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Rettet den Drill

Zum dritten Mal bereits wird mit dem Artenschutzkalender der Verein „Rettet den Drill“ unterstützt. Was aber ist dieser Verein und macht er eigentlich?

 

Ein Tierpfleger aus Hannover führte eine Aktion mit dem gleichen Titel über 15 Jahre lang durch, um auf diesem Weg Unterstützung für die Drills in der freien Natur zu erwerben. Im Jahr 2004 änderte man dies von der Privatinitiative in einen eigenen Verein mit Sitz in Nordhorn ab. Rettet den Drill ist selbst nicht vor Ort in Afrika tätig, sondern sammelt auf vielfältige Weise Gelder ein, die dann der Organisation Pandrillus in Nigeria (siehe http://charity-kalender.de/de/drills-in-nigeria) und dem Limbe Wildlife Center in Kamerun (siehe  http://charity-kalender.de/de/drills-in-kamerun)  zugutekommen. Gleichzeitig überwacht man deren Aktivitäten und fordert Nachweise für die Mittelverwendung ein, um sicherzustellen, dass die Gelder auch ordnungsgemäß eingesetzt werden.

 

Rettet den Drill ist nach wie vor eine Aktion mit großen Zoobezug. Einige zoologische Gärten sind ebenso juristische Mitglieder wie auch viele Tierpfleger. Natürlich kann auch jeder andere Mitglied werden und damit die Arbeit für die Drills in der freien Wildbahn mit 40 Euro im Jahr unterstützen, www.rettet-den-drill.de

 

Zum Thema kann man auch zwei alte Beiträge nachlesen:

Charity Kalender meets Rettet den Drill – http://charity-kalender.de/de/charity-kalender-meets-rettet-den-drill

Rettet den Drill Vorsitzende Kathrin Paulsen im Interview – http://charity-kalender.de/de/1616-2

Olaf Goldbecker

Kalenderbild Dezember: Addax / Mendesantilope

Das finale Kalenderbild dieses Jahres zeigt eine Mendesantilope, auch Addax genannt, mit ihrem Nachwuchs im Erlebnis-Zoo Hannover. Schnee wie auf diesem Bild, werden sie aus ihrer Heimat kaum kennen, denn sie stammen aus der Sahara. Ihre Farbgebung bietet dort eine gute Tarnung, dennoch steht die Tierart vor der Ausrottung in freier Wildbahn, wo nur noch wenige hundert Tiere existieren.

 

In der Wüste verbringen diese Antilopen die Tage meist ruhend und werden erst abends bei sinkenden Temperaturen aktiv. Als Pflanzenfresser müssen sie im rauen Klima wandern, um an ihr Futter zu kommen. Als auf Wüste angepasste Tiere brauchen sie keine Trinkquellen, sondern nehmen die benötigte Flüssigkeit über das Futter auf. Die Herden bestehen sowohl aus Männchen wie auch aus Weibchen und werden im Unterschied zu vielen anderen Antilopenarten nicht vom Männchen, sondern vom erfahrensten Weibchen angeführt.

 

Die Mendesantilopen galten schon immer als Nahrungsquelle für die lokale Bevölkerung, was auch bis zur rasanten technischen Entwicklung kein Problem war. Ebenso sind sie relativ leichte Beute für Raubtiere, weil sie sich nur langsam fortbewegen, aber auch dies konnte dem Gesamtbestand wenig anhaben. Erst Jagden mit Motorrädern und Flugzeugen ermöglichten Massentötungen, von denen sich die Bestände nicht erholen konnten. Die Bestände in Zoos sind dagegen gut. Für Europa koordiniert der Zoo Hannover das Zuchtbuch, der auch federführend ist für Auswilderungen, die vornehmlich in Marokko stattfindet.

Olaf Goldbecker

Kalenderbilder 2021

Die Bilder entstammen einer Vorabversion. Im Kalender taucht beim Afrik. Strauß natürlich nicht der Balken mit den ? auf wie auf dieser Seite!

 

Olaf Goldbecker

Vorkommen der Netzgiraffen in der Wildnis

In der Literatur findet man überall, dass die Netzgiraffe in Kenia, Somalia und Äthiopien vorkommt. Wie die Situation dort ist, zeigt ein Blick in die einzelnen Länder.

 

Netzgiraffen in Kenia

Der Großteil der wildlebenden Netzgiraffen kommt in Kenia vor – einem Land, das drei verschiedene Giraffenarten beherbergt. Sie leben im Norden und Osten des Landes, etwa den Nationalparks Samburu, Shaba oder Tsavo East. Allerdings haben Tracker ergeben, dass die Netzgiraffen große Distanzen zurücklegen, sich aber nur zu 4% innerhalb geschützter Gebiete aufhalten. Dies ist deswegen ein Problem, weil es Konflikte mit den Viehherden der lokalen Bevölkerung gibt und Gebietsverlust sowie Wilderei das größte Problem der Netzgiraffen darstellt.

 

Netzgiraffen in Somalia

Somalia ist ein sehr instabiler junger Staat, der unter Einfluss von Bürgerkriegen und der Al Shaabab steht. Artenschutz ist unter den Voraussetzungen kein Thema im Land. Es ist sogar unsicher, ob die Netzgiraffe überhaupt noch in Somalia vorkommt, Untersuchungen konnten wegen der bewaffneten Konflikte nicht stattfinden. Zuvor gab es noch Restbestände im Bushbush National Park und der Lower Juba Region. Da bewaffnete Wilderer von Somalia aus in Kenia einfallen, muss man davon ausgehen, dass die Netzgiraffen dort nicht mehr vorkommen.

 

Netzgiraffen in Äthiopien

Das dritte Land, das weithin als Heimat der Netzgiraffe angesehen wird, ist Äthiopien. Das Land ist eines der übervölkertsten Länder Afrikas, was natürlich auf Kosten der Wildnis geht. Ende des letzten Jahrtausends schätzte man den Bestand noch auf gut 140 Tiere ein. Heute ist unsicher, ob überhaupt noch Netzgiraffen bestehen, in jedem Fall sind es deutlich unter 100 Exemplare, so dass man leider festhalten muss, dass der einzig nennenswerte Restbestand der Art noch in Kenia existiert.

