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Artenschutz in Nigeria: Interview mit Zack Schwennecker

Artenschutz in Nigeria: Interview mit Zack Schwennecker

Zwischen dem Charity Kalender und Rettet den Drill hat sich in den letzten Jahren gewissermaßen eine feste Partnerschaft eingespielt. Zum vierten Mal wird der Verein unterstützt, der wiederum die Artenschutzarbeit vor Ort in Nigeria und Kamerun zu einem gewichtigen Teil ermöglicht. Zack Schwennecker, 28, studierte in den USA Zoologie und landete nach seinem Abschluss in Nigerias Afi Mountains in der Drill Ranch. Wie es dazu kam, was er dort macht und wie er den schwierigen Alltag meistert, hat er uns erzählt.

 

Zack, mit Unterbrechungen arbeitest du seit 2015 für die Drill Ranch. Wie ist es gekommen, dass ein Amerikaner nach seinem Studium weit weg von zuhause in Afrika landete?

Ich war dreimal für einige Monate als Freiwilliger in der Drill Ranch und bin im November 2019 als Project Manager zurückgekehrt. Dazu gekommen bin ich durch meine Cousine, die über einen Zeitraum von fünf Jahren immer mal wieder als Volunteer dort tätig war. Auf unseren jährlichen Familientreffen habe ich ihre Geschichten gehört und das hat mich dazu bewogen Zoologie an der Michigan State University zu studieren. Ich hatte mich noch nicht festgelegt, was meine Zukunft angeht, und als meine Cousine vorschlug, dass ich mit ihr auf die Drill Ranch komme, war es ein Leichtes „ja“ zu sagen.

 

Deine Berufsbezeichnung ist “Projektmanager” – das kann so ziemlich alles und nichts bedeuten. Was genau umfasst deine Arbeit?

Es gibt nichts, was man als typischen Arbeitsablauf bezeichnen kann, kein Tag gleicht dem anderen. Abhängig von unseren verfügbaren Arbeitskräften nehme ich die tiermedizinische Betreuung vor inklusive der damit verbundenen Papierarbeit – von 600 Tieren! Dazu Buchhaltung, Management der einheimischen Arbeiter und der Volunteers, Bauplanung, Futterbeschaffung, gemeinnütziges Engagement und Öffentlichkeitsarbeit in Bezug auf Artenschutzaspekte, Aufenthaltstitel für ausländische Mitarbeiter, und so weiter. All dies für zwei unterschiedlichen Projektorte, deren Bedarfe und Abläufe sehr unterschiedlich funktionieren. Wenn die Posten gut besetzt sind, dann werden die meisten dieser Bereich von einheimischen Arbeitern oder Volunteers erledigt, aber wenn die Situation bei den Mitarbeitern schlecht ist, kann es ein 14-16-stündiger Arbeitstag werden, um alles zu schaffen.

 

Als du nach Nigeria kamst, hattest du die Situation so erwartet?

Ich hatte sehr niedrige Erwartungen als ich nach Nigeria gekommen bin, was eine gute Einstellung für mich war. Ich habe festgestellt, dass viele Menschen, die mit hohen Ambitionen und Träumen vom Leben und Arbeiten nach Afrika gekommen sind, enttäuscht wurden von der Realität. Es ist nicht die glamouröse Arbeit wie sie bei National Geographic und ähnlichen Formaten dargestellt wird. Mit den niedrigen Erwartungen konnte ich Nigeria akzeptieren so wie es ist und konnte Enttäuschungen vermeiden, die manch einer erleidet wenn er in so einem schwierigen Umfeld arbeitet.

 

Was war für dich das größte Problem seit du dort lebst?

Die größte Herausforderung in den letzten beiden Jahren ist mein Alter. Nigeria, und Afrika allgemein, setzen viel Bedeutung auf das Alter. Ich bin erst 28, was es für mich schwierig gemacht hat Glaubwürdigkeit bei Kollegen und Mitarbeitern zu erlangen. Mittlerweile bin ich sechs Jahre hier, weiß eine Menge über das Projekt, das Land und die Probleme, mit denen wir zu kämpfen habe, was mir geholfen hat mein Alter etwas zu kompensieren.

 

Trotz all der Schwierigkeiten, die du überwinden musstest, arbeitest du jetzt seit ein paar Jahren für die Drill Ranch. Wie hast du deine Motivation aufrecht erhalten / was ist dein persönlicher Antrieb für die Arbeit?

Ich glaube jeder, der mit Tieren arbeitet, findet seine Motivation in den Tieren. Auch wenn der Erfolg oft nur klein ist und die Missstände groß, so ist es genug Antrieb für mich wenn man sieht wie die Tiere in ihrer natürlich Umgebung aufgehen, selbst wenn es sich um einen umzäuntes Areal handelt. Wenn man miterlebt wie ein Tier hier ankommt, das ein meist durch Menschen verursachtes schweres Trauma erlitten hat, es aufwächst und die vergangenen Tragödien vergisst, ist das wenigste, was wir unternehmen können über die Grenzen von dem, was wir als machbar erachtet haben, hinauszugehen, um dem Tier zu helfen.

 

Geparden – Cheetah Conservation Fund

In diesem Jahr wird mit dem Cheetah Conservation Fund eine Organisation unterstützt, die sich um den Schutz der Geparden kümmert. Mit eigenen Aufnahmen aus der Wildnis kann ich hier leider nicht dienen, denn obwohl sie sowohl in Kenia wie auch Namibia zuhause sind, wo mich meine bisherigen Reisen hinführten, konnte ich leider kein einziges Exemplar dieser faszinierenden Tierart zu Gesicht bekommen. Aus dem Grund helfen hier Bilder aus Zoos. Bevor über die Arbeit vom CCF informiert wird, gibt es hier aber ein einleitendes Intro über die Tierart:

 

Fast jedes Kind weiß, dass Geparden die schnellsten Landsäugetiere der Welt sind. Die meisten wissen auch, dass die Katzenart diese Geschwindigkeit nur für kurze Zeit beim Jagen durchhält. Ansonsten kennen fast alle ihren schlanken Körperbau, die gelbliche Grundfarbe mit den schwarzen Punkten über dem Körper, aber nähere Details haben viele nicht vor Augen.

 

So dürfte es für viele überraschend sein, dass Geparden nicht nur in Afrika leben, sondern auch in Asien. Einst lebten die Tiere sogar über Indien hinaus bis nach Zentralasien. Heute ist der Asiatische Gepard nur noch im Iran in zweistelliger Anzahl anzufinden, entsprechend ist er dort vom Aussterben bedroht. Die restliche Gepardenpopulation befindet sich in Afrika südlich der Sahara. Einige unterscheiden in Afrika vier Unterarten: Der Nordwestafrikanische Gepard lebt in Algerien und den südlich angrenzenden Ländern mit maximal 250 verbliebenen Tieren. Der Nordostafrikanische oder Sudan-Gepard hat sein Verbreitungsgebiet von Tschad bis Somalia, er wird von der IUCN als Unterart anerkannt und gilt als vom Aussterben bedroht. Der Ostafrikanische Gepard kommt in Kenia, Tansania und angrenzenden Ländern vor und bildet mit 2.500 Tieren den zweitgrößten Bestand. Etwa die doppelte Anzahl existiert von den Südafrikanischen Geparden im Bereich Namibia, Südafrika und Botswana. Neuere Untersuchungen legen allerdings nahe, dass zumindest der Ostafrikanische und der Südafrikanische Gepard identisch sind, was auch die Cat Specialist Group der IUCN so anerkannt hat – diese Variante ist als gefährdet gelistet.

