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Juli-Kalenderbild: Berberaffen

Berberaffen sind im Gegensatz zu ihrem für Affen eher unspektakulärem Aussehen besondere Tiere, was man gar nicht so vermuten würde. Sie gehören zu den Makaken, die eigentlich alle in Asien vorkommen – bis auf eben den Berberaffen, auch Magot genannt. Seine Heimat ist Algerien und Marokko, wo er in bewaldeten oder auch sehr felsigen Höhenlagen vorkommt.

 

Etwa 230 Tiere leben zudem in Gibraltar, was sie zur einzigen Affenart in Europa werden lässt. Allerdings sind dies dort importierte Tiere. Der Bestand war fast schon zusammengebrochen, aber weil eine Legende besagte, dass Gibraltar so lange in britischer Hand bleibt wie Berberaffen dort leben, ließ Winston Churchill die Population mit Tieren aus Nordafrika wieder auffüllen. Sind es damit keine eigentlichen Europäer? Sehr weit gefehlt, denn Fossilienfunde belegen, dass diese Affenart ursprünglich komplett in Europa beheimatet war – und dies sogar in Deutschland, genauer gesagt von Italien über Deutschland bis nach Osteuropa. Mit dem Einsetzen der letzten Eiszeit vor 30.000 Jahren hatte sich das dann erledigt.

 

Berberaffen sind Gruppentiere, die in strengen Sozialverbänden leben. Ein dominantes Männchen ist der Boss der Gruppe, die durchaus andere Männchen umfasst, die sich sogar fortplatzen können, aber der Chef steht in der strengen Hierarchie oben und hat die besten Chancen auf eine Verpaarung. Dadurch, dass die Tiere promiskuitiv sind, wissen die Männchen nicht, ob sie wirklich der Vater der Jungtiere sind und kümmern sich bereitwillig um den Nachwuchs. Der männliche Nachwuchs verlässt mit Eintreten der Geschlechtsreife in etwa im Alter von fünf Jahren die Gruppe, während der weibliche Nachwuchs in der Gruppe bleibt. Weibchen können etwa 30 Jahre alt werden, die Männchen schaffen fünf Jahre weniger.

 

Trotz ihrer einst großen Verbreitung sind die Berberaffen heute als stark gefährdet gelistet. Der Großteil der Population lebt noch in Marokko. Probleme hat die Tierart einige. Das Kleinste ist, dass er bei Leoparden, Hyänen und auch einigen Greifvögeln auf der Speisekarte steht. Gravierender ist das Einfangen als Haustier und als Touristenattraktion. Das größte Problem aber ist die zunehmende Agrarwirtschaft, die zum einen den Lebensraum verkleinert und defragmentiert, aber auch in der Folge, dass die Tiere natürlich von der Ernte angelockt werden, was die Betreiber der Felder nicht erfreut und zu entsprechenden Gegenaktionen führt.

 

Für Menschen ist der Berberaffe hingegen eher nicht gefährlich, viele Zoos bieten begehbare Anlagen an. Ein prominentes Opfer hat ein Berberaffe allerdings einmal verursacht und zwar König Alexander von Griechenland. Der lief nämlich mit seinem Hund durch die Gegend als der Hund in einen Kampf mit einem Affen geriet. Ein Magot kam hinzu und biss dem König ins Bein und in die Brust. Er wollte das nicht an die große Glocke hängen mit der Folge, dass er an einer Blutvergiftung 1920 starb.

Olaf Goldbecker

Juni-Bild: Flusspferd

Das Flusspferd ist in groben Zügen jedem bekannt. Die schweren Kolosse – nach Elefanten und Breitmaulnashörnern die schwersten Landtiere – kommen in Afrika überall an den größeren Flüssen vor. Bis zu 150.000 Tiere werden aktuell noch geschätzt, doch die Tendenz ist stark abnehmend, weswegen die Flusspferde als gefährdet gelistet sind.

 

Zu klären gilt zunächst der Name. Flusspferd, Nilpferd, Hippo(potamus) – was ist denn nun richtig? Im Grunde alles und nichts, aber alle Namen sind im Deutschen gebräuchlich. Der Ursprung geht auf das griechische Wort hippopotamos zurück, von dem die Lateiner die leichte Abwandlung hin zu Hippopotamus vorgenommen haben. Zu Deutsch bedeutet dies im Grunde schon das Wort Flusspferd. Mit einem Pferd haben Hippos wenig gemeinsam, aber den aus dem Wasser ragenden Kopf empfand man wohl als pferdeähnlich. Das Wort Nilpferd ist hingegen dadurch entstanden, dass im Nil lebende Tiere als Erstes beschrieben wurden und so wurde der Fluss der Namensgeber. Heute existiert ausgerechnet an dem namensgebenden Fluss kein Flusspferd mehr.

 

Neben einem Fluss ist für die Tiere essentiell, dass es Grasflächen am Ufer für die Nahrungsaufnahme gibt. Flusspferde sind Vegetarier, auch Fische sind vor ihnen sicher. Der Magen erlaubt es Nilfperden zwar auch Aas und Fleisch zu verdauen, aber das sind seltene Ausnahmen. Über die Legende, dass Flusspferde das Tier sind, das in Afrika die meisten Menschen umbringt, gibt es keine wissenschaftlichen Anhaltspunkte. Fakt ist, dass die Tiere aggressiv werden können und sowohl ein entsprechendes Gebiss haben, um töten zu können, aber auch wegen der Körpermasse gefährlich sind.

 

Tagsüber verbringen die Hippos die Zeit dösend und ruhend im Wasser, erst nachts werden sie aktiv und gehen an Land um zu grasen. Trotz der kurzen Beine und der vielen Zeit im Fluss sind die Huftiere bessere Läufer als Schwimmer. An Land können sie Kilometer zurücklegen und 30 km/h schnell werden. Im Wasser bewegen sie sich eher laufend als schwimmend fort. Die Sonne ist nicht gut für ihre Haut, weswegen sie tagsüber das Wasser aufsuchen.