Olaf Goldbecker

Drills in Nigeria

Das Vorkommen des Drills in Nigeria ist limitiert auf den Cross River State, dem südöstlichsten Bundesstaat des Landes, der an Kamerun angrenzt. Die Gebiete der Afi Mountains, der Mbe Mountains und des Okwangwo Sektors verbinden sich mit dem Takamanda Nationalpark, der schon in Kamerun liegt und so zu einem wertvollen transnationalen Rückzugsgebiet nicht nur für die Drills geworden ist. Ein weiteres Vorkommen ist in den Obe Hills, die wiederum an den kamerunischen Korup Nationalpark grenzen.

 

Lage des Cross River State in Nigeria, rechts davon Kamerun

 

Zum einen in der Hafenstadt Calabar wie auch in den Afi Mountains liegen die Drill Ranchs von Pandrillus, die 1991 gegründet wurden. Hierhin werden Tiere gebracht, die von Behörden konfisziert wurden – Waisenkinder, deren Mütter bei der Jagd erschossen wurden, oder die illegal als Haustiere gehalten wurden. Die Station in Calabar dient der Quarantäne und als Tierarztpraxis sowie als Verwaltung. Etwa 30 Tiere sind dort untergebracht, die aufgrund ihrer Gewöhnung an Menschen nicht für eine Auswilderung in Frage kommen. Die Stadtmenschen können die Drills in dieser Station bei Führungen besichtigen.

 

 

320 Kilometer, oder 7-8 Stunden Fahrstunden entfernt liegt die Drill Ranch in den Afi Mountains, wohin auch die auswilderungsfähigen Drills aus der Station in Calabar gebracht werden. „Alleine die Fahrt mit einem Fahrer von Pandrillus durch die Dörfer und den Regenwald dorthin, ist ein Erlebnis“, weiß Rettet den Drill-Vorsitzende Kathrin Paulsen zu berichten (erneut ein Dankeschön für die zur Verfügung gestellten anschaulichen Bilder). Die Ranch liegt mitten im Schutzgebiet der Afi Mountains im Regenwald, entsprechend sind die klimatischen Bedingungen. Sechs Drillgruppen leben hier auf neun Hektar Fläche. Sie werden vom Personal gefüttert, aber Reinigungsarbeiten fallen aufgrund der Größe der Anlage nicht an – eher technische Arbeiten. „Es ist einmalig, die Drills dort in ihrem natürlichen Lebensraum zu erleben und die großen Gruppen zu bestaunen“, ist Paulsen fasziniert.

 

Olaf Goldbecker

Drills in Kamerun

In Kamerun lebt die größte Anzahl an Drills, etwa 80% aller Tiere werden hier vermutet. Hier haben sie auch das mit Abstand größte Verbreitungsgebiet, das von West-Kamerun bis zum Sanaga River in Zentral-Kamerun reicht. Dies umfasst zum Beispiel den Ebo Forest, der zu bergig für den Abbau von Rohstoffen und damit ein optimaler Rückzugsort für die Primaten ist, oder den Korup Nationalpark, wo man die meisten Drills vermutet, es allerdings auch vermehrt zu illegalen Jagden gekommen ist, die den Bestand reduziert haben.

 

         

 

In der Hafenstadt Limbe – als Victoria gegründet und zu deutschen Kolonialzeiten als Viktoria weitergeführt – findet man das Limbe Wildlife Center. Dies wurde 1993 in Zusammenarbeit von Pandrillus mit dem kamerunischen Umweltministerium eröffnet, man übernahm den heruntergekommenen Victoria Zoo. Etwa 15 einheimische Primatenarten werden hier neben anderen Arten gehalten mit dem Ziel Umweltbildung bei der lokalen Bevölkerung. Die meisten Affenarten sind Meerkatzen, daneben aber auch Schimpansen und Gorillas. Die größte Gruppe mit etwa 70 Tieren stellen die Drills dar. Das Center gibt etwa 30 Personen Arbeit, es dient als Auffangstation und entlässt nach Möglichkeit die Tiere auch wieder in die Wildnis. „Bei kleineren Arten wie Schildkröten oder Graupapageien sind Auswilderungen vorgenommen worden. Bei Primaten sind die Vorbereitungen dafür sehr umfangreich, Untersuchungen in verschiedenen Gebieten haben aber bereits stattgefunden“, weiß Rettet-den-Drill-Vorsitzende Kathrin Paulsen zu berichten, die netterweise auch die Bilder zur Verfügung gestellt hat.

 

Olaf Goldbecker

Die Netzgiraffe

Netzgiraffen kennen viele Menschen aus Zoos, wo diese Tiere relativ häufig anzutreffen sind. Doch wissenschaftlich ist vieles noch gar nicht bekannt. Schon bei der Frage nach der Einordnung als eigenständige Art oder als „bloße Unterart“ der Giraffe herrscht noch Unklarheit. Traditionell werden alle Giraffe als eine einzige Art angesehen, die in neun verschiedene Unterarten aufgeteilt wurde, die Netzgiraffe eben als eine davon. Eine aufwendige Genanalyse des Senckenberg-Instituts förderte zutage, dass die Giraffen neu bewertet werden müssen. Vier verschiedene Arten wurden erkannt, von denen eine die Netzgiraffe ist (mehr darüber kann man hier nachlesen: http://charity-kalender.de/de/weltgiraffentag-bedrohte-riesen)

 

Für die Netzgiraffe bedeutet das, dass sie nicht mehr eine von etwa 100.000 Giraffen ist, sondern es sich um eine eigene Art mit nur noch etwa 8.700 Tieren handelt, die als stark gefährdet gelistet wurde. Ihr Vorkommen erstreckt sich auf Nord-Kenia, Süd-Äthiopien und Somalia – wobei das auch nicht mehr korrekt ist wie wir in der nächsten Zeit gesondert feststellen werden.