 

Geparden gehören zu den Katzen, zählen allerdings nicht zu den Großkatzen, sondern zu den Kleinkatzen. Seine nächsten Verwandten sind die Pumas auf dem amerikanischen Kontinent. Die Anatomie mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 1,50 m zuzüglich Schwanz und einem Gewicht von nur 60 Kilogramm lässt für ganz kurze Zeit die hohe Geschwindigkeit zu, was aber bedeutet, dass der Gepard dadurch auf offene Savannen angewiesen ist, um auf die benötigte Geschwindigkeit zu kommen. Bevorzugte Beute sind mittelgroße Antilopen- oder Gazellenarten wie Impalas, Springböcke oder Thomsongazellen, aber auch Hasen, Nager oder Vögel.

 

Das Gebiss der Geparden ist relativ klein für eine Katzenart. Um anderen größeren Beutegreifern wie Löwen, Leoparden und Hyänen aus dem Weg zu gehen, sind Geparden tagaktiv. Ihnen gegenüber sind sie in Sachen Beißkraft unterlegen und müssten ihnen die Beute überlassen, was oft passiert. Meist jagen Geparden früh morgens und in den frühen Abendstunden, mittags in der Hitze ruhen sie sich aus.

 

Nach etwa drei Monaten Tragzeit kommen die Jungtiere zur Welt, zwischen 1 und 8 Jungtieren pro Wurf sind bisher gesichtet worden, wobei die übliche Wurfgröße eher in der Mitte liegt. Zudem ist die Jungtiersterblichkeit extrem hoch. Die ersten zwei Monate verbringt der Nachwuchs in einer Höhle mit der Mutter bevor die sie zum ersten Mal rauslässt. Mit etwa 1,5 Jahren werden sie erwachsen sofern sie nicht anderen Raubtieren bis dahin zum Opfer gefallen sind, und mit drei Jahren geschlechtsreif. Die Lebenserwartung bei Männchen liegt bei 8 Jahren, bei Weibchen bei 12 Jahren. Weibliche Geparden sind Einzelgänger mit Ausnahme der Jungtieraufzucht, während männliche Geparden – vor allem Brüder – auch gemeinschaftlich leben.

 

Bild aus dem Allwetterzoo Münster

Der Schauplatz des 2022er Kalenders: Namibia

Wenn der Kalender in diesem Jahr über die Wildnis Namibias berichtet, dann bietet es sich zunächst natürlich an überhaupt etwas über das Land zu erfahren, in dem sich die Inhalte des nächsten Jahres abspielen. Namibia liegt im Südwesten Afrikas, darunter befindet sich nur noch Südafrika. Mit dem Flieger aus Frankfurt landet man nach langen elf Stunden im einzigen internationalen Flughafen des Landes, dem Husea Kutako Airport in Windhoek. Was man ganz schnell realisiert wenn man früh morgens nach einem Nachtflug landet: nachts ist es sehr frisch.

 

Windhoek

Windhoek

 

Die recht zentral gelegene Hauptstadt ist wie so oft die größte Stadt des Landes mit inzwischen gut 350.000 Einwohnern – in Deutschland vergleichbar mit Wuppertal. Wer jetzt ein kleines Land erwartet, sieht sich allerdings getäuscht. Namibia ist mehr als doppelt so groß wie Deutschland, hat insgesamt aber nur 2,5 Millionen Einwohner – so viel wie München und Köln zusammen. Bei den Relationen kann man sich vorstellen: es ist viel Platz vorhanden. Das ist gut für die Tierwelt, die allerdings auch mit den klimatischen Bedingungen zurecht kommen muss, die der Grund für die dünne Besiedlung ist. Im Westen grenzt das Land an den rauen Atlantik, im Norden befindet sich der sogenannte Caprivi-Streifen, wo Namibia Zugang zu den grenzbildenden Flüsse Okavango, Sambesi und Kwando hat. Den größte Landesteil macht das zentrale Hochland aus, dazu kommen noch Wüsten. Grundsätzlich muss man sich in Namibia auf heißes Wetter und Trockenheit mit erheblich kälteren Nächten einstellen wenn man nicht gerade zur Regenzeit reist.

 

Im Wesentlichen sind die Aufnahmen für den Kalender auf drei Schauplätzen entstanden. Der Erste ist der weltberühmte Etosha National Park 400 Kilometer nördlich von Windhoek gelegen. Hier regiert die Tierwelt in einem umzäunten Gebiet, das ziemlich genau der Fläche von Mecklenburg-Vorpommern entspricht – immerhin das sechstgrößte Bundesland bei uns. Unter Schutz gestellt wurde das Gebiet schon während der deutschen Kolonialzeit – allerdings nicht aus ökologischer Verantwortung heraus, sondern weil man die Tierwelt per Jagden schon so weit dezimiert hatte, dass dies schon rein zur Fleischversorgung der Bevölkerung notwendig wurde. Teil 2 der Bilder wurde im etwa 360 km² großen Okonjati Wildlife Reserve aufgenommen, das sich etwa auf halbem Weg von Windhoek zum Etosha Nationalpark befindet. Dritter Schauplatz ist das Kuzikus Wildlife Reserve, knapp 200 Kilometer südöstlich der Hauptstadt am Rande der Kalahari-Wüste gelegen und auch noch auf einer üppigen Fläche von 100 km² gelegen. Letztere beide Orte sind private Schutzgebiete.

 

September-Bild: Böhm-Steppenzebra

Zebras sind grundsätzlich bekannte Tiere, aber wenn es um eine genauere Einteilung der Pferdeartigen geht, sind viele schnell mit dem Latein am Ende. Dabei ist die Einordnung übersichtlich und leicht, es gibt nämlich nur drei Arten: Grevy-Zebras, Bergzebras und Steppenzebras. Bergzebras teilen sich noch in zwei Unterarten auf, während Steppenzebras aus sogar fünf noch lebenden Unterarten bestehen (Böhm-Zebras, Burchell-Zebras, Chapman-Zebras, Crawshay-Zebras, Mähnenlose Zebras). In Kenia kommen das Grevy-Zebra sowie das Böhm-Steppenzebra vor.

 

Auf dem Kalender zu sehen ist ein junges Böhm-Steppenzebra-Fohlen, an dem man schön die Unterschiede zu anderen Zebraarten und -unterarten erkennen kann. Zunächst ist dies die Mähne, die bei der auch Grant-Zebra genannten Unterart eher bräunlich ausläuft und nicht so schwarz ist wie bei anderen Zebras. Die Streifen bei den Böhm-Steppenzebra sind für gewöhnlich ziemlich breit – das erkennt man hier schon recht gut am Hals, allerdings ist dies beim jungen Zebra noch nicht so ausgeprägt wie es später in der adulten Form sichtbar sein wird. Steppenzebras besitzen sogenannte Schattenstreifen – sie sind nicht nur weiß und schwarz, sondern haben dünne graue Streifen zwischendurch, die bei der Böhm-Variante allerdings kaum bis gar nicht ausgeprägt sind. Bei diesem Fohlen erkennt man dies am oberen Hinterbein. Dazu gehen die Streifen bis zum Boden runter, was nicht bei allen Zebraunterarten der Fall ist, die teilweise auch sehr weiße Beine besitzen.