 

In der freien Wildbahn können Flusspferde 30-40 Jahre alt werden. Dies trifft eher auf die in Herden lebenden Kühe zu, während die bis zu fünf Meter lang und 4,5 Tonnen schwer werdenden Bullen im Normalfall schon vorher bei Rivalenkämpfen ums Leben kommen. Im Zoo wurde das älteste Flusspferd 61 Jahre alt.

 

Das Flusspferd ist neben dem Zwergflusspferd eines von zwei Vertretern aus der gleichnamigen Familie der Flusspferde. Als nächste Verwandte dieser Gruppe gelten heutzutage die Wale.

 

Das hier gezeigte Flusspferd lebt im niederländischen Emmen im Wildlands Adventure Zoo und zeigt eindrucksvoll sein Gebiss, das es im Winkel bis zu 150° öffnen kann.

Olaf Goldbecker

Mai-Kalenderbild: Balistar

Im vergangenen Jahr erlangte der Balistar ein wenig Bekanntheit als „Postervogel“ der EAZA (European Association of Zoos and Aquariums) Kampagne „Silent Forest“, in der auf die bedrohliche Lage der Singvögel Südostasiens aufmerksam gemacht wurde. In der Tat ist diese Vogelart – hier auf einem Bild aus dem NaturZoo Rheine zu sehen – dank Zuchtbemühungen, die im Zoo Wuppertal 1988 starteten, heute hauptsächlich dank Zoos überhaupt noch am Leben.

 

Warum hat es diese Vogelart so schwer? Der erste Grund ist einer, für den niemand etwas kann: ihn gibt es nur in einem sehr kleinen Verbreitungsgebiet im Nordwesten von Bali. Das zweite Problem ist die rasante Zunahme der einheimischen Bevölkerung. Von 2000 bis 2010 hat sich die Einwohnerzahl um fast 25% gesteigert, seitdem nochmal um knapp 10%. Es geschieht das, was überall passiert wenn der Mensch sich ausbreitet: es wird Land gebraucht für die Bevölkerung zum Wohnen und natürlich Anbaufläche, um die Bevölkerung zu ernähren. Dafür und auch für den Tourismus verschwindet der Wald, der Lebensraum vom Balistar und anderer Tierarten.

 

Der dritte Aspekt ist paradoxerweise die Tierliebe von Touristen, die auf den asiatischen Märkten Vögel in viel zu kleinen Käfigen sehen. Diese sind bewusst klein gewählt, um das Mitleid der Touristen zu erzeugen – sie kaufen die Vögel und lassen sie frei, nichtsahnend, dass der Großteil der Vögel sowieso schnell wieder eingefangen wird, so dass für die Tiere dieselbe Prozedur von vorne beginnt. Der gutgläubige Tourist finanziert damit genau das, was er nicht möchte, nämlich die Tierquälerei. Für die arme einheimische Bevölkerung ist dies keine Boshaftigkeit, sondern einfach eine Chance an Geld zu kommen. Den Balistar wird man aber eher nicht auf diesen Märkten antreffen, denn dafür ist er zu wertvoll. Gut 2.000 Dollar lassen sich mit ihm erzielen wenn man ihn an reiche Vogelbesitzer verkauft.

 

Die EAZA Kampagne Silent Forest trägt ihren Titel daher, weil diese Praktiken dazu führten, dass man in Südostasien in die Wälder gehen kann und praktisch keine Vogelstimmen mehr hört.

 

Im Fall des Balistars muss man fairerweise sagen, dass es ihn wahrscheinlich nie in rauen Mengen gegeben hat aufgrund seines kleinen Verbreitungsgebietes, möglicherweise nie 1.000 Tiere in der freien Wildbahn. Auf Bali selber ging der Bestand zwischenzeitlich auf eine einstellige Anzahl zurück. Durch Zoonachwuchs konnte der Vogel mittlerweile an anderen Stellen wieder angesiedelt werden. Anfangs war man sich nicht einmal sicher, ob dieses Vorhaben gelingen würde angesichts des kleinen ursprünglichen Verbreitungsraums, aber das Vorhaben klappte. Momentan schätzt man die Zahl freilebender Balistare auf etwa 200 ein. Die IUCN stuft ihn damit als vom Aussterben bedroht ein.

 

Olaf Goldbecker

Spendenaktion 2020 abgeschlossen

Wegen der Corona-Krise muss in diesem Jahr auf die üblichen Übergabefotos anlässlich der Kalenderaktion verzichtet werden. Die Spenden sind dennoch längst bei den Empfängern angekommen. Die Organisationen Euronerz und das Angkor Centre for Conservation of Biodiversity (ACCB) in Kambodscha konnten sich beide über 473 Euro freuen. Das Dankeschön hierfür gilt allen Käufern und Unterstützern, die es ermöglich haben, dass dem Artenschutz erneut eine Summe in dieser Größenordnung zur Verfügung gestellt werden konnte. Der 2021er Kalender ist bereits in Planung.

Olaf Goldbecker

April-Bild: Borneo Orang-Utan

Über Borneo Orang Utans wurde an dieser Stelle im ersten Jahr des Charity Kalenders schon viel berichtet als die hervorragende Artenschutzorganisation Borneo Orangutan Survival Zuwendungen aus dem Verkauf des Primaten-Kalenders erhielt. Das Thema hat leider nach wie vor nichts an Aktualität eingebüßt. In den 70ern lebten noch fast 300.000 Orang Utans auf Borneo, heute beträgt die Anzahl nur noch zwischen 50.000 und 100.000 „Waldmenschen“, was das Wort Orang Utan aus der Landessprache übersetzt heißt. Kein Wunder, hat man allein im letzten Jahrzehnt für Palmölplantagen Urwald von der Größe komplett Bayerns auf Borneo abgeholzt – ein Lebensraum, den Orangs zwingend zum Leben benötigen. 85% des weltweiten Palmöls stammt aus Indonesien und Malaysia.