 

Unter den Giraffen hebt sich die Netzgiraffe optisch stärker von anderen Giraffenarten ab. Ihr Fell ist zwar auch eher cremefarben, wirkt aber wegen der großen braunen Flecken so als ob die Tiere braun mit dem namensgebenden weißen Netz wären, während es bei anderen Giraffenarten eher wie dunkle Flecken auf der hellen Haut aussieht. Jeder aufmerksame Zoobesucher kann feststellen, dass  Giraffen ein individuelles Muster haben und sich kein Tier dem anderen gleicht.

 

Männliche Netzgiraffen können bis an die 6 Meter groß werden und ein Gewicht von 900 kg auf die Waage bringen. Und das, obwohl die Tiere reine Vegetarier sind. Etwa 50-60 Kilogramm Nahrung braucht eine Giraffe am Tag. Aus dem Grund sind Giraffen so viel in Bewegung, die Menge muss erst einmal aufgetrieben werden – die Hälfte des Tages sind die langen Riesen entsprechend mit Futtern beschäftigt. Auch im Verhältnis zu anderen großen Tieren verfügen Giraffen über ein äußerst großes Herz, das 12 Kilogramm wiegt.

 

Ein mittlerweile weitestgehend bekannter Fakt ist, dass der lange Hals von sieben Wirbeln gehalten wird – und damit von genauso vielen wie unser menschlicher Hals. Interessant bei den Tieren sind die Hörner, mit Fell überzogene Knochenzapfen. Bei Männchen sind die in freier Wildbahn oft blank und nicht mit Haaren bedeckt, weil sie diese zum Kampf gegen Rivalen benutzen. Im Gegensatz zu den Weibchen, die sich mit Nachwuchs zu Herden zusammenschließen, sind adulte Bullen absolute Einzelgänger, die andere Männer nicht in ihrer Nähe dulden. Lediglich Jungbullen, die ihre Mütter verlassen haben, vereinen sich mit anderen heranwachsenden Jungs zu einer Zweckgemeinschaft.

 

Nachzuchten sind bei Netzgiraffen nicht das große Problem. Nach etwa fünfzehn Monaten Tragzeit bringt eine Kuh ihren Nachwuchs zur Welt. Es dauert aber nicht lange bis sie wieder paarungsbereit ist, so dass alle anderthalb Jahre ein Junges zur Welt kommt. Allgemein können sich adulte Giraffen gut verteidigen, Löwen sind die größten Feinde im Tierreich, die aber selber bei einem Angriff auf eine Giraffe in Lebensgefahr schweben – die Tritte der langen und kräftigen Beine sind eine gefährliche Waffe. Die Jungtiere sind deutlich gefährdeter, die können auch durch kleinere Raubtiere wie Geparden, Leoparden, Hyänen und Wildhunde gerissen werden, so dass maximal jede zweite Giraffe überhaupt nur das Erwachsenenalter erreicht. Erheblich gefährlicher für den Fortbestand der Art ist allerdings der Mensch, der den Lebensraum der Tiere einschränkt und Jagd auf sie macht.

 

Olaf Goldbecker

Der Drill

Durch die Unterstützung von Rettet den Drill steht er in diesem Jahr steht er wieder im Fokus vom Charity Kalender. Was aber ist der Drill überhaupt für ein Affe? Wir rücken das Tier, seine Situation in den Verbreitungsländern und seine Situation in den zoologischen Gärten in den nächsten Wochen einmal näher in den Fokus.

 

Der Drill kommt in den Ländern Nigeria, Kamerun und auf der zu Äquatorialguinea gehörenden Insel Bioko vor, gehört damit zu den Altweltaffen. Näher einzuordnen ist er in der Gruppe der Pavianartigen und gehört darin neben seinen nächsten Verwandten, den Mandrills, zur Untergruppe eben der Mandrillartigen. Während die Mandrills durch das auffällige Äußere des bunt im Gesicht leuchtenden Männchens noch ziemlich bekannt sind, werden nur wenige Leute von den Drills gehört haben. Die Weibchen der beiden Arten kann man sogar in etwa miteinander vergleichen, aber die Männchen unterscheiden sich von den Mandrills hauptsächlich dadurch, dass sie eine rein schwarze Gesichtsfarbe haben. Das Hinterteil der Männchen ist dafür bunt und scheint in einer Farbvariation von blau bis lila – je leuchtender desto höher im Rang steht das Tier. Bei einer Länge von meist um die 60 cm bringen Männchen über 30 kg auf die Waage, die Weibchen etwas mehr als ein Drittel davon.

 

Eine Drillgruppe mit etwa 25 Individuen besteht aus einem dominanten Männchen, einer Haremsgruppe an Weibchen und deren Nachwuchs. Verschiedene Gruppen können sich aber zusammenschließen, so dass sich eine Truppe von über 100 Individuen ergeben kann. Im Alter von fünf bis sieben Jahren verlassen die  jungen Männchen ihre Geburtsgruppe, die Weibchen bleiben.

 

Lebensraum der Drills ist der Regenwald. Allerdings sind sie keine Baumbewohner, sondern vorwiegend auf dem Boden anzutreffen. Der Wald dient dem Schutz der Tiere und bietet gleichzeitig die beste Nahrungsquelle, wobei Drills Allesfresser sind, die auch vor Fleisch nicht haltmachen. Die Rodung des Regenwald für Tropenholz und Ackerland ist daher die größte Gefahr für die Primatenart, die als stark gefährdet gelistet ist. Gerade auch deswegen spielen die Drills eine wichtige Rolle für das Ökosystem. Durch das Fressen von Früchten verteilen sie die Samen im Wald und helfen somit, dass Bäume und Pflanzen neu wachsen. Vermutlich leben etwa 5.000 Tiere noch in freier Wildbahn, ein rapider Verlust von 50% in den letzten 30 Jahren. Neben dem Lebensraumverlust werden sie auch einfach als Nahrungsmittel gejagt oder als Schädlinge für den Anbau von Bananen, Kokospalmen und Maniok ausgerottet.