 

Die IUCN listet die Steppenzebras in ihrer Allgemeinheit erst seit fünf Jahren als potentiell gefährdet. Diese pauschale Einteilung ist überraschend, denn die Häufigkeit der Unterarten variiert eklatant. Man nimmt etwa 500.000 Steppenzebras insgesamt an, wovon allerdings fast schon an die 400.000 auf die Böhm-Steppenzebras entfallen, die somit eigentlich keineswegs gefährdet sind. Ganz anders sieht dies bei Chapman-Zebras, bei Crawshay Zebras und den Mähnenlosen Zebras aus, die eigentlich einen höheren Schutzgrad als nur potentiell gefährdet bräuchten. Allerdings hat eine DNA Untersuchung 2018 ergeben, dass wahrscheinlich keine Unterscheidung zwischen den Unterarten vorliegt und eher regionale Varianzen vorliegen, z.B. dass die Streifen der Zebras im Norden breiter sind als im Süden und im Süden dafür mehr Schattenstreifen auftreten.

 

Während man aus Afrika Bilder von hunderten, wenn nicht tausenden Zebras vor Augen hat, so sind sie doch in kleine Gruppen unterteilt, die sich zu großen Formationen zusammenschließen. Eine Herde besteht aus einem adulten Zebrahengst, der einen Harem von einigen Stuten mit seinem Nachwuchs unterhält. Junghengste schließen sich zu Bachelor-Gruppen zusammen bis sie einen adulten Hengst herausfordern, um dessen Familie zu übernehmen. Gelingt ihm dies, wird er den Nachwuchs seines Vorgängers vertreiben oder sogar töten, um möglichst schnell selber Nachwuchs bekommen zu können. Die Tragzeit beträgt elf Monate, weitere elf Monate werden die Fohlen von der Mutter gesäugt. Die Geschlechtsreife erlangt der Nachwuchs allerdings erst deutlich später – Stuten mit drei Jahren und Hengste mit etwa fünf Jahren.

August-Bild: Augurbussard

Beim Augurbussard handelt es sich neben dem Schakalbussard um eine von nur zwei großen Bussardarten Afrikas. Er kommt in Afrika oft erst in Höhenlagen ab 1.500 Metern vor wie auch hier auf dem Foto in den Aberdare Mountains. Trotz dieser Spezialität ist es keine bedrohte Art. Vielmehr kann man den Augurbussard von Äthiopien südwärts bis nach Namibia finden – entsprechende Höhenlagen vorausgesetzt.

 

Die Körpergröße des Vogels beträgt bis 60 cm, die mächtige Flügelspannweite erstreckt sich auf bis zu 1,50 Meter. Von unten gesehen sind die Augurbussarde fast weiß mit Ausnahme der schwarz umrandeten Federspitzen. Kopf- und Oberseite sind hingegen schwarzgrau mit leichten Weißanteil. Es existiert aber auch einen Anteil melanistischer Vögel in der Natur, die also komplett schwarz auf der Oberseite sind.

 

Meist leben die Vögel in Paarbindung, ein Nest wird auch häufiger bebrütet. Was die Ernährung angeht, sind die Augurbussarde nicht wählerisch und nehmen das, was sie bekommen können. Untersuchungen am Mageninhalt toter Vögel haben allerdings ergeben, dass Reptilien – von Eidechsen bis hin zu Schlangen – meist über 60% der Nahrung ausmachen. Ansonsten stehen Ratten, seltener Schliefer und Hasen auf dem Speiseplan, auch Hühner und ähnliche bodenlebende Vögel wie Frankoline können mal zum Opfer werden.

Kommentar: Geplante Auswilderung von Zoo-Elefanten nach Kenia

Es macht zur Zeit eine Meldung aus England die Runde, dass ein Zoo – der Howletts Wild Animal Park aus Kent – 13 seiner 14 Afrikanischen Elefanten in Kenia auswildern möchte. Man sei zur Erkenntnis gelangt, dass man die Tiere in einem Zoo nicht artgerecht halten könne und habe in Zusammenarbeit mit dem Sheldrick Wildlife Trust und dem Kenya Wildlife Service diese Aktion geplant, in der die Tiere im kommenden Jahr mit einem Flieger nach Kenia gebracht werden sollen. Da dieses Thema perfekt zum Kalender „Wildlife of Kenya“ passt – erst im Mai wurde das Thema Afrikanische Steppenelefanten angerissen (http://charity-kalender.de/de/mai-kalenderbild-afrikanischer-steppenelefant) – sei an dieser Stelle ein Kommentar zu der Aktion erlaubt.

 

Sicher ist, dass Tiere grundsätzlich in die Natur gehören. Sicher ist, dass Zoohaltungen in vielen Fällen nicht optimal sind. Ganz sicher ist auch, dass Zoos mehr dafür unternehmen könnten, dass Tiere auch wieder in der Natur angesiedelt werden – dies geschieht bereits und es wurden einige Arten gerettet, die ohne Zoos nicht mehr existieren würden, dennoch ist natürlich Luft nach oben vorhanden. In Kenia beispielsweise wäre eine Blutauffrischung durch Zoobestände gerade bei den hochgradig vom Aussterben bedrohten Bergbongos sehr angebracht – gerade wenn man bedenkt, dass der Zoobestand das fünf- bis zehnfache des Wildbestands ausmacht. Es gibt aber auch Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit dies überhaupt Sinn macht. Die entscheidende Frage ist wie dies in diesem Fall bei den Elefanten aussieht.

 

Natürlich kann man aus Sicht der Zooelefanten auf den Gedanken kommen, dass sie es in der Natur viel besser hätten. Aber ist dies wirklich so? Die Jagd nach dem Elfenbein ist trotz drakonischer Strafen auch in Kenia nach wie vor ein Thema. Partner der Aktion sollen laut Aussagen aus England der Sheldrick Wildlife Trust und der Kenya Wildlife Service sein. Sheldrick betreibt in Kenia zwei Elefanten-Waisenhäuser. Wenn jemand weiß, dass Wilderei im Land existiert, sind sie es – die Folgen davon versorgen sie täglich. Von Sheldrick gibt es bislang keine Aussage zu dieser Aktion. Dem Vernehmen nach sollen die Tiere sich zunächst sechs Monate auf deren Grundstück einleben. Wie aber steht es danach um die Zooelefanten? Die Tiere sind umsorgt aufgewachsen, kennen keine Gefahren, keine Feinde, kennen für die Eigenversorgung das lokale Futter nicht und kennen keine Wanderrouten. Vor allem die letzten beiden Punkte stellen ein Problem dar, denn die Elefantenherden werden in der Natur von den erfahrensten Kühen angeleitet, die ihrerseits ihr Leben lang von den Älteren gelernt haben – dies können sie nicht in sechs Monaten auf einem umzäunten Gelände der Stiftung nachholen. Die Auswilderung stellt ein äußerst hohes Risiko für die Herde dar. Es kann mal wert sein ein solches Wagnis einzugehen wenn die Situation es erfordert, aber ist dies in Kenia der Fall?

 

Wie im Mai-Bericht geschrieben, hat sich der Bestand an Kenias Elefanten in den letzten Jahrzenten auf etwa 35.000 verdoppelt. Das ist sehr positiv, heißt aber nicht, dass unendlich viel Lebensraum vorhanden ist. Im Gegenteil, je größer die Population, desto mehr Mensch-Tier-Konflikte sind vorprogrammiert, von daher ist das Wachstum limitiert. In Namibia, einem anderen Land mit sehr positiver Elefantenentwicklung, stehen 170 Elefanten zum Verkauf an, weil es mehr geworden sind als das Land vertragen kann – natürlich eine fragwürdige Aktion, aber es zeigt deutlich die vorhandenen Limits auf. Kenia hat eben diese großartige Entwicklung von sich aus geschafft, dafür bedurfte es keiner externen Hilfe durch Zoopopulationen, das Land hat überhaupt keinen Bedarf für externe Elefanten. So ist es keineswegs verwunderlich, dass die staatliche Naturbehörde, der Kenya Wildlife Service, verdutzt auf die Meldung aus England reagierte und angab von der Aktion überhaupt nichts zu wissen. Ohne deren Zustimmung wird kein Transport nach Kenia stattfinden können.