 

Besonders tragisch: der Bestand erholt sich nicht. Orang Utans sind absolute Einzelgänger, die nur dort vermehrt vorkommen, wo reichlich Futter für mehrere Tiere vorhanden ist. Männchen erreichen die Geschlechtsreife mit etwa zehn Jahren, Weibchen können mit etwa sieben Jahren Nachwuchs bekommen. In den ersten zwei Lebensjahren wird das Baby permanent von der Mutter getragen, erst danach wird es Stück für Stück selbständiger und nabelt sich im Alter von fünf bis sieben Jahren ab. Die Mutter wird in diesem Zeitraum nicht schwanger, so dass oft 7-8 Jahre zwischen zwei Geburten liegen.

 

Immer häufiger enden die Babys aber als Waisen in Auffangstationen wie von Borneo Orangutan Survival. Brandrodungen für die Palmölplantangen sind eine Ursache, aber häufig werden Orang Utans auch bei ihrer Nahrungssuche von Farmern abgeschossen, weil sie deren Ernte gefährden. Der Stern berichtete letztes Jahr von einem Fall, wo ein Orang Utan mit 130 Gewehrkugeln im Körper, davon 74 im Kopf, tot aufgefunden wurde – keinesfalls alle durch den Angriff, der ihn schlussendlich das Leben kostete. Wird eine Mutter mit Kind getötet, landet das Baby oft als Haustier unter unwürdigen Lebensbedingungen in kleinen Käfigen oder angekettet in Holzverschlägen.

 

Hoffnung ist nicht wirklich in Sicht. In Indonesien hängen 17 Millionen Arbeitsplätze von der Palmölindustrie ab – wohlgemerkt von einer Pflanze, die im Land gar nicht heimisch ist. Der Staat hat wenig Interesse daran etwas zu ändern. Im Gegenteil, die EU will 2030 aus der Nutzung von Palmöl für Biokraftstoffe wie E10 und Biodiesel aussteigen – in der EU steckt trotz aller Palmölprodukte in den Supermärkten der mit Abstand größte Verbrauch in diesen pseudoumweltfreundlichen Kraftstoffen – und bekommt unverhohlen die Drohung Indonesiens, das man dann aus den Klimaprogrammen aussteigt. Der einzige Weg scheint momentan in der Tat der Ankauf von Waldflächen zu sein, die damit der Palmölindustrie entzogen und für Orang Utans und andere Lebewesen verwendet werden.

 

Der auf dem April-Kalenderbild gezeigte Borneo Orang Utan aus dem Allwetterzoo Münster lebt inzwischen leider auch nicht mehr. Der im dänischen Aalborg geborene Pongo kam mit sechs Jahren nach Münster und musste in diesem Februar aufgrund einer langjährigen chronischen Lungenkrankheit eingeschläfert werden. Als dreifacher Vater konnte er seine Gene erfolgreich weitergeben – Sohn Ito lebt in Israel, der 5-jährige Mr Miyagi wohnt noch in Münster, wo die ein Jahr ältere Tochter Niah nach dem Tod ihres Vaters wahrscheinlich verbleiben wird.

Olaf Goldbecker

März-Bild: Okapi

Okapis kennt eigentlich jeder. Sie sind unverkennbar mit ihrer schokobraunen Grundfärbung sowie dem weißen Hals und Gesicht sowie den gestreiften Beinen. Dennoch gehört das Okapi zu den seltenen und anspruchsvollen Tieren, nicht nur in Zoos. Es bildet in der Familie der Giraffenartigen eine eigene Gruppe, die mit den Giraffen eben am engsten verwandt ist. Okapis wurden erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts überhaupt entdeckt im kongolesischen Regenwald, meist auf einer Höhe zwischen 500 und 1500 Metern über dem Meeresspiegel, weswegen die Tierart auch noch nicht gut erforscht ist.

 

Im Gegensatz zu den richtigen Giraffen sind Okapis Einzelgänger, auch die Weibchen. Sie leben territorial auf gar nicht mal so großen Revieren, die sie meist auf immer gleichen Pfaden durchstreifen. Während die Tiere in Zoos meist zwischen 15 und 20 Jahren alt werden, existieren aus dem Freiland nicht einmal Werte über die Lebenserwartung.

 

Ein großes Problem der Okapis ist die Herkunft im Kongo, ein oft von kriegerischen Auseinandersetzungen geprägtem Gebiet. Die Art gilt als stark gefährdet, weil man keinen Überblick über die Bestandszahlen hat. Es können 50.000 sein, vielleicht auch nur 10.000 oder sogar weniger. Es gibt Schutzgebiete im Kongo für das Okapi, aber das Vorkommen ist auf relativ kleine Gebiete verteilt. Lebensraumverlust durch oft illegalen Bergbau – man denke hier auch an die Gewinnung von Kobalt für die E-Autos –  und die Bejagung für Fleisch sind die Hauptgefahren für die Tierart. Erst 2012 griffen Rebellen eine Schutzstation an und töteten Ranger sowie fast alle dort untergebrachten Okapis und zerstörten die Station.

 

Das hier gezeigte Okapi stammt aus dem Zoo Frankfurt, einem von sechs deutschen und 19 europäischen Okapi-Haltern.

Olaf Goldbecker

Februar-Bild: Sonnensittiche

Wenn man einen Blick auf die Sonnensittiche wirft, erkennt man schnell den Ursprung ihres Namens. Das orange- und gelbfarbene Gefieder scheint wie die Sonne. Warum aber ist eine solche Art sogar stark gefährdet? Die Annahme hat man bei Sittichen für gewöhnlich nicht, die in der ein oder anderen Art gerne als Haustiere gehalten werden.