 

Olaf Goldbecker

Das Kalendercover 2021: Südliche Breitmaulnashörner auf der Solio Ranch

Das Titelbild hat eigentlich einen traurigen Hintergrund. Es zeigt Südliche Breitmaulnashörner, eine Unterart, die in Kenia ursprünglich gar nicht vorkommt. Somit handelt es sich eigentlich um Neozoen, die allerdings nicht wie hierzulande Waschbär, Mink oder Nutria versehentlich ins Land gelangten, sondern bewusst importiert wurden. Dieses Bild wurde aufgenommen auf der Solio Ranch – dem Ort, der 1980 Südliche Breitmaulnashörner nach Kenia holte.

 

Warum machte man dies? Kenia ist eigentlich Heimat vom Ostafrikanischen Spitzmaulnashorn und dem Nördlichen Breitmaulnashorn. Spitzmaul- und Breitmaulnashorn haben kein überschneidendes Territorium – die Variante mit dem breiten Maul nutzt den Mund gewissermaßen als Staubsauger über dem Boden und ernährt sich von Gras, während die Art mit dem spitzen Mund selbigen zum Abknipsen von Buschwerk nutzt. Die Solio Ranch war seit 1966 im Privatbesitz eines Mannes, der seiner Frau zuliebe einen Teil des Geländes – schlappe 55 km² – für Wildtiere absperrte. Nashörner waren auf dem Gelände nicht heimisch, hätten von den Gegebenheiten aber dort leben können. Dies erkannte der kenianische Staat 1970 trotz eines Bestands von noch 20.000 Ostafrikanischen Spitzmaulnashörnern, dass er die Tierart nicht selber vor Wilderern schützen kann und bat die Solio Ranch um das Einstellen einiger Tiere. In den folgenden zehn Jahren kamen insgesamt 27 Spitzmaulnashörner auf das Gelände – im gleichen Zeitraum verringerte sich der Bestand der Tiere in Kenia wie befürchtet um über 90% auf nur noch 1.500 Exemplare. Auf Solio erkannte man, dass das Gelände aber auch sehr gut für Breitmaulnashörner geeignet war. Das Problem: die Nördlichen Breitmaulnashörner waren schon so wenige, dass der Bestand im Grunde verloren war – 2008 starb das letzte Tier in freier Wildbahn, aktuell leben noch genau zwei Weibchen dieser Tierart, der letzte Bulle verstarb 2018. Also beschaffte man sich 1980 auf Solio vorausschauend die andere Unterart: 16 Südliche Breitmaulnashörner aus Südafrika.

 

Die Nashorngeschichte auf Solio ist ein überragender Erfolg. Alle Südlichen Breitmaulnashörner in Kenia stammen von den 16 importierten Tieren ab, so auch Mutter und Nachwuchs auf dem Titelbild. Ostafrikanische Spitzmaulnashörner sind hier allerdings ebenso weiterhin gut vertreten. Der Nashorn-Nachwuchs wurde nicht nur innerhalb von Kenia in Nationalparks und andere Schutzgebiete verteilt, sondern wurde auch an andere Staaten wie Malawi oder Uganda abgegeben. Wie fragil das Gebilde trotzdem ist, zeigt, dass auch auf Solio Anfang des Jahrtausends binnen fünf Jahren 30 Nashörner gewildert wurden – dies war allerdings der Beginn für weitere Schutzmaßnahmen und ein intensives Monitoring, was man bis dahin noch gar nicht betrieb.

 

Weitere Impressionen von der Solio Ranch:

 

 

Olaf Goldbecker

Titelbild November: Weißhandgibbons

Wer bei einem Zoobesuch schon mal auf sirenenartiges Geheule gestoßen ist, der ist wahrscheinlich schon mal Gibbons begegnet. Die Affen aus der Gruppe der Menschenartigen hört man oft bevor man sie sieht, vor allem wenn die Anlagen bewaldet sind. Mit ihren Rufen markieren die meist in monogamer Paarbeziehung lebenden Primaten ihr Revier und warnen fremde Artgenossen vor einem Eindringen.

 

Bei den hier gezeigten Exemplaren handelt es sich um Weißhandgibbons, auch Lar genannt, aus dem Grünen Zoo Wuppertal. Die weiße Hand lässt sich besonders gut bei dunkel gefärbten Tieren erkennen, denn die Tiere können in der dunklen Variante braunes bis schwarzes Fell oder aber in der hellen Variation weißes bis cremefarbenes Fell aufweisen. Anders als bei etwa dem Weißwangenschopfgibbon, wo die Farbe dem Geschlecht zuzuordnen ist, haben Weißhandgibbons keine geschlechtsspezifische Fellfarbe. Beim Lar kommt es abweichend zur monogamen Lebensweise allerdings auch vor, dass Weibchen das Revier wechseln oder mit mehr als einem Männchen leben – der umgekehrte Fall, dass ein Männchen mehrere Weibchen hat, ist noch nicht beobachtet worden.

 

Mit ihrem kleinen Körper und den langen Armen und Beinen sind Gibbons typische Baumbewohner, die eigentlich kaum mal auf den Boden herunterkommen. Ihr Lebensbereich im Baum ist hoch oben in den Baumkronen. Der Aktionsradius der Tiere ist abhängig vom Futtervorkommen, im Schnitt legen die Weißhandgibbons am Tag nur gut anderthalb Kilometer zurück. Die Nahrung besteht zu gut zwei Dritteln aus Früchten, einem Viertel aus Blättern, der Rest aus Insekten und Vogeleiern.