 

Auf diese Art verkommt die Aktion zu einer Mischung aus PR-Gag und blindem Idealismus, den die Elefanten mit ihrem Leben bezahlten könnten. Wenn man einen solchen Transport wagen möchte, dann sollte dies in ein Land mit niedrigem Elefantenbestand geschehen, das nichtsdestotrotz einen intakten Lebensraum für die Tiere bieten kann sofern diese Kombination überhaupt irgendwo besteht. Wie unterschiedlich in Afrika die Situation ist, zeigt, dass die Länder Südafrika, Namibia, Botswana, Simbabwe und Sambia einen Antrag auf Herabstufung des Elefantenschutzes gestellt hatten, um Handel mit Elefantenprodukten betreiben zu dürfen – in diesen Ländern leben etwa zwei Drittel aller Afrikanischen Steppenelefanten. Zehn andere afrikanische Länder, darunter Kenia, haben hingegen erfolgreich beantragt, den strengen Schutz aufrechtzuerhalten. Selbst wenn man eine Nation findet, die sinnvoll eine Herde aufnehmen kann, sollte man sich im Klaren sein, dass die Herde behutsam in einem viele Jahre dauernden Prozess Schritt für Schritt an größer werdende Freiheiten gewöhnt werden muss.

 

Übrigens, Howlett hält auch besagte Bergbongos. Vielleicht sollte man Kosten sparen und eine Art auswildern, bei der es mehr Sinn macht und die erfolgsversprechender ist. Oder sind Antilopen vielleicht nicht pressetauglich genug?!?

 

 

Juli-Bild: Gewöhnliche Impala

Impalas sind recht bekannte und grundsätzlich in Afrika weit verbreitete Antilopen. Sie bilden eine eigenständige Rangstufe innerhalb der Antilopen und bestehen aus zwei Arten. Zum einen sind es die seltenen und gefährdeten Schwarznasenimpalas, die vorrangig in Namibia leben, während die Schwarzfersenimpalas – auch Gewöhnliche Impala oder Schwarzfersenantilopen genannt – im östlichen und südöstlichen Afrika einen weiten Verbreitungsraum haben. Wenig überraschend stammt die Bezeichnung Schwarzfersenimpalas von ihrer schwarzen Fellfärbung auf der Rückseite der Ferse.

 

Hier gut zu sehen: die namensgebende schwarze Stelle an den Fersen, Bild aus dem Zoo Osnabrück

 

Bei dem Tier auf diesem Bild handelt es sich noch um einen wenige Monate alten Bock, der zwar schon recht groß gewachsen ist, aber über sehr kleine Hörner verfügt – weibliche Impalas bleiben hornlos. Auffällig sind die schlanke Körperstatur und die großen abstehenden schwarz-weiß gezeichneten Ohren. Wenn das junge Männchen etwa ein Jahr alt ist, wird es aus seiner Herde geschmissen und sucht sich gleichaltrige Jungs, um in einer überlebenswichtigen Junggesellenherde zu leben. Hier schützen sich die Jungböcke gegenseitig vor Feinden und lernen spielerisch zu kämpfen. Erst mit etwa vier Jahren sind sie alt, kräftig und erfahren genug, um einen dominanten Bock erfolgreich herausfordern zu können und dessen Herde zu übernehmen. Weibliche Jungtiere haben es da einfacher, sie bleiben in ihrer Geburtsherde und werden mit etwa anderthalb Jahren geschlechtsreif.

 

Weibliche Schwarzfersenantilope

 

Die Lebenserwartung bei Männchen liegt in der Natur bei etwa zehn Jahren, bei Weibchen um die 14 Jahre. In Zoos sollen Tiere vereinzelt ein Alter von 25 Jahren erreicht haben. In der Natur gibt es zahlreiche Feinde, die ein hohes Alter verhindern möchte. Für Impalas sind Leoparden mit Abstand die gefährlichsten Angreifer, gefolgt von Wildhunden. Auch andere Raubtiere sind für sie gefährlich, aber bei Löwen, Hyänen und Geparden stehen sie eher untergeordnet auf der Speisekarte. Jungtieren droht auch Gefahr aus der Luft, denn Beutegreifer wie die Kampfadler haben kein Problem mit dem noch leichten Impala-Nachwuchs. Trotz aller Gefahren wird der Bestand der Schwarzfersenantilopen auf etwa zwei Millionen geschätzt.

 

Ausgewachsene Männchen in den finalen Zügen ihres Junggesellen-Daseins

Juni-Kalenderbild: Hilgerts Grünmeerkatze

Hilgerts Grünmeerkatzen sind eine vornehmlich im südlichen Kenia vorkommende Unterart der Südlichen Grünmeerkatze, einer häufig vorkommenden Meerkatzenart, die von Äthiopien bis Südafrika im östlichen Bereich Afrikas anzufinden ist. Sie fühlen sich eher in halboffenen Gebieten wohl, nicht so sehr in dichten Wäldern oder der weiten Ebene. Die Grünmeerkatzen kommen gut mit dem Menschen klar, als Allesfresser sind sie Kulturfolger, die sich in Siedlungen gut ernähren können, wenngleich Früchte ihre bevorzugte Nahrung sind.

 

Südliche Grünmeerkatzen leben in Gruppen von bis zu 50 Tieren, die meisten Verbände sind aber deutlich kleiner. Eine Gruppe besteht aus einigen Männchen, vielen Weibchen und deren Nachwuchs. Bei Erreichen der Geschlechtsreife wandern die jungen Männchen ab, während die Weibchen in der Gruppe verbleiben. Sowohl unter den Männchen wie auch unter den Weibchen besteht eine Hierarchie, die unter anderem über den Zugang zum Futter entscheidet.

 

Wo Tiere nah am Menschen leben, gibt es natürlich auch Konflikte. Naturgemäß möchten Menschen nicht, dass die Affen ihnen das Essen oder die Ernte stehlen, aber auch Straßenverkehr, elektrische Leitungen, Hunde oder auch das bewusste Einfangen für Fleischgewinnung oder medizinische Zwecke sind ein Problem. In der Natur sind Leoparden, Adler, Pythons und Paviane ihre Feinde, für die sie unterschiedliche Warnrufe haben. Bis zu 30 verschiedene Warnrufe bei Grünmeerkatzen konnte man inzwischen ausmachen.

Kalenderbilder „Wildlife of Namibia 2022“

Mai-Kalenderbild: Afrikanischer Steppenelefant

Über Elefanten wird viel geschrieben, sie stehen mit ihrer Größe und Unverwechselbarkeit stets im Fokus der Öffentlichkeit. Gemeinhin unterscheidet man drei verschiedene Elefantenarten. Zum einen ist es der Asiatische Elefant, während man in Afrika den Waldelefanten und den Steppenelefanten findet. Die IUCN hat erst in diesem März diese Unterscheidung vorgenommen und den in den Regenwäldern West- und Zentralafrikas lebenden Waldelefanten als vom Aussterben bedroht eingestuft, während der bekanntere und weiter verbreitete Steppenelefant auf stark gefährdet hochgestuft wurde.