 

Die Sonnensittiche kommen im nordöstlichen Südamerika vor und leben in Wäldern. Sie können bis 30 Jahre alt werden, leben als monogames Paar innerhalb von Gruppen mit 20-30 Tieren. Verlassen sie die Gruppe, kommunizieren sie laut über Distanzen, um sich wieder zusammenzufinden Ihre Ernährung ist weit gefächert von Beeren, Früchten, Körnern, Blumen bis hin zu Insekten.

 

Trotzdem ist ihr Bestand gefährdet. Der Grund liegt im Verlust des Lebensraums und im Fang der Tiere entweder für die Haustierhaltung oder aber wegen ihrer schönen Federn. Bis zu 800.000 dieser Vögel wurden pro Jahr gefangen, so dass mittlerweile mehr Sonnensittiche in Haushalten als in der freien Natur leben. In den USA darf der Vogel bereits seit 1992 nicht mehr importiert werden, die EU hat dies 2007 verboten. Dies geschah in der Hoffnung, dass die Bestandszahlen sich wieder erholen, fast zeitgleich wurde die Art 2008 auf die Liste der bedrohten Arten gesetzt.

 

Der Begriff Sittich ist übrigens etwas täuschend. Alle Sittich genannten Vögel gehören zu den Papageienartigen, aber es bestehen mitunter nähere Verwandtschaften einzelner Sitticharten zu Papageien als zu anderen Sittichen. Der Sonnensittich wird den Keilschwanzsittichen zugeordnet. Auf Facebook und Instagram zeigen wir andere Sittichbeispiele in diesem Monat.

Olaf Goldbecker

Januar-Bild: Europäischer Nerz

Im Januar geht es gleich mitten in die einheimische bedrohte Tierwelt. Der Europäische Nerz gilt seit 2011 als vom Aussterben bedroht. Zunächst wurden Nerze von Pelztierjägern getötet, was ihre Population sinken ließ. Das alleine hätte ihren Bestand allerdings nicht gefährdet, andere Tierarten waren zu dem attraktiver für die Pelzgewinnung, z.B. der Zobel. Ein weiterer viel populärerer Pelztierlieferant ist der Amerikanische Nerz – Mink genannt – der größer ist und damit mehr Pelz abwirft. Er wurde deshalb von Pelztierfarmen importiert und er entkam. Die entflohenen Populationen setzten sich gegenüber ihrem kleineren europäischen Verwandten durch und verdrängten sie vielerorts. Hinzu kam das Problem, dass Nerze an dicht bewachsenen Flüssen und Seeufern leben. Durch die Begradigung vieler Flüsse entschwand ihr Lebensraum. Erschwerend kommt hinzu, dass es sich beim Europäischen Nerz um absolute Einzelgänger handelt, die ein Revier für sich beanspruchen.

 

Anfang dieses Jahrtausends wurde angefangen etwas für den Nerz zu unternehmen. Renaturierungen an den Flüssen gehören dazu, aber Auswilderungen des Nerzes machen nur dort Sinn, wo kein Mink ansässig ist. Am Erfolgreichsten verliefen Nerz-Projekte in Estland. In Deutschland kümmert sich Euronerz aus dem Osnabrücker Raum um die Nerze. Hier besteht eine Zuchtstation, wo die Tiere miteinander verpaart werden. Die Rüden oder schwangeren Fähen werden in Zoos und Tierparks gebracht, wo auf die Tierart aufmerksam gemacht werden soll. Der Nachwuchs wird entweder zumeist am Steinhuder Meer ausgewildert oder aber verbleibt in den Zuchtstationen zur Verbesserung des Genpools. Den tatsächlichen Bestand am Steinhuder Meer kann man nicht sagen, allerdings konnte durch Fotofallen belegt werden, dass es bereits Nachwuchs in der Natur dort gab.

 

Wie schwer Nerze in der Natur zu finden sind, kann jeder ahnen, der in Zoos schon welche fotografieren wollte. Ein Schnappschuss wie das aktuelle Kalenderbild aus dem Zoo Osnabrück gelingt selten bei den scheuen Marderartigen.

Olaf Goldbecker

Dezember-Bild Raubtier-Kalender: Tiger

Ein geteiltes Kalenderblatt zeigt die größte und die kleinste noch lebende Tigerart. Links findet sich der im tropischen Dschungel lebende kleine Sumatra-Tiger, während rechts der große in der Kälte vorkommende Sibirische Tiger abgebildet ist. Die beiden gehören zu den sechs noch vorkommenden Tigerarten, die allesamt stark gefährdet sind. Vom Sibirischen oder Amurtiger gibt es freiblebend noch etwa 500 Exemplare, die Schätzungen beim Sumatra-Tiger belaufen sich auf maximal noch 400  wildlebende Tiere.

 

Beide Tigerarten leben von ihrem unauffälligen Anschleichen, weswegen der im farbenfrohen asiatischen Dschungel vorkommende Sumatra-Tiger auch eine farbintensivere Färbung aufweist. Der im Kalten und farbloseren Wald Sibiriens lebende Amurtiger zeigt ein deutlich kälteres Orange. Ein gerne mal gefordertes Auswildern von Zootieren scheitert schon daran, dass die Tiere große Territorien benötigen und Menschen naturgemäß ungern in der Nähe von Tigern leben. Es gibt insbesondere von Sibirischen Tigern eine ausreichende Reservepopulation. Die Art wird in europäischen Zoos deswegen gerne gezeigt, weil man für sie aufgrund der Kälteresistenz keine Warmhäuser im Winter benötigt.

 

Den hier gezeigten Sumatra-Tiger kann man im Zoo Osnabrück sehen. Es handelt sich um die 2012 in Warschau geborene Katze Diana, die seit fünf Jahren in Niedersachsen lebt. Auf dem rechten Bild handelt es sich um einen damals einjährigen Nachwuchs-Amurtiger aus dem Zoo Duisburg.

