Juli-Kalenderbild: COQUEREL-SIFAKA

Madagaskar ist eine Insel etwa 400 Kilometer östlich vom afrikanischen Festland. Das Eiland ist über 50% größer als Deutschland und die viertgrößte Insel der Welt. Durch diese exklusive Lage fernab vom Kontinent ist eine einzigartige Tierwelt anzufinden. Das große Problem: man nimmt an, dass einst die komplette Insel bewaldet war. Heute existieren nur noch 4% des ursprünglichen Regenwalds, womit die Waldbewohner kaum noch Fläche zum Leben haben.

Wenn man sich die Säugetierordnung der Primaten näher ansieht, wird diese unterteilt in Feucht- und Trockennasenprimaten. Was wir als Affen kennen, sind Trockennasenprimaten. Zu der Unterordnung zählen ansonsten nur die Koboldmakis. Die auf Madagaskar lebenden Primaten sind dagegen alle Feuchtnasenprimaten, die zusätzlich auf dem Festland noch die Galagos und Loris umfassen. Die Besonderheit bei diesen Arten ist die namensgebende feuchte Nase, die für einen besseren Geruchssinn sorgt. Dazu kommt aber noch, dass der Daumen nicht so ausgebildet ist. Dafür sind bei den Feuchtnasenprimaten Mehrlingsgeburten üblicher, während die Trockennasenprimaten meist Einzelgeburten zur Welt bringen.

Alle Lemuren kommen ausschließlich auf Madagaskar vor. Dazu zählen drei verschiedene Familien an Makis, zu denen die bekannten Kattas gehören. Zusätzlich gibt es noch die Indriartigen, bei denen Sifakas eine Gattung bilden. Eine von neun Sifaka-Arten ist der Coquerel-Sifaka, benannt nach einem französischen Naturforscher. Die Grundfarbe der Tiere ist weiß mit großen braunen Flecken auf Brust und Oberschenkeln, dazu kommt das unbehaarte dunkelgrau bis schwarze Gesicht mit gelben Augen. Die eigentliche Körperlänge der Tiere beträgt etwa einen halben Meter, zu dem ein noch leicht längerer Schwanz hinzukommt. Ihr Vorkommensgebiet befindet sich ausschließlich im Nordwesten von Madagaskar.

Coquerel-Sifakas können gut klettern, aber dank ihrer kräftigen Hinterbeine auch außerordentlich gut springen. Kennzeichnend für sie ist die aufrechte Körperhaltung, die sie auch beim Springen beibehalten. Man findet sie meist in Familiengruppen, bestehend aus einem Paar mit seinem Nachwuchs mit maximal zehn Tieren. Wie bei den meisten Lemuren dominieren die Weibchen. Sie paaren sich mit mehreren Männchen. Man geht davon aus, dass dies deswegen geschieht, damit die sich nicht sicher sein können, ob sie der Vater sind. Wenn ein Männchen sicher weiß, dass es nicht der Vater ist, besteht die Gefahr, dass es sich mit der Mutter fortpflanzen will, was schneller geschieht wenn es den Nachwuchs tötet.  

Das Kernproblem der Art besteht darin, dass ihr ohnehin schon kleiner Lebensraum immer mehr schwindet. Der Wald wird für Holzkohle gerodet und in landwirtschaftliche Flächen gewandelt, dazu werden sie für ihr Fleisch gejagt. Selbst in den beiden Schutzgebieten, dem Ankarafantsika Nationalpark und dem Bora Special Reserve sind sie nicht sicher. Als Problem hat sich auch das Importieren von Katzen und Hunden als Haustiere herausgestellt.

In europäischen Zoos waren Coquerel-Sifakas lange nicht zu finden. In den USA wurde die Art federführend vom Duke Lemur Center gezüchtet. Von dort wurden einige Tiere an europäische Zoos abgegeben. Aktuell findet man sie in Europa nur wie auf dem Kalenderbild zu sehen in Köln, dazu im englischen Chester und im Tierpark Berlin.  

ARTENPROFIL

Art:Coquerel-Sifaka
Unterart:
Wissenschaftl. NamePropithecus coquereli
Vorkommen:Madagaskar
IUCN Status:vom Aussterben bedroht
Nachwuchs:1-2 Jungtiere im Juni/Juli nach 5 Monaten Tragzeit
Ernährung:Früchte, Pflanzen, Blätter, Rinde
Feinde:Mensch, Katzen, Hunde, Fossa, Schlangen, Greifvögel
Lebenserwartung:Bis 20 Jahre