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Projekt „Wildlife of Kenya 2021“ erzielt vierstelligen Gewinn

Das diesjährige Kalenderprojekt „Wildlife of Kenya 2021“ ist abgeschlossen. Unterm Strich steht ein Gewinn in Höhe von 1.129,84 Euro, der bereits an die Organisationen Rettet den Drill sowie das Reticulated Giraffe Project im kenianischen Samburu-Nationalpark überwiesen worden ist.

 

Die höchsten Kosten beim Charity Kalender fallen naturgemäß für die Produktion des Kalenders an. Den mit Abstand zweithöchsten Posten stellt der Versand dar – die Kalender haben für Transportunternehmen sperrige Formate, weswegen hierfür der Maxibrief Plus mit 4,90 Euro zu Buche schlägt. Hinzu kommt im deutlich niedrigeren Ausmaß der Kostenpunkt für die Verpackung, wofür spezielle A3 Kalenderkartons verwendet werden. Zuletzt sind noch Bankgebühren zu nennen, was nichts anderes sind als die Gebühren, die PayPal für die Überweisungen kassiert. Nicht zu vergessen, dass für die Kalender natürlich die Umsatzsteuer an den Staat abgeführt werden muss, wo der Charity Kalender in dieser Ausgabe von dem temporär verniedrigten Steuersatz profitierte. So kommt der Endbetrag von 1.129,84 Euro aus Einnahmen von exakt 1.955 Euro vor Steuern zustande. Es wird kein Geld für Verwaltungskosten oder eigenen Gewinn einbehalten! Ein herzliches Dankeschön an alle Käufer und Unterstützer dieses Formats!

 

Olaf Goldbecker

Februar-Bild: Nimmersatt am Lake Naivasha

Es mag für Kinder eine Enttäuschung sein, aber der Nimmersatt ist keine kleine Raupe, sondern ein afrikanischer Vogel. Er dürfte viele an den hier im Sommer heimischen Weißstorch erinnern – was auch kein Wunder ist, denn der Nimmersatt gehört zu den Storchenvögeln. Das Gefieder ist recht ähnlich, der große Unterschied besteht im leuchtend gelben Schnabel im Verbund mit dem knallroten Gesichtsband.

 

Anfinden kann man ihn in Afrika südlich der Sahara vornehmlich von Ostafrika runter bis Südafrika, dazu auf Madagaskar, immer in Wassernähe vorkommend. So verwundert es auch nicht, dass der Nimmersatt auf der Reise zweimal an Seen gesichtet werden konnte, am Lake Nakuru und wie hier am Ufer des Lake Naivasha. Die schöne Perspektive mit Bäumen und Büschen im Hintergrund verdankt man der Tatsache, dass das Foto von einem kleinen Boot aus gemacht wurde.

 

Wenn er sich in das Wasser begibt, verharrt der Nimmersatt sehr regungslos und wartet auf vorbeikommende Fische. Zum Nisten nutzt er allerdings eher Bäume und das Binnenland.  Warum aber hat der Vogel diesen komischen deutschen Namen bekommen? Das liegt am Nachwuchs. Der wird mit hochgewürgtem Fisch gefüttert und wächst sehr schnell. Auf Englisch wurde die Art nach dem charakteristischen Schnabel einfach „yellow-billed stork“ (Gelbschnabelstorch) benannt.

Olaf Goldbecker

Januar-Bild: Löwe

Auf einer Safari gehören Löwen natürlich zu den Tieren, die man unbedingt gesehen haben will. In Kenia gelang dies eigentlich recht zuverlässig, sowohl in den Wildlife-Schutzgebieten Solio Ranch und Ol Pejeta, wie auch wie hier zu sehen in der Masai Mara.

 

Wie man die Großkatzen auch aus Zoologischen Gärten kennt, ist die Chance die Löwen in Aktion zu sehen allerdings eher gering, denn ob in menschlicher Obhut oder der freien Natur: Löwen schlafen um die 20 Stunden am Tag. Dies bedeutet aber nicht, dass man die Karnivoren auch gut sehen kann, denn das Gras steht hoch, in Kenia befinden sich zudem viele Büsche – Versteckmöglichkeiten gibt es reichlich. Dieser erfahrene Löwenkater lag beispielsweise allein an einem Busch. Die Wahrscheinlichkeit, dass in der Nähe weitere Löwen zu finden sein werden, ist groß, denn Löwen sind unter den Katzenartigen die einzigen Rudeltiere und keine Einzelgänger. Ein Kater, der seine Familie an einen jüngeren Rivalen verliert, stirbt meist kurze Zeit später entweder an den Folgen des Kampfs oder daran, dass er allein nur schwer Beute machen kann nachdem zuvor seine Löwinnen auf die Jagd gegangen waren. So kommt es, dass ein Löwenkater in der Natur kaum mal ein Alter von zehn Jahren erreicht, während die Exemplare im Zoo durchaus das Doppelte erreichen können.