 

Die Situation der Elefanten in Afrika ist von Land zu Land sehr unterschiedlich. Insgesamt schätzt man die Zahl auf 400.000 bis 500.000 ein. Das klingt sehr viel und ist es auch, aber die Anzahl sinkt dramatisch. Die Bestandsabnahme variiert je nach Quelle meist von 10.000 bis 20.000 Verlusten pro Jahr. Speziell in Kenia hingegen kann man die Situation der dort lebenden Steppenelefanten als Erfolg verbuchen. Ihre Anzahl hat sich in den letzten drei Jahrzenten auf etwa 35.000 Tiere mehr als verdoppelt – eine Konsequenz aus dem rigorosen Schutz der Tiere. Nach Botswana, Tansania und Simbabwe dürfte es in Kenia das viertgrößte Vorkommen an Elefanten in Afrika geben. Nichtsdestotrotz werden die Dickhäuter auch dort Opfer von Wilderern, die auf das wertvolle Elfenbein aus sind. 1989 wurden in Nairobi 12 Tonnen und 2015 15 Tonnen beschlagnahmter Stoßzähne seitens der Regierung öffentlich verbrannt als Zeichen gegen das illegale Abschlachten und den Handel mit dem Elfenbein.

 

 

Auch wenn die Entwicklung sehr positiv ist, heißt dies nicht, dass die Situation der Elefanten in Kenia ein Paradies wäre. Der Konflikt mit der lokalen Bevölkerung existiert auch in Ostafrika. Wo Elefanten marschieren müssen Farmer um ihre Ernte fürchten, die einzige Erwerbsquelle vieler Menschen, was die grauen Riesen nicht zum beliebten Gast werden lässt. Die Nationalparks sind weitestgehend umzäunt, was diesem Problem vorbeugt, jedoch auf der anderen Seite die traditionellen Wanderrouten der Tiere abschneidet. Aufgrund des Nahrungsbedarfs ist auch nicht jeder Park geeignet, um eine selbsttragende Elefantenpopulation zu beherbergen – man spricht von etwa 100 Quadratkilometern als Mindestgröße, die dafür notwendig ist. Dort, wo Elefanten gehalten werden, trifft man früher oder später auf sie, auch wenn sie beispielsweise im dichten Buschland der teilweise steilen Aberdare Mountains trotz ihrer Größe schnell im Geäst verschwinden können.

 

Elefantenbulle in den Hängen der Aberdare Mountains

 

Das Monatsbild Mai führt uns in die Masai Mara. Die weite Steppenlandschaft macht Elefantensichtungen nicht schwer. Ob einzelgängerische Elefantenbullen oder Herden mit Nachwuchs, alles ist vertreten und auffindbar. Die Kuhherden mit ihrem Nachwuchs sind bei den Afrikanischen Steppenelefanten viel größer als beim asiatischen Pendant. Nicht selten kann man in Afrika Herden mit 20 und mehr Tieren beobachten, während in Asien die Gruppengröße selten mehr als sechs Tiere umfasst. So kam es auch bei diesem Bild, dass eine recht große Herde durch die Savanne streifte mit dem gezeigten Elefantenbaby, das noch wunderbar unter den Bauch der Mutter passt. Man sieht hier auch ein typisches Verhalten: die Mutter nimmt ihren Nachwuchs immer auf die sichere Seite, das heißt vom Auto abgewandt um das Kleine vor einem potentiellen Angriff zu schützen.

 

Teil einer Herde in der Masai Mara

 

Rettet den Drill bedankt sich für die Spende

Auch aus Hannover ist inzwischen ein Foto als Dankeschön für die Spende aus dem Kalenderprojekt „Wildlife of Kenya 2021“ eingetroffen. Kathrin Paulsen, Vorsitzende des Vereins „Rettet den Drill“, bedankte sich für die Unterstützung in Höhe von 629 Euro. Der in Deutschland ansässige Verein ist wichtiger Förderer der Schutzgebiete in Kamerun und Nigeria für eine gefährdete Affenart, die nicht im Fokus der Öffentlichkeit steht und umso dringender auf Hilfe aus privater Hand angewiesen ist.

Spendenübergabe Reticulated Giraffe Project

Coronabedingt läuft bekanntlich alles etwas anders ab, auf einen Termin für ein Spendenübergabefoto wird in diesem Jahr daher verzichtet. Nichtsdestotrotz sprechen die unterstützen Projekte natürlich ihren Dank aus. Stellvertretend für das Reticulated Giraffe Project im kenianischen Samburu-Nationalpark sandte Giraffen-Zuchtbuchführer Jörg Jebram vom Opel-Zoo Kronberg, auf dessen Initiative dieses Projekt ausgewählt wurde, dieses Bild zu. Mit 500 Euro aus dem Überschuss der Charity Kalenders „Wildlife of Kenya 2021“ wurde der Einsatz für die Netzgiraffen in der Wildnis bedacht.

April-Bild: Massai-Giraffe

Im April bleiben wir auf Crescent Island. Während im Vormonat die Weißbartgnus und Thomsongazellen ihren Fluchtinstinkt gewahrt haben, handelt es sich bei den Massai-Giraffen um tiefenentspannte Tiere, die sich offensichtlich an die Besucher auf der Insel gewöhnt haben. Man war fast schon geneigt einen Versuch zu starten unter den Tieren durchzulaufen wenn man nicht um die gewaltige Kraft der Hufe wüsste, deren Tritt man wahrscheinlich nicht überleben würde.

 

Massai-Giraffen sind nach Analyse des Senckenberg-Instituts eine eigenständige Giraffenart, die als stark gefährdet gilt. Sie kommt nur in Tansania und Kenia vor. Erkennen kann man sie an den dunklen Flecken, die zum einen gezackter gestaltet sind und die relativ weit auseinanderstehen, so dass die helle Grundfarbe deutlicher hervorkommt als bei anderen Giraffenarten. Etwa 35.000 Massai-Giraffen gibt es noch, was aber einen Verlust von 50% über die letzten Jahrzehnte darstellt. Außerhalb von Schutzgebieten besteht eine hohe Gefahr von Wilderei, innerhalb von Schutzgebieten werden Jungtiere oft Opfer von Raubtieren.

 

Ansonsten gilt für Massai-Giraffen das Gleiche wie für andere Giraffenarten auch, vom Verhalten sind sie identisch. Die Weibchen leben in kleinen Gruppen mit dem Nachwuchs, während die Bullen Einzelgänger sind, die nur zur Paarung sich den Herden nähern. Etwa die Hälfte des Tages verbringen Giraffen mit Essen und der Suche danach, weswegen ihr Streifgebiet auch sehr groß ist. Ausgewachsene Giraffen haben eigentlich nur Löwen als Feinde, die sich aber nur ungern den bis zu 6 Meter großen und 1,5 Tonnen schweren Riesen nähern, eben weil sie durch einen Tritt der Hufe selbst ihr Leben riskieren. Bei Jungtieren sieht dies anders aus, die können auch Hyänen, Leoparden und Wildhunden zum Opfer fallen.

 

In europäischen Zoos ist diese Giraffenart nicht zu sehen, weswegen sie hierzulande auch nicht den hohen Bekanntheitsgrad hat. In den USA ist dies dafür eine häufiger gehalten Art.

 

Für generelle Informationen über Giraffen und den aktuellen Stand der Forschung können Sie auch in diesem Beitrag nachlesen: http://charity-kalender.de/de/weltgiraffentag-bedrohte-riesen

März: Weißbartgnus und Thomsongazellen auf Crescent Island

Die Kalenderbilder der nächsten zwei Monate führen uns nach Crescent Island, einer Insel im Lake Naivasha. Dort befindet sich ein zu Fuß begehbares Schutzgebiet. Wie aber kommen die Tiere überhaupt dahin? Nun, der Oskar-prämierte Film „Jenseits von Afrika“ wurde 1985 hier gedreht. Um eine ansprechende Kulisse zu haben, transportierte man Tiere auf die Insel. Nach Beendigung der Dreharbeiten ließ man sie dort zurück, wo sie im Grunde frei von natürlichen Feinden leben.