Olaf Goldbecker

Im Gespräch mit dem Euronerz-Vorsitzenden Wolfgang Festl

Wolfgang Festl ist Vorsitzender des Vereins Euronerz. Hauptberuflich ist er als Revierleiter im Zoo Osnabrück angestellt, privat steht auf seinem Grundstück die Verpaarungsstation, die dafür sorgt, dass Nerze nachgezüchtet und wieder angesiedelt werden können. Über die aktuellen Geschehnisse sprach Charity Kalender mit ihm:

 

Charity Kalender: Wie verlief die Zucht in diesem Jahr?

Wolfgang Festl: Durchschnittlich. Etwa 40 Jungtiere konnten aufgezogen werden. Wenn es gut läuft, schaffen wir 60, wenn es schlecht läuft nur 25 Tiere pro Jahr.

 

CK: Wie viele dieser Tiere konnten wiederangesiedelt werden?

Festl: 30 sind in diesem Jahr am Steinhuder Meer angesiedelt worden, die anderen kommen ins Zuchtprogramm.

 

CK: Wie hoch ist die Aufzuchtrate?

Festl: Etwa 40-60% der Fähen bekommen Nachwuchs. Wir wissen noch gar nicht so viel über das Paarungsverhalten, viele Exoten sind besser erforscht als manche einheimische Tierart. Es fehlen wissenschaftliche Mitarbeiter, die sich mit diesen Themen beschäftigen. In der Wildnis sind Nerze absolute Einzelgänger, möglicherweise hemmt auch die Nähe zu anderen Tieren die Aufzuchtrate.

 

CK: Wie lange können die Tiere leben?

Im Schnitt werden die Tiere 5-6 Jahre alt. Eine Fähe bekommt normalerweise 3-4x Nachwuchs in ihrem Leben mit bis zu fünf Jungtieren. Unser Rekord im Zuchtzentrum liegt bei einer 10-jährigen, die noch einfachen Nachwuchs bekommen hat.

 

CK: Das Steinhuder Meer ist das Kernstück des Auswilderungsprojekts. Würde die Population sich dort bereits von allein tragen ohne Nachwuchs dort anzusiedeln?

Festl: Wahrscheinlich nicht. Es ist dort eine gute Lage und wir wissen, dass es in der Natur auch schon Nachwuchs gegeben hat, aber wir kennen die Bestandzahlen nicht. Das Gebiet steht unter Naturschutz und darf nicht betreten werden, wir haben nur Material aus Fotofallen. Von daher wissen wir, dass es dort Nerze gibt und es auch schon Jungtiere gegeben hat, aber konkrete Zahlen kann man nicht nennen.

 

CK: Anfang des Jahres haben wir über ein neues Zuchtzentrum gesprochen. Steht das mittlerweile?

Festl: Aus verschiedenen Gründen ist der Aufbau der Station in Verzug geraten. Ich bin aber zuversichtlich, dass die Arbeiten noch dieses Jahr abgeschlossen werden können.

Olaf Goldbecker

Kalenderbilder „Bedroht 2020“

Hier finden Sie alle Bilder des aktuellen Kalenders in der Übersicht

Olaf Goldbecker

Unterstützung für den Charity Kalender

Auf der Website des Zoo Osnabrück befindet sich aktuell ein Beitrag über den Charity-Kalender. Anlass ist die Unterstützung des Projekts Euronerz, das federführend von Wolfgang Festl betrieben wird, der hauptberuflich als Revierleiter im Zoo angestellt ist. Mehr über dieses Projekt folgt an dieser Stelle in Kürze. Ein Dankeschön geht auch an die Zoofreunde Duisburg, die den Charity Kalender in ihrem Newsletter vorgestellt haben.

 

Den Bericht auf der Website des Zoo Osnabrück kann man hier nachlesen:

https://www.zoo-osnabrueck.de/aktuelles/news/artikel/news-title/neuer-charity-kalender-217/

 

Olaf Goldbecker

Bedroht 2020 – das Titelbild in der Vorstellung

Asiatische Elefanten kommen im südlichen bis südöstlichen Bereich des Kontinents vor. Waren es einst weite Teile der Landmasse, in denen die Tierart vorkam, sind es heute nur noch einzelne versprengte Gebiete. Die größte Anzahl lebt in Indien mit etwa 25.000-30.000 Tiere, davon die Hälfte im südlichen Teil des großen Staats. Zugute kommt den Elefanten ihre Überlebensfähigkeit in verschiedenen Vegetationszonen, so dass sie auch in für die Menschen unwirtlichen Regionen existieren können.

 

Im Vergleich zum größeren Verwandten aus Afrika erheben sich zwei Buckel auf dem Kopf, die den höchsten Punkt am Körper darstellen, während der afrikanische Elefant mit flachem Kopf im Schulterbereich seine größte Erhöhung hat. Der Rücken verläuft gerade, beim Pendant aus der Südhalbkugel bildet sich eine Art Sattel. Eher bekannt ist, dass die Ohren beim Asiatischen Elefanten erheblich kleiner sind, oft weisen sie nur die Hälfte der Größe im Vergleich zum Afrikanischen Elefanten auf.

 

Anzutreffen sind die Elefantenbullen alleine oder in Junggesellengruppen, während die Kühe in Herden mit Verwandten und deren Jungtieren unterwegs sind. Diese Gruppen können bis 30 Tiere umfassen, allerdings ist der Großteil der Herden nur mit bis zu sechs Individuen unterwegs. Oftmals legen die Gruppen dabei weniger als zwei Kilometer am Tag zurück.

 

Etwa 1500 vor Christus wurde der Asiatische Elefant bereits gezähmt und als Arbeitstier eingesetzt, vornehmlich als Baumfäller und zum Wegschleppen der Baumstämme. Die Tradition wurde bis heute fortgeführt. Vor touristischem Elefantenreiten in Asien ist allerdings aufs Äußerste zu warnen. Die Elefanten wurden hierfür unter höchsten Qualen brutal zugerichtet, Tierfreunde sollten solche Aktivitäten unbedingt meiden.