 

In freier Natur erreichen Gibbons im Idealfall ein Alter von etwa 40 Jahren, in menschlicher Obhut können es zehn Jahre mehr werden. Geschlechtsreif werden die Tiere mit ungefähr elf Jahren. Kommt der Nachwuchs zur Welt, dauert es drei Jahre bis die Weibchen wieder aufnehmen können. Die monogame Lebensweise und die lange Aufzuchtphase sorgen dafür, dass Verluste der Art schwer zu schaffen machen. Die größte Gefahr ist neben dem Lebensraumverlust durch Waldrodung ganz besonders die Jagd auf die Tier als Haustier oder zu Fleischgewinnung. Aus dem Grund gilt die Art als stark gefährdet.

 

Olaf Goldbecker

Masai Mara

Die Masai Mara ist der berühmteste Nationalpark Kenias. Dank der Bemühungen von Bernhard und Michael Grzimek in den 60er Jahren wurde ein übernationaler Nationalpark erreicht, der die Wanderrouten von Gnus und Zebras berücksichtigt und nicht auf nationale Grenzen limitiert ist. Mit 1500 Quadratkilometern ist die Masai Mara als kenianischer Teil der Serengeti dabei erheblich kleiner als der tansanische Anschluss, der Serengeti Nationalpark, der knapp 15.000 Quadratkilometer umfasst.

 

Die Masai Mara besteht überwiegend aus weit einsehbarer Savanne. Keine Gegend in Kenia ist arten- und tierreicher. Das große Naturschauspiel findet statt wenn die gigantischen Herden von über einer Million Gnus, 500.000 Thomsongazellen, 200.000 Böhm-Steppenzebras, 100.000 Seregenti-Topis und 20.000 Elenantilopen sich im Juli/August von der Serengeti in die Masai Mara begeben. Dieses Schauspiel wurde eben von den Grzimeks aus der Luft entdeckt und durch sie verhindert, dass ein Zaun zwischen den Nationen diese Wanderroute verhindert. Im November geht der beschwerliche Weg wieder nach Tansania in die Serengeti. Der Übergang durch den Mara River, wo die Krokodile auf die Herden warten, ist sicherlich allen durch die Tierdokumentationen bekannt.

 

 

Nicht zu vernachlässigen ist jedoch, dass die Besiedlung des Gebiets voranschreitet und einige Tierarten deutlich im Bestand verringert wurden durch Jagd wie auch durch Ansiedlung von Nutzvieh. Vor allem die Anzahl an Giraffen, Impalas, Kuhantilopen und Warzenschweinen ist erheblich gesunken.

 

Olaf Goldbecker

Aberdares Nationalpark

Benannt nach dem Entdecker der Region, dem schottischen Lord Aberdare, handelt es sich beim Aberdare Nationalpark um ein 766 km² großes Reservat. Die Aberdare Mountains gehen bis auf eine Höhe von 3.999 Metern hoch und bestehen aus drei Vegetationsschichten – im unteren Teil Buschland, im mittleren Teil Bambuswald, im oberen Teil Moorland.

 

 

Der Besuch des Parks ist anspruchsvoll. Es gibt nur wenige Fahrspuren, die Strecken sind teilweise steil auf Naturgrund, und ohne Guide darf man gar nicht erst in den Nationalpark. Wer eine Safari wie in der Savanne erwartet, wo man große Tiere schon aus der Ferne ohne Probleme sieht, wird hier sicherlich nicht glücklich. Wer aber wachen Auges überraschende Einblicke bekommen möchte, ist hier perfekt aufgehoben. Selbst Elefanten können ein paar Meter neben einem im Buschland entschwinden oder plötzlich auftauchen. Auch seltenere und scheue Arten kann man zu Gesicht bekommen, weil die einen natürlich auch nicht aus der Ferne bereits sehen und verschwinden – allerdings können diese Ansichten auch mal nur wenige Sekunden dauern.

 

 

In den Aberdares Mountains kommen die extrem seltenen Östlichen Bongos, auch Bergbongos genannt, vor. Diese Tierart gibt es ausschließlich noch in Kenia, wahrscheinlich deutlich unter 200 Exemplaren in der freien Natur, die dazu noch räumlich getrennt sind in verschiedenen Parks. Zu ihrem Schutz wurden die Löwen aus dem Park gebracht, um die wenigen verbliebenen Tiere nicht noch zu gefährden – Leoparden gibt es aber weiterhin. Die Kerntierart der Aberdares sind aber die Elefanten, von denen etwa 2.000 dort leben. Es ist faszinierend zu sehen, auf welch steilem Terrain sich die Tiere bewegen und wie grün alles ist, obwohl jeder einzelne ganze Büsche ausreißt und vertilgt.

Olaf Goldbecker

Oktober-Kalenderbild: Großer Ameisenbär

Eine sehr interessante Tierart zeigt sich auf dem Oktober-Bild mit dem Großen Ameisenbär. Mit einem Bären hat die Tierart nichts zu tun – man vermutet, dass das Aufrichten für eine bessere Übersicht, die ähnlich aussieht wie beim Bären, zu dem Namen geführt hat. Die anderen Bestandteile des Namens sind dagegen treffend. Ameisen und Termiten sind die ausschließliche Nahrung des Ameisenbären, der als „Groß“ bezeichnet wird, weil er unter den Ameisenbären neben den Zwergameisenbären und den Tamanduas die größte Art darstellt.

 

Holt man etwas weiter in der Systematik aus, gehören die Ameisenbären zu den Nebengelenktieren, die sich durch zusätzliche Gelenke an der Wirbelsäule auszeichnen. Neben den Ameisenbären gehören die Faultiere und Gürteltiere zu dieser Überordnung, also alles Tiere, die in Südamerika beheimatet sind. Faultiere sind daher auch die nächsten Verwandten von Ameisenbären. Diese zusätzlichen Gelenke geben den Tieren besondere Fähigkeiten – das Gürteltiere kann sich einrollen, das Faultier kann sich vom Ast baumeln lassen und Ameisenbären können sich damit auf die Hinterbeine stellen, um zusätzliche Kraft für die mächtigen Krallen zu generieren.