 

Wer schon mal eine Besichtigung in der Meyer-Werft gemacht hat, könnte sich gemerkt habeb, dass das Schiff, das in „Jenseits von Afrika“ zu sehen ist, eben dort im emsländischen Papenburg als „Graf Götzen“ gebaut wurde. Dies fährt heute noch unter dem Namen „Liemba“ auf dem Tanganjikasee. Mit entsprechenden Erwartungen fragte ich den Guide auf dem Weg wegen der im Reiseplan stehenden Bootsfahrt nach Crescent Island, wann denn das Schiff zur Insel übersetzen würde. Der etwas überraschte Guide meinte, dass es dann fährt wenn wir dahin kommen. Die Auflösung gab es dann vor Ort: die Fahrt war keineswegs in einem größeren Dampfer, sondern in diesem Ozeanriesen:

 

 

Auf der nicht allzu langen Fahrt zog der Himmel allmählich zu, so dass der nächste Regenschauer absehbar war. Der blaue Salon auf dem Ozeanriesen bot genauso wenig Deckung wie sie auf der Insel zu erwarten war, daher dauerte der Ausflug leider nicht lang. Wer genauer hinsieht, entdeckt auf dem Foto noch Zebras, die aber später noch separat im Kalender auftauchen. Mit Adleraugen könnte man noch Vogelarten in der Distanz erspähen wie einen Kronenkranich oder Kormorane, aber es ist definitiv kein Besuch beim Optiker notwendig wenn man dies nicht erkennt. Wir wenden den Blick lieber auf die beiden im Vordergrund trabenden Tierarten. Zum einen handelt es sich dabei um Weißbartgnus, zum anderen um Thomsongazellen.

 

Weißbartgnus gehören zu den Kuhantilopen, bei denen die Bullen im Schnitt 250 kg auf die Waage bringen, die Kühe etwas weniger als 200 kg. Die Grundfarbe ist eher grau, die dunklen Streifen kommen damit besser zur Geltung. Man schätzt den Bestand der Östlichen Weißbartgnus auf etwas weniger als 100.000 Tiere ein – im Gegensatz zur Serengeti-Variante, von der es über eine Million Tiere gibt. Bedroht sind sie entsprechend nicht. Die bis etwa 20 Jahre alt werdenden Weißbartgnus leben in Gruppen von zehn bis zu 1.000 Weibchen mit Jungtieren, während die Bullen grundsätzlich Einzelgänger sind. Die Grasfresser müssen zweimal täglich trinken – kein ganz geringes Risiko, denn die Liste ihrer Feinde ist weit gefächert, vom Löwen bis hin zum Krokodil, denen sie beim Erkennen der Gefahr mit einem bis zu 80 km/h schnellen Sprint versuchen zu entkommen, ehe sie sich umdrehen und die Situation neu evaluieren.

 

Die Thomsongazellen – von Einheimischen Tommies genannt – sind zierlich kleine Stirnwaffenträger, die etwa einen Meter hoch werden und um die 20 Kilo auf die Waage bringen. Charakteristisch ist der breite schwarze Streifen an den Flanken. Beide Geschlechter tragen Hörner, die der Männchen sind allerdings deutlich größer. Die bis 15 Jahre alt werdenden Tiere weisen die Besonderheit auf, dass sie durchaus auch zweimal im Jahr gebären können. Bei einer Tragzeit von 6-7 Monaten muss es dafür allerdings einen schnellen Durchlauf geben… Eine Herde kann 200 Tiere umfassen, aber wenn eine Geburt ansteht, setzt das Weibchen sich einige Tage vorher ab und bleibt bis zu drei Wochen beim Nachwuchs, was wie folgt aussieht:

 

Als kleines Huftier ist die Thomsongazelle begehrtes Opfer von Raubtieren. Sie können bis zu 80 km/h schnell werden und diese Geschwindigkeit über 15-20 Minuten halten, um den Angreifern zu entkommen. Als Besonderheit können sie überraschende Sprünge einstreuen, die ihre Jäger verwirren sollen. Mittlerweile gilt die nur in Kenia und Tansania vorkommende Thomsongazelle als potentiell gefährdet.

 

Projekt „Wildlife of Kenya 2021“ erzielt vierstelligen Gewinn

Das diesjährige Kalenderprojekt „Wildlife of Kenya 2021“ ist abgeschlossen. Unterm Strich steht ein Gewinn in Höhe von 1.129,84 Euro, der bereits an die Organisationen Rettet den Drill sowie das Reticulated Giraffe Project im kenianischen Samburu-Nationalpark überwiesen worden ist.

 

Die höchsten Kosten beim Charity Kalender fallen naturgemäß für die Produktion des Kalenders an. Den mit Abstand zweithöchsten Posten stellt der Versand dar – die Kalender haben für Transportunternehmen sperrige Formate, weswegen hierfür der Maxibrief Plus mit 4,90 Euro zu Buche schlägt. Hinzu kommt im deutlich niedrigeren Ausmaß der Kostenpunkt für die Verpackung, wofür spezielle A3 Kalenderkartons verwendet werden. Zuletzt sind noch Bankgebühren zu nennen, was nichts anderes sind als die Gebühren, die PayPal für die Überweisungen kassiert. Nicht zu vergessen, dass für die Kalender natürlich die Umsatzsteuer an den Staat abgeführt werden muss, wo der Charity Kalender in dieser Ausgabe von dem temporär verniedrigten Steuersatz profitierte. So kommt der Endbetrag von 1.129,84 Euro aus Einnahmen von exakt 1.955 Euro vor Steuern zustande. Es wird kein Geld für Verwaltungskosten oder eigenen Gewinn einbehalten! Ein herzliches Dankeschön an alle Käufer und Unterstützer dieses Formats!

 

Februar-Bild: Nimmersatt am Lake Naivasha

Es mag für Kinder eine Enttäuschung sein, aber der Nimmersatt ist keine kleine Raupe, sondern ein afrikanischer Vogel. Er dürfte viele an den hier im Sommer heimischen Weißstorch erinnern – was auch kein Wunder ist, denn der Nimmersatt gehört zu den Storchenvögeln. Das Gefieder ist recht ähnlich, der große Unterschied besteht im leuchtend gelben Schnabel im Verbund mit dem knallroten Gesichtsband.

 

Anfinden kann man ihn in Afrika südlich der Sahara vornehmlich von Ostafrika runter bis Südafrika, dazu auf Madagaskar, immer in Wassernähe vorkommend. So verwundert es auch nicht, dass der Nimmersatt auf der Reise zweimal an Seen gesichtet werden konnte, am Lake Nakuru und wie hier am Ufer des Lake Naivasha. Die schöne Perspektive mit Bäumen und Büschen im Hintergrund verdankt man der Tatsache, dass das Foto von einem kleinen Boot aus gemacht wurde.

 

Wenn er sich in das Wasser begibt, verharrt der Nimmersatt sehr regungslos und wartet auf vorbeikommende Fische. Zum Nisten nutzt er allerdings eher Bäume und das Binnenland.  Warum aber hat der Vogel diesen komischen deutschen Namen bekommen? Das liegt am Nachwuchs. Der wird mit hochgewürgtem Fisch gefüttert und wächst sehr schnell. Auf Englisch wurde die Art nach dem charakteristischen Schnabel einfach „yellow-billed stork“ (Gelbschnabelstorch) benannt.

Januar-Bild: Löwe

Auf einer Safari gehören Löwen natürlich zu den Tieren, die man unbedingt gesehen haben will. In Kenia gelang dies eigentlich recht zuverlässig, sowohl in den Wildlife-Schutzgebieten Solio Ranch und Ol Pejeta, wie auch wie hier zu sehen in der Masai Mara.

