Die Netzgiraffe

Die Netzgiraffe

Netzgiraffen kennen viele Menschen aus Zoos, wo diese Tiere relativ häufig anzutreffen sind. Doch wissenschaftlich ist vieles noch gar nicht bekannt. Schon bei der Frage nach der Einordnung als eigenständige Art oder als „bloße Unterart“ der Giraffe herrscht noch Unklarheit. Traditionell werden alle Giraffe als eine einzige Art angesehen, die in neun verschiedene Unterarten aufgeteilt wurde, die Netzgiraffe eben als eine davon. Eine aufwendige Genanalyse des Senckenberg-Instituts förderte zutage, dass die Giraffen neu bewertet werden müssen. Vier verschiedene Arten wurden erkannt, von denen eine die Netzgiraffe ist (mehr darüber kann man hier nachlesen: http://charity-kalender.de/de/weltgiraffentag-bedrohte-riesen)

 

Für die Netzgiraffe bedeutet das, dass sie nicht mehr eine von etwa 100.000 Giraffen ist, sondern es sich um eine eigene Art mit nur noch etwa 8.700 Tieren handelt, die als stark gefährdet gelistet wurde. Ihr Vorkommen erstreckt sich auf Nord-Kenia, Süd-Äthiopien und Somalia – wobei das auch nicht mehr korrekt ist wie wir in der nächsten Zeit gesondert feststellen werden.

 

Unter den Giraffen hebt sich die Netzgiraffe optisch stärker von anderen Giraffenarten ab. Ihr Fell ist zwar auch eher cremefarben, wirkt aber wegen der großen braunen Flecken so als ob die Tiere braun mit dem namensgebenden weißen Netz wären, während es bei anderen Giraffenarten eher wie dunkle Flecken auf der hellen Haut aussieht. Jeder aufmerksame Zoobesucher kann feststellen, dass  Giraffen ein individuelles Muster haben und sich kein Tier dem anderen gleicht.

 

Männliche Netzgiraffen können bis an die 6 Meter groß werden und ein Gewicht von 900 kg auf die Waage bringen. Und das, obwohl die Tiere reine Vegetarier sind. Etwa 50-60 Kilogramm Nahrung braucht eine Giraffe am Tag. Aus dem Grund sind Giraffen so viel in Bewegung, die Menge muss erst einmal aufgetrieben werden – die Hälfte des Tages sind die langen Riesen entsprechend mit Futtern beschäftigt. Auch im Verhältnis zu anderen großen Tieren verfügen Giraffen über ein äußerst großes Herz, das 12 Kilogramm wiegt.

 

Ein mittlerweile weitestgehend bekannter Fakt ist, dass der lange Hals von sieben Wirbeln gehalten wird – und damit von genauso vielen wie unser menschlicher Hals. Interessant bei den Tieren sind die Hörner, mit Fell überzogene Knochenzapfen. Bei Männchen sind die in freier Wildbahn oft blank und nicht mit Haaren bedeckt, weil sie diese zum Kampf gegen Rivalen benutzen. Im Gegensatz zu den Weibchen, die sich mit Nachwuchs zu Herden zusammenschließen, sind adulte Bullen absolute Einzelgänger, die andere Männer nicht in ihrer Nähe dulden. Lediglich Jungbullen, die ihre Mütter verlassen haben, vereinen sich mit anderen heranwachsenden Jungs zu einer Zweckgemeinschaft.

 

Nachzuchten sind bei Netzgiraffen nicht das große Problem. Nach etwa fünfzehn Monaten Tragzeit bringt eine Kuh ihren Nachwuchs zur Welt. Es dauert aber nicht lange bis sie wieder paarungsbereit ist, so dass alle anderthalb Jahre ein Junges zur Welt kommt. Allgemein können sich adulte Giraffen gut verteidigen, Löwen sind die größten Feinde im Tierreich, die aber selber bei einem Angriff auf eine Giraffe in Lebensgefahr schweben – die Tritte der langen und kräftigen Beine sind eine gefährliche Waffe. Die Jungtiere sind deutlich gefährdeter, die können auch durch kleinere Raubtiere wie Geparden, Leoparden, Hyänen und Wildhunde gerissen werden, so dass maximal jede zweite Giraffe überhaupt nur das Erwachsenenalter erreicht. Erheblich gefährlicher für den Fortbestand der Art ist allerdings der Mensch, der den Lebensraum der Tiere einschränkt und Jagd auf sie macht.

 

Olaf Goldbecker