 

Charakteristisch für den Großen Ameisenbären ist natürlich die lange Schnauze mit kleinem Mund, durch den sie ihre lange Zunge in einen Insektenbau zur Nahrungsaufnahme herausschnellen lassen können. Wichtig für die Tiere und auch Voraussetzung für die Mahlzeit sind allerdings auch die kräftigen Krallen, die sie benötigen, um den Bau überhaupt durchdringen zu können. Zähne braucht der Großen Ameisenbär daher nicht. Durch den langen und schmalen Kopf bleibt nicht viel Platz für ein Gehirn, weswegen die Tiere nicht gerade gedankenschnell und multitaskingfähig unterwegs sind. Sie sind aber immerhin so clever, dass sie Ameisenbauten nie leerfressen, um sicherzustellen, dass ihre Nahrungsquelle sich wieder vermehren kann und somit nicht versiegt.

 

Verglichen mit den anderen Vertretern der Ameisenbären ist der Große Ameisenbär der einzige Vertreter, der auf dem Boden bleibt und der seinen langen und buschigen Schwanz als Wärme- und Nässeschutz einsetzen kann.

 

Der Große Ameisenbär gilt als gefährdet wegen des Lebensraumverlusts durch aufkommende Landwirtschaft. Zwar ist er potentielle Beute von Raubtieren wie dem Jaguar oder Puma, aber zum einen bringt der schlanke und behaarte Ameisenbär nicht viel nahrhaftes Fleisch, dazu ist er äußerst wehrhaft mit seinen großen, scharfen Krallen in Verbindung mit sehr muskulösen Armen, so dass die Beutegreifer nach Möglichkeiten eher Abstand von einem Angriff nehmen. Von Menschen drohen dem Tier keine Angriffe, weil sein Fleisch vermutlich wegen seiner Nahrungsspezialisierung nicht als wohlschmeckend gilt. Die Nahrungsspezialisierung gibt aber auch gleichzeitig den Lebensraum vor. Wo intensiv Landwirtschaft betrieben wird, gibt es keine Ameisen und keine Termiten und damit auch keine Nahrung für den Ameisenbären.

 

Die Tiere sind strikte Einzelgänger, einzige Ausnahme sind die Weibchen mit ihrem kleinen Nachwuchs, den sie auf dem Rücken tragen. Mit spätestens einem Jahr wird das Baby entwöhnt und muss seines Weges ziehen. Als territorial lebende Tiere kann es vor allem zwischen Männchen zu heftigen Kämpfen kommen. Über die Lebenserwartung in freier Natur ist nichts bekannt, in menschlicher Obhut beträgt die Erwartung etwa 15 Jahre, wobei auch 25 Jahre im Ausnahmefall erreicht werden können.

 

Das Kalenderbild wurde aufgenommen im niederländischen ZooParc Overloon.

Olaf Goldbecker

Lake Nakuru National Park

Der Lake Nakuru Nationalpark war ursprünglich ein Vogelschutzgebiet, das vor allem durch seine riesige Zwergflamingokolonie mit weit über einer Million Vögel bekannt war. Mittlerweile sind die die Tiere allerdings weitergezogen, es leben nur noch gut 1.500 Rosaflamingos am See. Mit einer Größe von 188 km² umfasst der Park aber natürlich deutlich größere Flächen als nur den Lake Nakuru selbst. Auch Nashörner und Giraffen wurden ins das bewachte Gebiet importiert, so dass sich die Artenvielfalt erhöht hat. Für Elefanten ist die Fläche aber immer noch zu klein. Unterm Strich bleibt der Nationalpark mit den zweitmeisten Besuchern Kenias aber bekannt für seine vielen Vogelarten, die sich am See niedergelassen haben.

 

Olaf Goldbecker

Ol Pejeta

Die Artenschutzorganisation Ol Pejeta hat in den letzten Jahren Berühmtheit erlangt, weil sie die letzten Nördlichen Breitmaulnashörner beherbergt, die es überhaupt noch gibt. Die Tiere Sudan, Fatu und Najin wurden aus den Zoos in San Diego und Dvur Kralove mit einer Resthoffnung auf Vermehrung nach Kenia zurückgebracht, aber Sudan war nicht mehr zeugungsfähig und verstarb drei Monate vor meiner Reise. Sehen kann man die Tiere ohnehin nicht, sie leben streng bewacht hinter den Kulissen – wie übrigens viele andere Nashörner auch auf Koppeln und nicht etwa auf dem Gelände untergebracht sind, wo sie rund um die Uhr von bewaffneten Rangern geschützt werden.

 

 

Ol Pejeta ist ein 360 km² großes Gelände, das erst seit 1988 dem Artenschutz dient. Zuvor war dort eine riesengroße Viehzucht angesiedelt mit wechselnden Besitzern. Den Umschwung von Viehzucht zu Artenschutz verdankt man den Elefanten, denn die Farm lag auf ihrer Wanderroute von Mount Kenya zu den Aberdares, und sie rissen ständig die Zäune ein, wodurch die Nutzviehhaltung zu teuer wurde. Mittlerweile umgibt ein elektrischer Zaun das Gelände, um Konflikte mit der Bevölkerung zu vermeiden, verhindert auf der anderen Seite aber auch, dass die Herden ihre natürlichen Routen bewandern können. Heute gehört das Projekt dem britischen Unternehmen Flora and Fauna International.

 

 

Nashörner sind das prominenteste Thema auf Ol Pejeta, die größte Nashornhaltung Kenias gibt es hier. Insgesamt hat man aber alle Tierarten auf dem Gelände, die man in Savannen auch außerhalb antrifft, also auch die kompletten Big Five. Eine Besonderheit gibt es noch, nämlich das Sweetwater Chimpanzee Sanctuary, einem zooähnlichen Gehegekomplex, in das konfiszierte Schimpansen aufgenommen werden. In Kenia selbst leben keine Schimpansen, aber aus anderen Ländern werden Tiere dort eingestellt, die in vielen Fällen als Haustiere gelebt haben und von den Behörden einkassiert wurden.