 

Wie man die Großkatzen auch aus Zoologischen Gärten kennt, ist die Chance die Löwen in Aktion zu sehen allerdings eher gering, denn ob in menschlicher Obhut oder der freien Natur: Löwen schlafen um die 20 Stunden am Tag. Dies bedeutet aber nicht, dass man die Karnivoren auch gut sehen kann, denn das Gras steht hoch, in Kenia befinden sich zudem viele Büsche – Versteckmöglichkeiten gibt es reichlich. Dieser erfahrene Löwenkater lag beispielsweise allein an einem Busch. Die Wahrscheinlichkeit, dass in der Nähe weitere Löwen zu finden sein werden, ist groß, denn Löwen sind unter den Katzenartigen die einzigen Rudeltiere und keine Einzelgänger. Ein Kater, der seine Familie an einen jüngeren Rivalen verliert, stirbt meist kurze Zeit später entweder an den Folgen des Kampfs oder daran, dass er allein nur schwer Beute machen kann nachdem zuvor seine Löwinnen auf die Jagd gegangen waren. So kommt es, dass ein Löwenkater in der Natur kaum mal ein Alter von zehn Jahren erreicht, während die Exemplare im Zoo durchaus das Doppelte erreichen können.

 

Lange Zeit war in dieser Szenerie allerdings nichts zu sehen, ehe man auf der anderen Seite des Autos im hohen Gras plötzlich Bewegungen wahrnehmen konnte. Zwei Löwinnen lagen dort gut getarnt mit Nachwuchs. Den Kater störte das ihn von seinem Rudel trennende Fahrzeug offensichtlich nicht weiter, vielmehr drehte er sich und kratzte in aller Ruhe seinen Rücken – in dem Moment wirkte der König der Tiere eher wie ein verspieltes Kätzchen.

 

Nicht so wirklich geklärt ist indes die Unterart der Löwen. Früher hätte man ihn wie im Kalender ausgeschildert als panthera leo nubica – den Nubischen, bzw. Ostafrikanischen Löwen – bezeichnet. Neuere Genanalysen zufolge werden die Löwen nur noch in zwei Arten aufgeteilt: panthera leo leo und panthera leo melanochaita. Letztere Art kommt im südlichen und östlichen Afrika vor, dementsprechend wäre der auf diesem Bild gezeigte Löwe hierzuzuzählen. Die Variante leo existiert noch in Zentral- und Westafrika, dazu noch die asiatische Unterart in Indien. Ob dies die endgültige Einteilung ist, bleibt abzuwarten. Sicher ist allerdings, dass die gelegentlich in Zoos gezeigten weißen Löwen keine eigenständige Art, sondern eine bewusste Kreuzung sind.

Netzgiraffen in Zoos und der Wildnis – Interview Teil 2

CK: In Deutschland gibt es nur noch fünf Netzgiraffenbullen – drei davon sind sicherlich im letzten Lebensabschnitt, einer hat keine Kühe bei sich, und nur der Serengetipark Hodenhagen verfügt über einen jungen Bullen, der realistisch gesehen sinnvoll züchten könnte. Muss man sich von Netzgiraffengeburten dauerhaft verabschieden?

JJ: Als Koordinator habe ich immer die Gesamtsituation im Blick und denke da nicht in Ländergrenzen. Ich glaube aber nicht, dass wir uns innerhalb Deutschlands dauerhaft von neugeborenen Netzgiraffen verabschieden müssen. Veränderungen in die eine oder auch die andere Richtung verlaufen bei Giraffen allerdings schon allein aufgrund der recht langen Tragzeit von 15 Monaten sehr langsam. Insofern liegt es in der Natur der Sache, dass es noch ein wenig dauern kann, bis wieder regelmäßig Netzgiraffen in deutschen Zoos geboren werden.

 

Der älteste noch lebende Netzgiraffenbulle in Deutschland: Kiringo aus dem Zoo Duisburg, geboren 1999 in München

Der drittälteste Netzgiraffenbulle in Deutschland: Maru aus dem Kölner Zoo, geboren 2001 in Kopenhagen

 

CK: Netzgiraffen züchten allgemein sehr gut, man könnte den Zoobestand locker ansteigen lassen, während der Bestand in der Natur immer weiter runtergeht. Da drängt sich regelrecht die Frage auf, warum man nicht zum Auswildern züchtet.

JJ: Im Moment ist die Situation für Auswilderungen von Giraffen noch nicht gegeben. Wie so oft bei Bestandsrückgängen in der freien Natur, müssen zunächst die Bedrohungsfaktoren zumindest eingedämmt und/oder Schutzräume für die Tiere geschaffen werden, bevor man konkret an Auswilderungen denken kann. An dieser Strategie wird im Moment gearbeitet und ehrlich gesagt hoffe ich, dass die Giraffenpopulationen in Afrika sich auch ohne Giraffen aus den Zoos wieder erholen und stabilisieren werden. Trotzdem koordiniere ich das Erhaltungszuchtprogramm so, dass die Zoos im schlimmsten Fall auch hier mit genetisch gesunden Tieren helfen könnten. Im Moment versuche ich aber daran mitzuarbeiten, dass sich die Situation der Giraffen in Afrika auch ohne Auswilderungen noch zum Positiven wendet.

 

CK: Wie groß ist Ihre Hoffnung speziell bei Netzgiraffen, dass die Situation sich zum Positiven wendet? Im Grunde ist Kenia das einzige Land, in dem diese Unterart noch vorkommt.

JJ: Es ist schwierig zu beurteilen, ob wir es noch schaffen, die Wildpopulation der Netzgiraffen aufrecht zu erhalten. Klar ist, wir müssen jetzt mit aller Kraft versuchen, die Bedrohungsfaktoren einzudämmen und Schutzräume für die Tiere schaffen. Erst wenn wir dies geschafft haben, können wir beurteilen, ob die Wildbestände sich von allein wieder erholen können oder wir ggf. mit zoogeborenen Giraffen unterstützen müssen.

 

CK: Welche weiteren Maßnahmen können Sie von Zooseite treffen, um die Situation in der freien Wildbahn zu verbessern?

JJ: Ich habe in den letzten Jahren die Zusammenarbeit zwischen Zoos und dem Giraffenschutz in den natürlichen Verbreitungsgebieten der Giraffen stark vorangetrieben. So haben wir z.B. eine Gruppe innerhalb des Artenkomitees eingerichtet, die sich ausschließlich dem Thema Giraffenschutz in Afrika widmet und diesen versucht mit den Zoos enger zu verknüpfen. Es wurden beispielsweise verschiedene Forschungs- und Schutzprojekte von der Gruppe mit einem enormen Zeitaufwand evaluiert, die wir dann am Ende den Haltern als unterstützenswert empfehlen. Diese enge Verknüpfung von in-situ und ex-situ Artenschutz ist auch weiterhin eines der Ziele des Zuchtprogramms.

 

CK: Zuletzt, Sie sind Zuchtbuchkoordinator der unterschiedlichen Giraffenarten, haben in Gelsenkirchen und jetzt in Kronberg jeweils mit Rothschildgiraffen/Nubischen Giraffen gearbeitet. Wird die Art damit automatisch gewissermaßen zu einem Favoriten oder wäre es Ihnen egal, mit welcher Giraffenart Sie im Alltag arbeiten?