 

Der Asiatische Elefant gilt als stark gefährdet. Hauptgründe sind die Jagd auf das Elfenbein sowie der Lebensraumverlust. In Asien kommt der Elefant heute in den Ländern vor, die am dichtesten besiedelt sind, so dass Konflikte vorprogrammiert sind. Die stark steigende Zahl an Menschen benötigt Häuser und Nahrungsmittelanbau auf der Route der Elefanten, die wiederum durch die neuen Hindernisse auf ihrem Weg in Panik geraten. Die daraus resultierenden Konflikte führen zu Toten auf beiden Seiten.

 

Auf dem Bild ist der Elefant „Pinky“ zu sehen, eine etwa 53 Jahre alte Elefantenkuh, die im Burgers‘ Zoo im niederländischen Arnheim lebt. Viel weiß man über die Anfangsjahre des noch in Asien geborenen Elefanten nicht. Erst 1981 taucht sie in den Registern auf als sie von einem kleinen niederländischen Safaripark in den Burgers‘ Zoo wechselte. Dort lebte sie immer mit ein oder zwei anderen Kühen zusammen, hat entsprechend auch nie Nachwuchs gezeugt. 2009 schien es mit Pinky bereits zu Ende zu gehen, die Kuhpocken sorgten für einen Gewichtsverlust von einer halben Tonne, doch sie rappelte sich wieder auf. Da der Burgers‘ Zoo eine relativ kleine Elefantenanlage hat, stellt man diese mittlerweile als Altersresidenz zur Verfügung, die sich Pinky zuletzt acht Jahre lang mit der Elefantenkuh Rekka teilte, die im Frühjahr verstarb.

Olaf Goldbecker

Namibia-Kalender November: Südafrikanische Spießböcke

Eine Herde Südafrikanischer Spießböcke mitten in der Nachwuchszeit kann man auf diesem Bild betrachten, das auf dem Gelände der Kuzikus Farm in Namibia entstanden ist. Die Art kommt vornehmlich in trockenen Gebieten vor, kann aber auch in der Savanne gefunden werden. Sie gelten als besonders zähe Tiere, denen heißen Tage in Wüstengebieten nicht viel ausmachen.

Die auffälligen Tiere mit den langen Hörnern und der schwarz-weißen Gesichtsmaske werden auch Gemsbock genannt, auf Englisch heißen sie aus dem Afrikaans stammend Gemsbok. In beiden Sprachen stammt der Name von der Gämse ab. Der Begriff Oryx wird auch verwendet, ist aber verwirrend, weil Oryxantilopen allgemein eine Gattung an Pferdeantilopen bezeichnet, deren größte Unterart eben die Südafrikanischen Spießböcke sind.

Die Schulterhöhe der Tiere beträgt etwas 1,20 m, während die Hörner – von beiden Geschlechtern getragen – im Schnitt etwa 85 cm lang sind, aber auch bis 1,50 m hoch werden können. Untereinander werden die scharfen Hörner kaum eingesetzt. Männchen besetzen als Einzelgänger ein Territorium, während Weibchen in Herden umherziehen und in den Territorien vom jeweiligen Bock verteidigt werden. Die Rivalenkämpfe finden dabei größtenteils mit Ritualen und Gesten statt. Das Horn ist allerdings oft das Verhängnis für die Tiere, sie stellen eine begehrte Jagdtrophäe dar. Dennoch gibt es noch genug Südafrikanische Spießböcke, die Art gilt als nicht gefährdet.

Kurioserweise leben auch etwa 3.000 Südafrikanische Spießböcke in New Mexico. Von 1969 bis 1977 haben wurden 93 Tiere dort ausgewildert, die sich angesichts fehlender natürlicher Rivalen extrem vermehrt haben.

Olaf Goldbecker

Namibia-Bild Oktober: Sekretär

Eine wahrhaft besondere Vogelart ist der Sekretär, benannt nach den früheren Beamten wegen seiner auffälligen Federkiele. Mit einer Höhe von 1,20 m schreitet er durch die Landschaft und nutzt seine langen Beine zur Nahrungsgewinnung. Kleinsäuger, Insekten, sogar Schlangen und andere Reptilien gehören zu seiner Beute. Dafür nutzt er offene Landschaften so wie hier auf dem Bild im Etosha Nationalpark – seine komplette Beute erlegt der Sekretär am Boden. Dort legt er gut 20 Kilometer am Tag zurück, in die Luft begibt er sich nur selten.

 

Genaue Bestandszahlen gibt es nicht, aber die IUCN listet die Art als gefährdet, weil die Bestände stark zurückgehen. Feinde haben adulte Sekretäre eigentlich keine, nur die Jungtiere können Beute werden von anderen Vogelarten. Die Nester hoch in den Bäumen sind von Säugern nicht zu erreichen. Die Weibchen legen zwei oder drei Eier, aber im Schnitt kommt nur ein Tier hoch, die anderen werden gefressen.

Olaf Goldbecker

Raubtierbild Oktober: Südafrikanischer Gepard

Der Gepard ist die größte zu den Kleinkatzen zählende Raubtierart. Die Einstufung ist durchaus überraschend bei 1,50 m Länge trotz derer er nur 60 kg auf die Waage bringt. Die Maximalgeschwindigkeit des Gepards wird häufig mit 110-120 km/h angegeben, was allerdings leicht übertrieben ist. Die meisten Geparden erreichen keine 100 km/h und können dies auch nur für wenige Sekunden durchhalten. Das Geschwindigkeitsmittel beträgt etwa 50 km/h bei einem Sprint. Da sie auf eben diese Sprints zum Jagen angewiesen sind, benötigen sie die offene Graslandschaft zum Leben.