 

Olaf Goldbecker

Lake Naivasha / Crescent Island

Crescent Island ist eine Insel im Lake Naivasha, die Berühmtheit erlangt hat als Drehort für den Oskar-prämierten Film „Jenseits von Afrika“. Seinerzeit wurden Tiere auf die Insel gebracht, um eine entsprechende Kulisse für den Hollywood-Streifen zu haben. Nach Ende der Dreharbeiten hat man die Tiere dort belassen, wo sie durch die isolierte Lage ohne Feinde leben. Die Insel erreicht man mit kleinen Motorbooten.

 

 

Bekannt ist der Lake Naivasha auch durch die angesiedelte Blumenindustrie, ein Großteil der hierzulande angebotenen Rosen stammt von dort. Der See leidet unter niedrigem Wasserstand – etwa nur noch ein Drittel im Vergleich zu den 70ern – wofür die Blumenindustrie verantwortlich gemacht wird, was diese aber von sich weist. Ein schwieriger Konflikt, da dies für das Land neben dem Tourismus eine der Haupteinnahmequellen darstellt. Aus tierischer Hinsicht ist der See die Heimat für eine Fülle an Vogelarten sowie für Flusspferde. Am Seeufer befinden sich Hotels, teilweise mit eigenem Tierbestand wie in diesem Fall mit Defassa-Wasserböcken und Böhm-Steppenzebras.

 

 

 

Der See und seine Verwicklungen in die Blumenindustrie ist auch Gegenstand des sehr lesenswerten Buchs „Ich gab mein Herz für Afrika“, das über das Leben der ermordeten Tierfilmerin und Umweltschützerin Joan Root erzählt.

 

 

Olaf Goldbecker

Nairobi National Park

Wer nach Kenia fliegt, landet entweder in Mombasa oder der Hauptstadt Nairobi. Unweit vom Jome Kenyatta Airport der Hauptstadt fährt man auf einer Autobahn und ist nur durch einen Zaun vom Nairobi Nationalpark getrennt, der ganze 7 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt ist.

 

 

Der Nairobi National Park ist sicherlich nicht der schönste Park Kenias und mit 117 km² auch eher klein, nimmt aber eine wichtige Funktion ein. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass jeder Afrikaner sich mit Wildtieren auskennt, so leben 4,4 Millionen Menschen in der Großstadt Nairobi und haben wenig Berührungspunkte mit der Natur. Die Wichtigkeit der Natur und des Umweltschutzes kann den Großstädtern ideal im Park beigebracht werden. Bevor man auf das Gelände kommt, sieht man einige Anlagen, anhand derer Kindern Mülltrennung und Recycling beigebracht wird. Zudem befinden sich vor dem eigentlichen Parkeingang Berge mit Asche und Monumente, die an zwei Elfenbeinverbrennungen im Jahr 1989 und 2015 erinnern als insgesamt 27 Tonnen Elfenbein gewilderter Elefanten als Zeichen gegen die Wilderei verbrannt wurden.

 

 

Vom Tierbestand enthält der Park alle bekannten Arten mit Ausnahme von Elefanten. Für eine selbsttragende Elefantenpopulation reicht die Fläche von 117 km² nicht aus.

 

Olaf Goldbecker

September-Bild: Bonobo

Unter den Menschenaffen ist der Bonobo bis heute noch der Unbekannteste. Das hat seinen Grund darin, dass diese Tierart erst 1929 entdeckt wurde – und selbst das nur aus Zufall durch die Untersuchung eines vermeintlichen Schimpansenschädels in einem belgischen Museum. Bis dahin wurde der Bonobo als Schimpanse angesehen und heißt auch Zwergschimpanse, was aber kein passender Name ist, da der Größenunterschied zum eigentlichen Schimpansen marginal ist. Der ausschließlich in der Demokratischen Republik Kongo beheimatete Bonobo ist zierlicher, meist hat er einen Scheitel, und unterscheidet sich vornehmlich im Verhalten.

 

Wissenschaftler, die im Kongo über Jahre Bonobos erforschten und aufgrund des Bürgerkriegs das Land verlassen mussten, kamen anschließend zu Schimpansen und waren entsetzt über das, was sie sahen – diese Brutalität und harten Umgangsformen waren sie nicht mehr gewohnt. Ein anderer Wissenschaftler bezeichnete die Bonobos als Hippies unter den Menschenaffen, weil sie zur Pflege der Beziehungen zueinander und nicht nur zur Fortpflanzung Sex benutzen. Vom Verhalten abgesehen unterscheiden sie sich von den Schimpansen dadurch, dass das Gesicht weicher und weniger kantig ist, dazu ihre Lippen rot.

 

Bonobos leben in großen Gruppen zusammen, die von einem Alpha-Weibchen angeführt werden. Die Weibchen leben in Bindungen und wechselnden Hierarchien zueinander, während die Männchen untereinander kaum Kontakt pflegen. Innerhalb der Gruppen kommt es kaum zu Aggressionen, wenn sind es vornehmlich die Männchen, die miteinander in Konflikt geraten. Bei den Bonobos ist das Verhalten nach der Geschlechtsreife auch umgekehrt zu den meisten anderen Tierarten – die Weibchen verlassen die Gruppe und schließen sich einem neuen Clan an, während die Männchen ihr Leben lang in ihrer Familie verbleiben.

 

Über die Bestandszahlen des Bonobos herrscht keine Einigkeit, wahrscheinlich existieren 15.000-20.000 Tiere in der freien Natur, die IUCN listet die Art als stark gefährdet. Ein Problem ist die geringe geographische Verteilung, die von Flüssen eingeschränkt ist. Dazu ist der Kongo ein sehr armes Land und das Fleisch der Bonobos wird als Nahrungsmittel verwendet. Wilderei ist die größte Bedrohung für die Tiere. Dazu wächst aber die Bevölkerung rasant und es werden immer mehr Flächen für die Nahrungsgewinnung benötigt. Zusätzlich ist ihre Region reich an Erdöl und bietet beste Bedingungen für die Palmölgewinnung, so dass man befürchten muss, dass die Industrie eines Tages den Lebensraum besetzen wird. Zudem sind die Menschenaffen aufgrund ihrer ähnlichen Konstitution anfällig für Krankheiten der Menschen und so stellt Ebola eine Gefahr für die Tiere dar.

