Kalenderbild August: Brillenpinguin

Wer in den letzten Jahren die Berichterstattung an dieser Stelle rund um die Unterstützung des Vereins Sphenisco gelesen hat, weiß, dass Pinguine bei Weitem nicht nur in den Kälteregionen beheimatet sind wie gerne vermutet wird. Die Abgeschiedenheit der antarktischen Pinguine und das Leben im unwirtlichen Raum fernab der menschlichen Zivilisation bietet ihnen sogar Vorteile wie ein Blick auf die Gefährdungsskalen zeigt. 7 der 18 Pinguinarten sind nicht gefährdet, während eine als vom Aussterben bedroht gelistet ist – nämlich der im Süden Afrikas lebende Brillenpinguin.

Viele kennen die Urlaubsbilder aus Südafrika, wo man am Boulders Beach Brillenpinguinen begegnen kann. In Zoos sind sie relativ häufig zu sehen – ein Eindruck, der noch dadurch verstärkt wird, dass sie den ebenfalls gerne in Zoos gehaltenen Humboldtpinguinen ähnlich sehen. Und doch steht es um die einzige Altweltpinguinart sehr schlecht – was sind die Gründe?

Brillenpinguine werden etwa 60 cm groß und wiegen um die 3 kg. Die Vorderseite der flugunfähigen Vögel ist abgesehen von einem schwarzen Band und einzelnen Punkten weiß, die Oberseite wie auch das Gesicht schwarz. Über den Augen haben die Pinguine eine federfreie rosafarbene Stelle, gefolgt von einem weißen Band. Die Farben sind unter Wasser hilfreich, weil die weiße Unterseite für nach oben schauende Feinde schwer zu erkennen sind, während die schwarze Oberseite von oben tarnt (Konterschattierung).  

Die Vögel leben in Kolonien, vornehmlich auf Inseln in Südafrika und Namibia. Wenige Festlandkolonien wie eben die in Boulders Beach konnten sich spät etablieren, weil die Anzahl an Raubtieren sinkend geworden ist. Vor etwas mehr als 100 Jahren schätzte man den Bestand an Brillenpinguinen noch auf 1,5 Millionen ein. Um die Jahrtausendwende waren es kaum noch 10% davon. Nochmal 10 Jahre weiter hat sich der Bestand nochmal auf ein Drittel davon reduziert (ca 55.000). Im Jahre 2023 ging man von 10.000 Zuchtpaaren aus – ein Verlust um über 98% in einem Jahrhundert.

Die Ausgangsfrage war, warum diese Entwicklung eingesetzt hat. Der Grund kann klar mit Überfischung beantwortet werden. Brillenpinguine schwimmen bis 20 Kilometer von ihrer Küste entfernt und fressen den dort vorkommenden Fisch wie Sardinen, Anchovis, Makrelen und Hering, Tintenfisch und Krustentiere. Die Hauptnahrung waren Sardinen, aber die sind selten geworden. Dadurch wichen die Vögel mehr auf Anchovis aus, die aber nicht so fetthaltig sind. Gerade zur Mauser und zur Aufzucht der Jungtiere würde diese Nahrung aber benötigt. Jüngste Studien haben ergeben, dass in den letzten Jahren tausende Brillenpinguine schlicht verhungert sind aufgrund der Überfischung des Meers vor Südafrika.

Brillenpinguine legen zwei Eier, die von beiden Eltern über 40 Tage bebrütet werden. Für einen Monat nach dem Schlupf begleitet ein Elternteil das Küken, danach schließen sich die Jungtiere zu einer Krippe zusammen. Im Alter zwischen zwei und vier Monaten werden die Kleinen flügge. Sie verlassen dann für 1-2 Jahre ihren Geburtsort bevor sie dorthin zurückkehren, um in einer Mauser ins Erwachsenenfederkleid zu wechseln – ein Prozess, der 2-3 Wochen dauert, in denen die Jungtiere nicht schwimmen können, weil die Federn in der Zeit nicht wasserdicht sind.  

Als Grundlage für die Eiablage nutzen Pinguine gerne Guano, was für eine gute Temperaturversorgung sorgt. Der Vogelkot wird aber als Dünger von Menschen abgebaut, weswegen die Vögel nach Alternativen schauen müssen. Stattdessen buddeln sie Löcher in den Sand oder nisten unter Felsen oder Büschen. Mittlerweile werden den Tieren auch künstliche Kisten gebaut, die zum einen besser vor heißen Temperaturen schützen, aber auch schwieriger für potentielle Beutegreifer erreichbar sind. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass diese Kisten für eine höhere Aufzuchtrate sorgen.

Da ein Unglück selten allein kommt, ist es nicht nur die Überfischung, die für die Brillenpinguine ein Problem ist oder war. Bis in die 70er Jahre galten Pinguineier als Delikatesse und wurden zu Zehntausenden den Vögeln weggenommen. Auch Schiffsunglücke mit austretendem Öl, das die Federn der Pinguine verklebt, haben ihren Anteil am Niedergang gehabt.

Ein Gerichtsurteil im März 2025 gibt den Brillenpinguinen Hoffnung. Nachdem der Staat Südafrika sich zunächst geweigert hatte, die Fangquote für Sardinen zu senken, wurde vorm Obersten Gerichtshof in Pretoria erreicht, dass der Fang vor den sechs größten Brutkolonien der Pinguine verboten wird.

Eine Reservepopulation in Zoos ist stabil – den Brillen- wie auch den Humboldtpinguinen kommt zugute, dass sie in warmen Regionen leben und damit gut für zoologische Gärten haltbar sind. Eine Wiederansiedlung in der Natur ist allerdings vollkommen sinnlos solange die Umweltbedingungen die Voraussetzungen dafür nicht bieten.

ARTENPROFIL

Art:Brillenpinguin
Unterart:
Wissenschaftl. NameSphensicus demersus
Vorkommen:Südafrika, Namibia
IUCN Status:vom Aussterben bedroht
Nachwuchs:2 Eier, 40 Tage Brutzeit, ein Gelege pro Jahr
Ernährung:Fisch, Krustentiere
Feinde:Mensch, Haie, Robben; für die Eier und den Nachwuchs Katzen, Hunde, Mangusten, Karakale, Möwen
Lebenserwartung:15-20 Jahre, im Zoo 25-30 Jahre