Mai-Kalenderbild: Balistar

Mai-Kalenderbild: Balistar

Im vergangenen Jahr erlangte der Balistar ein wenig Bekanntheit als „Postervogel“ der EAZA (European Association of Zoos and Aquariums) Kampagne „Silent Forest“, in der auf die bedrohliche Lage der Singvögel Südostasiens aufmerksam gemacht wurde. In der Tat ist diese Vogelart – hier auf einem Bild aus dem NaturZoo Rheine zu sehen – dank Zuchtbemühungen, die im Zoo Wuppertal 1988 starteten, heute hauptsächlich dank Zoos überhaupt noch am Leben.

 

Warum hat es diese Vogelart so schwer? Der erste Grund ist einer, für den niemand etwas kann: ihn gibt es nur in einem sehr kleinen Verbreitungsgebiet im Nordwesten von Bali. Das zweite Problem ist die rasante Zunahme der einheimischen Bevölkerung. Von 2000 bis 2010 hat sich die Einwohnerzahl um fast 25% gesteigert, seitdem nochmal um knapp 10%. Es geschieht das, was überall passiert wenn der Mensch sich ausbreitet: es wird Land gebraucht für die Bevölkerung zum Wohnen und natürlich Anbaufläche, um die Bevölkerung zu ernähren. Dafür und auch für den Tourismus verschwindet der Wald, der Lebensraum vom Balistar und anderer Tierarten.

 

Der dritte Aspekt ist paradoxerweise die Tierliebe von Touristen, die auf den asiatischen Märkten Vögel in viel zu kleinen Käfigen sehen. Diese sind bewusst klein gewählt, um das Mitleid der Touristen zu erzeugen – sie kaufen die Vögel und lassen sie frei, nichtsahnend, dass der Großteil der Vögel sowieso schnell wieder eingefangen wird, so dass für die Tiere dieselbe Prozedur von vorne beginnt. Der gutgläubige Tourist finanziert damit genau das, was er nicht möchte, nämlich die Tierquälerei. Für die arme einheimische Bevölkerung ist dies keine Boshaftigkeit, sondern einfach eine Chance an Geld zu kommen. Den Balistar wird man aber eher nicht auf diesen Märkten antreffen, denn dafür ist er zu wertvoll. Gut 2.000 Dollar lassen sich mit ihm erzielen wenn man ihn an reiche Vogelbesitzer verkauft.

 

Die EAZA Kampagne Silent Forest trägt ihren Titel daher, weil diese Praktiken dazu führten, dass man in Südostasien in die Wälder gehen kann und praktisch keine Vogelstimmen mehr hört.

 

Im Fall des Balistars muss man fairerweise sagen, dass es ihn wahrscheinlich nie in rauen Mengen gegeben hat aufgrund seines kleinen Verbreitungsgebietes, möglicherweise nie 1.000 Tiere in der freien Wildbahn. Auf Bali selber ging der Bestand zwischenzeitlich auf eine einstellige Anzahl zurück. Durch Zoonachwuchs konnte der Vogel mittlerweile an anderen Stellen wieder angesiedelt werden. Anfangs war man sich nicht einmal sicher, ob dieses Vorhaben gelingen würde angesichts des kleinen ursprünglichen Verbreitungsraums, aber das Vorhaben klappte. Momentan schätzt man die Zahl freilebender Balistare auf etwa 200 ein. Die IUCN stuft ihn damit als vom Aussterben bedroht ein.

 

Olaf Goldbecker