 

Im Gegensatz zu vielen anderen Raubtieren der Region jagen Geparden vornehmlich tagsüber und vermeiden so Fresskonkurrenz. Wenn man mehrere adulte Geparden zusammen sieht, handelt es sich normalerweise um Kater, die sich in Kleingruppen zusammenschließen. Die Katzen sind Einzelgänger außerhalb der Nachwuchsaufzucht – auch in Zoos werden die Tiere außerhalb der Paarungszeit normalerweise einzeln gehalten. Bis zu acht Junge bringen die Weibchen zur Welt, allerdings ist die Säuglingssterblichkeit hoch. Auch wenn der Nachwuchs die ersten zwei Monate im Bau bleibt, werden sie oft zum Opfer von anderen Raubtieren. Alt werden die meisten Geparden ohnehin nicht, die meisten erreichen in der freien Wildbahn keine zehn Jahre, in Zoos können 15 Jahre geschafft werden.

 

Geparden kommen in Asien und Afrika vor, wobei der asiatische Gepard (vom Aussterben bedroht) nur noch um die hundert Tiere umfasst. Der afrikanische Gepard besteht aus mehreren Unterarten und wird als gefährdet gelistet. In Zoos ist wie auch hier im Burgers‘ Zoo in Arnheim meist der südafrikanische Gepard zu sehen.

Olaf Goldbecker

Namibia-Kalender, September-Bild: Südwestliches Spitzmaulnashorn

Die Geschichte der Nashörner ist bekanntermaßen eine sehr Traurige. Ostasiatischer Hokuspokusglaube führt zu irrwitzigen Preisen für das aus simplem Keratin bestehende Horn, das angeblich heilende Wirkung für Krebs und Impotenz besitzt. Dieser Schwachsinn führt dazu, dass Einheimische mit für ihre Verhältnisse extrem viel Geld verleitet werden, ein hohes Risiko einzugehen, um für das Geld zu wildern. Sie setzen sich dabei selber höchsten Gefahren aus, denn die Nashörner werden überall von Rangern bewacht. Dabei gilt jedoch: je größer der Freiraum für die Tiere desto besser stehen die Chancen für Wilderer.

 

Die namibische Regierung hat leider längst kapituliert und einen Großteil der Tiere aus den großen Parks herausgeholt für einen besseren Schutz. Statt sie auf den großen Flächen wie im Etosha Nationalpark zu halten, wo eine Überwachung praktisch nicht möglich ist, wurden die Tiere herausgefangen und auf Farmen verteilt, die große Flächen besitzen, aber halt deutlich kleiner und besser zu verteidigen sind. Vorstellen muss man sich das wie ein System in Zoos: der Nachwuchs wird durch einen Zuchtkoordinator geregelt, die Tiere im gewissen Alter von einer Farm zu einer anderen transportiert, um Inzucht auszuschließen. Und so spielt sich die Geschichte auch für dieses auf dem Bild gezeigte Nashorn namens Kiajo ab.

 

Kiajo wurde auf dem Gelände des Kuzikus Wildlife Reserve geboren, einer ehemaligen Jagdfarm mit über 100 km² Land, die ihr Tätigkeitsfeld ändern und die Jagd für Gäste beenden musste, um vom Staat die Erlaubnis zum Halten der Spitzmaulnashörner zu bekommen. Die Mutter von Kiajo wurde aber krank und nahm ihr Baby nicht an. Wegen der besonderen Gefährdungslage und der Wichtigkeit jedes einzelnen Tiers entschloss sich die Farm, das Nashornjunge mit der Hand aufzuziehen. Die Probleme, die daraus entstanden, sind dieselben, die Handaufzuchten in Zoos haben – sie gewöhnen sich sehr an den Menschen und suchen deren Nähe, was im Fall von Nashörnern tödlich sein kann. Wenn Gäste der Farm das Tier auch noch streicheln, kann man sich denken wie der Aktionsradius von Kiajo aussah: weit von der Farm war er nie weg. In diesem Fall ist dies aber auch der Grund, warum man ein wildlebendes Nashorn in dieser kurzen Entfernung fotografieren kann. Zum Entwöhnen von Menschen stand zum Besuchszeitpunkt der Transport des Tiers ins Mount Etjo Wildlife Reserve kurz bevor.

 

Seit der Staat Namibia die Nashörner ausgelagert hat, sind die Bestandszahlen wieder gestiegen auf knapp 2.000 südwestliche Spitzmaulnashörner, die es noch gibt. Nichtsdestotrotz sind die Tiere weiterhin stark gefährdet, weil es immer noch Menschen gibt, denen man mit rationalem Denken nicht weiterhelfen kann…

Olaf Goldbecker

Raubtierkalender, September-Bild: Kleiner Panda

In Zoos sind sie mittlerweile eine Trend-Tierart, die jeder halten möchte, wobei sie vor ein paar Jahren nur dem interessierten Fachpublikum bekannt waren: die Roten oder Kleinen Pandas, auch Katzenbären genannt. Die kleinen Tiere, die nicht viel Platz am Boden, sondern eher gute Klettermöglichkeiten benötigen und vom Publikum als äußerst niedlich wahrgenommen werden, sind aber weit mehr als nur hübsche Dekoration – um sie steht es sehr schlecht in der freien Wildbahn. Rote Pandas gelten als stark gefährdet – die in Zoos zu sehende östliche Variante kommt fast ausschließlich in China vor, wo Bejagung die Nummer 1 Gefahr darstellt. Das Fell des Tiers kommt dort als traditioneller Kopfschmuck des Bräutigams bei Hochzeiten zum Einsatz, auch andere Teile des Körpers wie der Schwanz werden verwertet, etwa als Staubwedel oder Pinsel.

 

Nicht verwandt ist der Kleine Panda mit dem Großen Panda – der Begriff rührt aus einer alten taxonomischen Einschätzung, die als überholt gilt. Die Haltung in Zoos galt einst als schwierig, weil es sich um Nahrungsspezialisten handelt, die dazu ursprünglich ausgeprägte Einzelgänger sind. In Zoos leben sie paarweise und inzwischen beträgt die Reservepopulation über 800 Tiere, damit fast 10% des freilebenden Bestands.

