich- bis dunkelbrauen Fell mit 12-14 horizontal verlaufenden weißen Streifen hilft ihm bei der Tarnung. In der Natur leben die Weibchen mit ihrem Nachwuchs in Gruppen, während die Männchen Einzelgänger sind. In Zoos findet man Haremsgruppen mit einem Bullen samt Weibchen und Nachwuchs.
Beim Bongo unterscheidet man zwei Unterarten. Eine ist der Westliche Bongo, die andere der Östliche Bongo. In West- und Zentralafrika lebt der Westliche Bongo, dessen Bestandszahlen sinkend sind, der aber in relativ vielen Ländern noch vorkommt und als potentiell gefährdet gilt. Der Östliche Bongo hingegen kommt ausschließlich in Kenias Hochwäldern vor und ist in der Natur akut vom Aussterben bedroht. In vier Nationalparks befinden sich Populationen des Bergbongos: im Aberdare Nationalpark, im Mount Kenya Nationalpark, im Mau Forest und im Eburu Forest.

Die Aberdare Mountains erstecken sich auf einer Höhe von 2.000 bis 4.000 Metern über dem Meeresspiegel. Im unteren Teil befindet sich Regenwald, in höheren Lagen folgt Bambuswald, ehe Moorland im oberen Bereich die Vegetation kennzeichnet. Bekannt ist der Nationalpark vor allem für seine Elefanten. Es ist faszinierend wie sich die schwergewichtigen Riesen auf teilweise sehr steilem Terrain fortbewegen können. In der dichten und üppigen Vegetation verschwinden selbst die Kolosse schnell im Blätterwerk. Kein Wunder, dass sich die scheuen Bongos hier gut verstecken können. Die Temperaturen in den Wäldern in der Höhenlage sind deutlich kühler als in der offenen Savanne, was für Zoohaltungen zwar bedeutet, dass die Tiere für europäisches Klima sogar ganz gut geeignet sind, aber eine Haltung auf offener Fläche in direkter Sonneneinstrahlung und ohne Deckungsmöglichkeit ist für sie keine passende Lebensbedingung. Doch bei allen Versteckqualitäten, der Bestand dieser wunderschönen Waldbewohner liegt bei unter 100 Tieren in der Natur, verteilt auf die vier genannten Nationalparks, die keinen Zugang zueinander haben. Entsprechend schlecht ist es um die Genetik der Tiere bestellt. Um die wenigen verbliebenen Bongos zu erhalten, hat man allerdings im Aberdare Nationalpark die Löwen ausgesiedelt.
Warum aber ist der Bergbongo so gefährdet? Die Art wurde ziemlich spät entdeckt, erst im Jahr 1901. Einige Jahre später kam eine Expedition unter der Leitung des späteren US Präsidenten Theodore Roosevelt im Auftrag des Smithsonian Instituts in die Region, um die Tier- und Pflanzenwelt zu erforschen. Dies geschah nicht etwa mit Fotoapparaten, sondern mit Gewehren, denn die Tiere wurden üblicherweise getötet und zur Untersuchung mitgenommen. Man muss sagen, dass nie eine große Anzahl an Tieren einer Art getötet wurde, so dass kein Bestand dadurch direkt gefährdet wurde. Auch war Roosevelt zwar der Jagd nicht abgeneigt, unterstützte aber gleichzeitig den Aufbau von Wildtierschutzgebieten. Was speziell aber durch die Resultate der Expedition ausgelöst wurde, war ein Einsetzen der Großwildjagd, was auch die attraktiven Bongos betraf. Wie groß die Abschusszahlen waren, lässt sich mangels Aufzeichnungen nicht feststellen.
In den 1960ern und 70ern wurden Bongos für Zoos gefangen. Auch hierüber gibt es keine Aufzeichnungen, wie viele Tiere betroffen waren, aber man kann davon ausgehen, dass eine relativ hohe Anzahl das Fangen und den Transport nicht überlebt hat. Dennoch ist dies nicht das grundsätzliche Problem dieser Tierart. Mit dem Inkrafttreten des Washingtoner Artenschutzabkommens hat sich diese Problematik ohnehin erledigt. Die essentiellen Gründe für den Niedergang im Bestand der Bongos bestehen in der Bejagung und in der Ausbreitung der menschlichen Siedlungen mit den Folgeerscheinungen wie der Wandlung von Wald in Farmland.
Heute sind die Zootiere die große Hoffnung für das Überleben der Tierart. In menschlicher Obhut züchten Bongos nämlich sehr gut. Der Bestand an Zootieren liegt bei über 400. Der amerikanische Zooverband AZA entsandte im Jahr 2004 vier männliche und vierzehn weibliche Bongos im Alter von drei Jahren zurück in ihr ursprüngliches Herkunftsgebiet nach Kenia. Zwei Gebiete mit je 4 Hektar Größe wurden vom Mount Kenya Wildlife Conservancy zur Verfügung gestellt, die als Zuchtzentrum dienen sollten, um den Nachwuchs dieser Importtiere in die Wildnis entlassen zu können. Allerdings zeigten sich die Importtiere als gesundheitlich anfällig für die Bedingungen in der eigentlichen Heimat. Fünf der 18 in den USA geborenen Bongos fielen der Rinderpest zum Opfer. Auch Küstenfieber wurde zum Problem für die im Zoo zur Welt gekommenen Tiere. Dennoch haben sie für eine Blutauffrischung gesorgt. Die Genetik bei nur vier isoliert vorkommenden Populationen innerhalb von Kenia stellen natürlich ein großes Problem dar. Die Ergebnisse von 113 DNA-Proben brachten zutage, dass diese von nur zwei unterschiedlichen Mutterlinien stammen.
Theoretisch schätzt man die möglichen Zahlen an Bongos in den bestehenden Nationalparks auf je 600 in den Aberdares und Mount Kenya, 300 im Mau Forest und 40 im Eburu Forest. Das Ziel, das sich die kenianische Regierung gesetzt hat, ist eine Anzahl von 730 Tieren innerhalb der nächsten 50 Jahre. Der Weg dorthin ist lang. Ein weiterer großer Schritt ist allerdings seit 2024 gemacht worden. Zunächst wurden zehn Tiere aus der Natur herausgefangen und in das Zuchtzentrum gebracht, um gezielt Nachwuchs mit besserer Genetik produzieren zu können. Anfang 2025 schickte das amerikanische AZA weitere 17 Tiere aus amerikanischen Zoos nach Kenia.
ARTENPROFIL
| Art: | Bongo |
| Unterart: | Östlicher Bongo |
| Wissenschaftl. Name | Tragelaphus eurycerus isaaci |
| Vorkommen: | Kenia |
| IUCN Status: | vom Aussterben bedroht |
| Nachwuchs: | 1 Jungtier nach ca. 9,5 Monaten Tragzeit |
| Ernährung: | Blätter, Knospen, Früchte |
| Feinde: | Leopard, Hyäne, seltener Löwe |
| Lebenserwartung: | 15-20 Jahre im Zoo, in der Natur selten über 12 Jahre |