 

Olaf Goldbecker

August-Bild: Sahara-Dorkasgazelle

Die Dorkasgazelle stammt aus Nordafrika, dazu leben etwa 2.000 Tiere in Israel. Die Population in Israel ist stabil, während die 35.000 in Nordafrika lebenden Tiere abnehmende Tendenzen haben, vornehmlich wegen Großjagden aus Flugzeugen und von Motorrädern. Ihre Heimat sind in erster Linie Wüstengebiete, an die sie hervorragend angepasst sind. Sie braucht keine Wasserquelle, ihr reicht das Wasser, das sie aus den Futterpflanzen herauszieht.

 

Der Namen Dorkas ist griechisch und heißt bereits Gazelle, so dass der Begriff Dorkasgazelle im Grunde „Gazelle Gazelle“ heißt. Ihre Sozialstruktur ist anpassungsfähig. In harten Konditionen leben sie paarweise, in besseren Lebensräumen bilden sie eine klassische Haremsgruppe aus einem Bock, mehreren Weibchen und ihrem Nachwuchs. Die Babys werden abgelegt, wobei die Mutter sich nicht weit weg entfernt und äußerst aggressiv auf Störungen reagiert, es gab durchaus schon Todesfälle durch sich bedroht fühlende Mütter.

 

Hervorstechendste Fähigkeit der Tiere ist ihre Schnelligkeit. Auf der Flucht erreichen sie Geschwindigkeiten von deutlich über 80 km/h. Dies in Kombination mit Zickzack-Bewegungen macht sie auch zur schweren Beute für Raubtiere, eher ältere und kranke Tiere werden gerissen. Mehr zu schaffen machen den Tieren menschliche Siedlungen mit ihrem benötigten Farmland, das den Lebensraum verringert und Haustiere als Nahrungskonkurrenten mit sich bringt.

 

Auf den Bildern zeigen sich Mutter und Nachwuchs der Sahara-Dorkasgazelle, einer in der Westlichen Sahara vorkommenden Unterart, die fast ausgestorben ist. Das Foto entstand im Zoo Barcelona, der sich dem Erhalt dieser Spezies besonders verschrieben hat. Ausgesuche im Zoo nachgezüchtete Tiere werden in Senegal wieder angesiedelt.

 

Olaf Goldbecker

Juli-Kalenderbild: Berberaffen

Berberaffen sind im Gegensatz zu ihrem für Affen eher unspektakulärem Aussehen besondere Tiere, was man gar nicht so vermuten würde. Sie gehören zu den Makaken, die eigentlich alle in Asien vorkommen – bis auf eben den Berberaffen, auch Magot genannt. Seine Heimat ist Algerien und Marokko, wo er in bewaldeten oder auch sehr felsigen Höhenlagen vorkommt.

 

Etwa 230 Tiere leben zudem in Gibraltar, was sie zur einzigen Affenart in Europa werden lässt. Allerdings sind dies dort importierte Tiere. Der Bestand war fast schon zusammengebrochen, aber weil eine Legende besagte, dass Gibraltar so lange in britischer Hand bleibt wie Berberaffen dort leben, ließ Winston Churchill die Population mit Tieren aus Nordafrika wieder auffüllen. Sind es damit keine eigentlichen Europäer? Sehr weit gefehlt, denn Fossilienfunde belegen, dass diese Affenart ursprünglich komplett in Europa beheimatet war – und dies sogar in Deutschland, genauer gesagt von Italien über Deutschland bis nach Osteuropa. Mit dem Einsetzen der letzten Eiszeit vor 30.000 Jahren hatte sich das dann erledigt.

 

Berberaffen sind Gruppentiere, die in strengen Sozialverbänden leben. Ein dominantes Männchen ist der Boss der Gruppe, die durchaus andere Männchen umfasst, die sich sogar fortplatzen können, aber der Chef steht in der strengen Hierarchie oben und hat die besten Chancen auf eine Verpaarung. Dadurch, dass die Tiere promiskuitiv sind, wissen die Männchen nicht, ob sie wirklich der Vater der Jungtiere sind und kümmern sich bereitwillig um den Nachwuchs. Der männliche Nachwuchs verlässt mit Eintreten der Geschlechtsreife in etwa im Alter von fünf Jahren die Gruppe, während der weibliche Nachwuchs in der Gruppe bleibt. Weibchen können etwa 30 Jahre alt werden, die Männchen schaffen fünf Jahre weniger.

 

Trotz ihrer einst großen Verbreitung sind die Berberaffen heute als stark gefährdet gelistet. Der Großteil der Population lebt noch in Marokko. Probleme hat die Tierart einige. Das Kleinste ist, dass er bei Leoparden, Hyänen und auch einigen Greifvögeln auf der Speisekarte steht. Gravierender ist das Einfangen als Haustier und als Touristenattraktion. Das größte Problem aber ist die zunehmende Agrarwirtschaft, die zum einen den Lebensraum verkleinert und defragmentiert, aber auch in der Folge, dass die Tiere natürlich von der Ernte angelockt werden, was die Betreiber der Felder nicht erfreut und zu entsprechenden Gegenaktionen führt.

 

Für Menschen ist der Berberaffe hingegen eher nicht gefährlich, viele Zoos bieten begehbare Anlagen an. Ein prominentes Opfer hat ein Berberaffe allerdings einmal verursacht und zwar König Alexander von Griechenland. Der lief nämlich mit seinem Hund durch die Gegend als der Hund in einen Kampf mit einem Affen geriet. Ein Magot kam hinzu und biss dem König ins Bein und in die Brust. Er wollte das nicht an die große Glocke hängen mit der Folge, dass er an einer Blutvergiftung 1920 starb.

Olaf Goldbecker