 

Der hier gezeigte Katzenbär lebt im niederländischen ZooParc Overloon in einer offenen Anlage, die sich vor dem Zooeingang befindet.

Olaf Goldbecker

Kein Kalenderverkauf beim Westfalen Blatt!

Leider eine negative Meldung für den Charity-Kalender: entgegen der Ankündigung, Zusage und Bestellung wird es in den 16 lokalen Geschäftsstellen des Westfalen Blatts in diesem Jahr keinen Kalenderverkauf geben. Grundsätzlich eine legitime Entscheidung, der Verkauf im Vorjahr erfolgte rein für den guten Zweck, ohne dass der Verlag da auch nur einen Cent dran verdient hat – eine sehr großzügige Maßnahme, die der Charity Kalender Aktion auch sehr geholfen hat, der Absatz dort war gut. In diesem Jahr erfolgte nach Musterzusendung die Zusage für ein weiteres Jahr, es wurden 50 Kalender wie gehabt auf Kommissionbasis gekauft. In der vergangenen Woche kam leider die Mitteilung, dass der Verlag sich entschieden hat, in diesem Jahr keine Kalender zu verkaufen. Für den Charity Kalender und vor allem die begünstigten Organisationen sehr ärgerlich, denn die 50 Kalender wurden extra für das Westfalen Blatt gedruckt und wären sonst nicht bestellt worden, sprich die Druckkosten belasten die Bilanz. Die Kalender gibt es nun in erster Linie über diese Website, derzeit darüber hinaus auch in den Schweibwarenhandlungen Plaßmann in Gütersloh-Spexard und in Halle/Westfalen.

Olaf Goldbecker

Euronerz

Artenschutz gilt als etwas, das man in Afrika und Asien betreiben muss. Dass dies auch vor der eigenen Haustür vonnöten ist, wird gerne verdrängt, erst recht wenn eine Art scheinbar unspektakulär daherkommt. Der Europäische Nerz, von der IUCN als vom Aussterben bedroht gelistet, ist dafür ein sehr gutes Beispiel.

 

In Deutschland galt der Nerz seit 1925 als ausgestorben. In Osteuropa waren die Vorkommen noch größer, allerdings wurde er wegen seines Fells bejagt, etwa 50.000 Tiere kamen in Russland pro Jahr dadurch um. Nicht besser wurde die Lage der Nerze als in den 1950er Jahren der Amerikanische Mink importiert wurde – eine größere Marderart, die den Pelztierfarmern mehr Ertrag und weniger Aufwand versprach. Als der allerdings aus den Pelztierfarmen entkam, verdrängte er sein kleineres europäisches Pendant und breitete sich hier aus. Die am Wasser lebenden Nerze hatten aber nicht nur mit dem Mink, sondern zusätzlich noch mit Flussbegradigungen, Waldrodungen und Gewässerverschmutzung zu kämpfen. Seit 2011 gilt die Art offiziell als vom Aussterben bedroht, lediglich isolierte Populationen in Russland, Frankreich und Spanien gibt es noch.

 

In Deutschland hat sich im April 1998 ein Verein gegründet, der es sich zum Ziel gemacht hat, den Nerz hierzulande wieder anzusiedeln. Bei einer Forschungsarbeit der Universität Osnabrück gelang 1997 aus Novosibirsk erhaltenen Tieren die erstmalige Nachzucht in menschlicher Obhut in Westeuropa, ein Anstoß für den Verein „Euronerz“. Auf dem Gelände des Vorsitzenden Wolfgang Festl im Osnabrücker Land wurde eine provisorische Verpaarungsstation eingerichtet, in der die strikten Einzelgänger unter Aufsicht verpaart werden. Die trächtigen Fähen werden dann in viele Tierparks der Republik gefahren, wo sie den Nachwuchs zur Welt bringen. Dies gibt die Gelegenheit, in den Parks auf die Situation der Nerze aufmerksam zu machen. Im Alter von drei Monaten ist der Nachwuchs selbständig und muss von der Mutter getrennt werden, die Einzelgänger möchten sich nicht länger sehen. Die Fähen kommen zurück ins Zuchtzentrum und der Nachwuchs wird selektiert. Da Nerze nur in den ersten drei Lebensjahren – die Lebenserwartung beträgt maximal zehn Jahre – Nachwuchs zur Welt bringen, muss ein Drittel der Fähen immer zur Zucht verbleiben. Die übrigen Tiere werden vom Zuchtbuchkoordinator im estnischen Tallinn verwaltet und damit auch ausgewählt, welche Tiere in einer nächsten Stufe für die Wiederansiedlung vorgesehen werden.

 

Bislang gibt es zwei Ansiedlungsgebiete, zum einen im Saarland, zum anderen am Steinhuder Meer. Im Saarland wird seit 2006 versucht, den Nerz wieder anzusiedeln, bislang mit mäßigem Erfolg. Besser sieht es in Niedersachsen am Steinhuder Meer aus, wo das Projekt seit 2010 stattfindet und nachweislich auch schon Nachwuchs im Freiland zur Welt kam. Bevor die Tiere allerdings angesiedelt werden können, müssen sie auf die Freiheit trainiert werden, was in der Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen geschieht.

 

 

Der Vorsitzende des Vereins, Wolfgang Festl, dem seinerzeit als Mitarbeiter an der Uni Osnabrück die erste Nachzucht gelang, und der mittlerweile als Revierleiter im Zoo Osnabrück arbeitet, fährt für die Nerze etwa 15.000 Kilometer pro Jahr in seiner Freizeit. Nebenbei steht derzeit ein Neubau der Zuchtstation auf dem Programm, ein finanzieller Kraftakt für den Verein, der zum Teil von der Haarmann-Stiftung finanziert wird. Immerhin ist für das Futter der Tiere in der Aufzuchtstation gesorgt – vom Volumen etwa sechs Eintagsküken pro Nerz je Tag – denn das trägt der Arbeitgeber Festls aus seinem Pensum.

Olaf Goldbecker