Namibia-Kalender, April: Afrikanischer Steppenelefant

Namibia-Kalender, April: Afrikanischer Steppenelefant

Wenn man in Naturschutzgebieten mit entsprechender Größe unterwegs ist, trifft man nicht selten auf Elefanten. Häufig sind es allein wandernde Bullen, gelegentlich auch Herden von Müttern mit ihrem Nachwuchs. Ein nicht alltägliches Glück ist es allerdings wenn man bei starker Dürre eine komplette große Herde an einem Wasserloch antrifft. Dort wird der Durst gestillt, gebadet, und der matschige Randbereich wird später zum Suhlen als Hautpflege genutzt. Auf dem Bild oben sieht man speziell die Babys wie sie sich im Matsch vergnügen, während die älteren Tiere sich den Schlamm eher als Sonnenschutz über den Rücken spritzen.

Die Leitkuh bestimmt wie lange das Badevergnügen dauert und zieht mit ihrer Herde weiter, ein Bild, das man links unten sehen kann. Die Leitkuh geht vorweg und nutzt ihre Lebenserfahrung, um Nahrungsplätze zu suchen und Gefahren einzuschätzen. Eilig haben es die Elefanten dabei nicht. Sind sie einmal im offenen Land gesichtet, kann man sie lange verfolgen. Insbesondere eine Herde mit Jungtieren legt an einem Tag selten mehr als 12 Kilometer zurück, also einen halben Kilometer pro Stunde. Mythen, nach denen Elefanten 70-80 Kilometer zurücklegen, kann man vergleichen mit einer Aussage wie dass ein Mensch 36 Stundenkilometer läuft – auch das ist ein korrektes Statement, Usain Bolt schafft das über 100 Meter, aber sicherlich nicht ein normaltrainierter Mensch und erst recht nicht über eine nennenswerte Strecke. Ein verzweifelter, gut konstituierter Elefantenbulle ohne Anhang auf der Suche nach Nahrung könnte sicherlich 70-80 Kilometer am Tag laufen, das wird er aber nur in Extremsituationen machen.

Das größte Problem für die Elefanten in der Natur ist der schwindende Lebensraum. Es muss ein ausreichendes Areal zur Verfügung stehen, was sowohl in Afrika wie auch noch viel mehr in Asien ein großes Problem ist angesichts der Bevölkerungsvermehrung. Die Menschen brauchen mehr Platz, sie brauchen auch mehr Nahrungsmittel zum Leben, und die Häuser liegen oft auf der Route der Elefanten. Dort wo sie drüber laufen, liegt die Ernte brach – und die ist oftmals die Eigenversorgung der einheimischen Bevölkerung, die zum Leben benötigt wird. Konflikte sind vorprogrammiert, daher sind sie oft in umzäunten sehr großen Naturschutzgebieten wie auf dem Foto im Etosha Nationalpark beheimatet. War der Elefant einst im kompletten Subsahara-Afrika beheimatet, bewohnt er heute nur noch Fragmente der einstigen Fläche. Dies ist auch der Grund, warum die IUCN ihn als gefährdet einstuft, obwohl die Gesamtzahl der Afrikanischen Elefanten mit etwa einer halben Million noch relativ häufig vorhanden ist.

Olaf Goldbecker