JJ: Es stimmt, die Rothschildgiraffen begleiten mich seit ich die Koordination des Zuchtprogramms übernommen habe. Trotzdem liegen mir die anderen Unterarten genauso am Herzen und faszinieren mich gleichermaßen. Und so genieße ich es sehr wenn ich Kollegen besuche, die eine andere Giraffenunterart halten, diese Tiere dort zu beobachten. Dann kommt es natürlich vor, dass ich die Besonderheiten der anderen Unterarten direkt mit „meinen“ Rothschildgiraffen vergleichend in Bezug setze. Dies liegt aber nicht an einer Vorliebe, sondern eher daran, dass ich die Rothschildgiraffen täglich vor Augen habe, wenn ich im Zoo bin…

 

Netzgiraffen in Zoos und der Wildnis – Interview mit Zuchtbuchführer Jörg Jebram

Wenn es um Giraffenbestände in den wissenschaftlich geführten Zoos Europas geht, steckt ein Mann dahinter, der die Koordination durchführt und entscheidet, welche Tiere in welchem Zoo leben und welche sich fortpflanzen dürfen. Jörg Jebram führt die Geschicke des Zuchtbuchs, bis Ende 2019 von der Zoom-Erlebniswelt Gelsenkirchen aus, seit 2020 aus dem Opel-Zoo Kronberg. Von ihm kam die Empfehlung zur Unterstützung der Reticulated Giraffe Project im Samburu Nationalpark, und mit ihm sprach Charity Kalender über seine Tätigkeit innerhalb des Zoos und die Situation der Netzgiraffen in der Wildnis.

 

Charity-Kalender: Herr Jebram, in deutschen Zoos werden Netzgiraffen von 13 Haltern* gezeigt, keine Unterart der Giraffe ist häufiger zu sehen. Tatsächlich aber geht der Bestand nach unten. Die letzten Nachzuchten gab es 2016 – was ist der Grund dafür?

Jörg Jebram: Vor etwa acht Jahren habe ich die Koordination des Erhaltungszuchtprogrammes für die in Europa gehaltenen Giraffenunterarten übernommen. Damals waren die Populationen insgesamt zu groß. Es gab schlichtweg kaum Platz, um die Nachzuchten in anderen Zoos unterzubringen. Im Jahre 2014 haben wir einen sogenannten Long-Term-Managementplan für jede einzelne gehaltene Unterart erstellt. Die Zielgröße bei den Netzgiraffen wurde nach genauer Analyse der vorliegenden genetischen Daten auf 130 Tiere festgelegt. Derzeit werden 149 Netzgiraffen im Zuchtbuch koordiniert, d.h. wir haben momentan immer noch 19 Netzgiraffen mehr als wir eigentlich zur langfristigen Gesunderhaltung der Population benötigen. Das Ziel ist also immer noch, die Gesamtpopulation ein wenig zu verkleinern.

 

CK: Wie möchten Sie das Ziel der Reduktion erreichen?

JJ: Dies passiert in erster Linie durch eine Verringerung der Geburtenrate. Sowohl der Rückgang der Bestandszahlen als auch die Minderung der Geburtenrate ist also beabsichtigt. Die deutschen Kollegen haben mich dabei sehr unterstützt und deswegen bin ich ihnen auch extrem dankbar. Das Funktionieren eines Zuchtprogramms hängt immer von den Teilnehmern ab und ist nie das Werk eines einzelnen.

 

CK: Wie schwierig war der Prozess, die anderen Zoos von der Reduktion zu überzeugen? Nachwuchs wird gemeinhin ja sehr gerne von Zoos präsentiert.

JJ: Der entscheidende Faktor war aus meiner Sicht eher die Tatsache, dass möglicher Nachwuchs bei Eintritt der Geschlechtsreife nicht hätte in anderen Zoos platziert werden können – die Jungtiere hätten also über die Geschlechtsreife hinaus in ihrem Geburtszoo bleiben müssen. Dies habe ich damals sehr ausführlich und klar an die Halter kommuniziert und ihnen die Situation dargestellt. Ich denke, dass es genau diese offene und zugegebenermaßen sehr zeitaufwändige Kommunikation war, die die Halter zur Mithilfe bei der Reduktion der Geburtenrate motiviert hat.

 

CK: 2014 gab es hierzulande eine Reform der Säugetierhaltungsrichtlinie, die bei Giraffen sowohl für Innen- wie Außenanlagen eine deutliche Verschärfung bewirkt hat. Inwieweit stellt das ein Problem für die Zukunft der Haltung hierzulande dar?

JJ: Das hat auf meine Arbeit als Zuchtbuchkoordinator sehr wenig bis gar keinen Einfluss. Als die Überarbeitung der Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren in Deutschland erschien, ist zumindest kein Zoo an mich herangetreten, der seine Giraffenhaltung aufgeben wollte oder musste. Ich glaube, die Haltung der Giraffen in den deutschen Zoos war und ist auf einem sehr hohen Niveau. Die wissenschaftlich geführten Zoos hinterfragen stetig Ihre Haltungen und passen sie falls nötig an. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Größe eines Geheges meist recht wenig über die Qualität der Haltung aussagt. Natürlich muss jedes Gehege dem Tier und seinem Verhalten in der Größe entsprechen, aber es gibt noch einige andere Faktoren, die ich für mindestens genauso wichtig halte. Dementsprechend sehe ich es nicht sehr gern wenn die Gehegegröße so sehr in den Fokus gerückt wird.

 

CK: In der Vergangenheit sind Bullen häufig schon mit Erreichen der Geschlechtsreife in die Herden gekommen und haben dann regelmäßig für viel Nachwuchs gesorgt. Wäre es nicht sinnvoller für ein ausgewogenes Populationsmanagement wenn man die Jungs erst wie in der Natur in eine Jungbullengruppe gibt und die Zuchtbullen bei Bedarf im höheren Alter aus diesen Gruppen nimmt?

JJ: Aus genetischer Sicht ist es egal, ob ein Bulle schon im Alter von 2,5 Jahren als Zuchtbulle in eine Weibchengruppe kommt oder erst mit 5 Jahren – seine Gene, die er vererbt, bleiben dieselben. Wie schon erwähnt, sind die Zuchterfolge mit der bisherigen Art des Managements ausgesprochen gut. In der Natur bestimmen die alten, erfahrenen Bullen für eine gewisse Zeit das Fortpflanzungsgeschehen bis sie von aufstrebenden Jungbullen abgelöst werden. Ich denke aber nicht, dass der Aufenthalt in einer Junggesellengruppe irgendeinen Einfluss auf das Wohlbefinden der Tiere hat, sondern dient in freier Wildbahn dazu, das Überleben der Jungbullen zu sichern – es ist also eher eine Art Zweckgemeinschaft. Anstelle des Zucht-Auswahlverfahrens durch Kämpfe der Tiere in freier Wildbahn, tritt bei den Zoogiraffen die Auswahl der Zuchttiere anhand ihrer Gene. Ich schaue, welche genetischen Linien gut repräsentiert sind und welche eher weniger. Letztere kommen dann in den Zoos bevorzugt zur Fortpflanzung, so dass die Population über viele Jahre genetisch gesehen breit gefächert bleibt. Das Alter der Bullen oder aus welcher Gruppenkonstellation sie entspringen, spielt bei dieser Auswahl eher eine untergeordnete Rolle.

 

Lesen Sie in den nächsten Tagen Teil 2 des Interviews, in dem es vornehmlich um die Situation der Tiere in der freien Wildbahn geht.

 

*die 13 Netzgiraffenhalter in Deutschland sind Augsburg, Duisburg, Erfurt, Frankfurt, Hodenhagen , Karlsruhe, Köln, München, Münster, Neunkirchen, Nürnberg, Osnabrück und Stuttgart.

Kalenderbilder 2021

Die Bilder entstammen einer Vorabversion. Im Kalender taucht beim Afrik. Strauß natürlich nicht der Balken mit den ? auf wie auf dieser Seite!