 

Lange Zeit war in dieser Szenerie allerdings nichts zu sehen, ehe man auf der anderen Seite des Autos im hohen Gras plötzlich Bewegungen wahrnehmen konnte. Zwei Löwinnen lagen dort gut getarnt mit Nachwuchs. Den Kater störte das ihn von seinem Rudel trennende Fahrzeug offensichtlich nicht weiter, vielmehr drehte er sich und kratzte in aller Ruhe seinen Rücken – in dem Moment wirkte der König der Tiere eher wie ein verspieltes Kätzchen.

 

Nicht so wirklich geklärt ist indes die Unterart der Löwen. Früher hätte man ihn wie im Kalender ausgeschildert als panthera leo nubica – den Nubischen, bzw. Ostafrikanischen Löwen – bezeichnet. Neuere Genanalysen zufolge werden die Löwen nur noch in zwei Arten aufgeteilt: panthera leo leo und panthera leo melanochaita. Letztere Art kommt im südlichen und östlichen Afrika vor, dementsprechend wäre der auf diesem Bild gezeigte Löwe hierzuzuzählen. Die Variante leo existiert noch in Zentral- und Westafrika, dazu noch die asiatische Unterart in Indien. Ob dies die endgültige Einteilung ist, bleibt abzuwarten. Sicher ist allerdings, dass die gelegentlich in Zoos gezeigten weißen Löwen keine eigenständige Art, sondern eine bewusste Kreuzung sind.

Olaf Goldbecker

Netzgiraffen in Zoos und der Wildnis – Interview Teil 2

CK: In Deutschland gibt es nur noch fünf Netzgiraffenbullen – drei davon sind sicherlich im letzten Lebensabschnitt, einer hat keine Kühe bei sich, und nur der Serengetipark Hodenhagen verfügt über einen jungen Bullen, der realistisch gesehen sinnvoll züchten könnte. Muss man sich von Netzgiraffengeburten dauerhaft verabschieden?

JJ: Als Koordinator habe ich immer die Gesamtsituation im Blick und denke da nicht in Ländergrenzen. Ich glaube aber nicht, dass wir uns innerhalb Deutschlands dauerhaft von neugeborenen Netzgiraffen verabschieden müssen. Veränderungen in die eine oder auch die andere Richtung verlaufen bei Giraffen allerdings schon allein aufgrund der recht langen Tragzeit von 15 Monaten sehr langsam. Insofern liegt es in der Natur der Sache, dass es noch ein wenig dauern kann, bis wieder regelmäßig Netzgiraffen in deutschen Zoos geboren werden.

 

Der älteste noch lebende Netzgiraffenbulle in Deutschland: Kiringo aus dem Zoo Duisburg, geboren 1999 in München

Der drittälteste Netzgiraffenbulle in Deutschland: Maru aus dem Kölner Zoo, geboren 2001 in Kopenhagen

 

CK: Netzgiraffen züchten allgemein sehr gut, man könnte den Zoobestand locker ansteigen lassen, während der Bestand in der Natur immer weiter runtergeht. Da drängt sich regelrecht die Frage auf, warum man nicht zum Auswildern züchtet.

JJ: Im Moment ist die Situation für Auswilderungen von Giraffen noch nicht gegeben. Wie so oft bei Bestandsrückgängen in der freien Natur, müssen zunächst die Bedrohungsfaktoren zumindest eingedämmt und/oder Schutzräume für die Tiere geschaffen werden, bevor man konkret an Auswilderungen denken kann. An dieser Strategie wird im Moment gearbeitet und ehrlich gesagt hoffe ich, dass die Giraffenpopulationen in Afrika sich auch ohne Giraffen aus den Zoos wieder erholen und stabilisieren werden. Trotzdem koordiniere ich das Erhaltungszuchtprogramm so, dass die Zoos im schlimmsten Fall auch hier mit genetisch gesunden Tieren helfen könnten. Im Moment versuche ich aber daran mitzuarbeiten, dass sich die Situation der Giraffen in Afrika auch ohne Auswilderungen noch zum Positiven wendet.

 

CK: Wie groß ist Ihre Hoffnung speziell bei Netzgiraffen, dass die Situation sich zum Positiven wendet? Im Grunde ist Kenia das einzige Land, in dem diese Unterart noch vorkommt.

JJ: Es ist schwierig zu beurteilen, ob wir es noch schaffen, die Wildpopulation der Netzgiraffen aufrecht zu erhalten. Klar ist, wir müssen jetzt mit aller Kraft versuchen, die Bedrohungsfaktoren einzudämmen und Schutzräume für die Tiere schaffen. Erst wenn wir dies geschafft haben, können wir beurteilen, ob die Wildbestände sich von allein wieder erholen können oder wir ggf. mit zoogeborenen Giraffen unterstützen müssen.

 

CK: Welche weiteren Maßnahmen können Sie von Zooseite treffen, um die Situation in der freien Wildbahn zu verbessern?

JJ: Ich habe in den letzten Jahren die Zusammenarbeit zwischen Zoos und dem Giraffenschutz in den natürlichen Verbreitungsgebieten der Giraffen stark vorangetrieben. So haben wir z.B. eine Gruppe innerhalb des Artenkomitees eingerichtet, die sich ausschließlich dem Thema Giraffenschutz in Afrika widmet und diesen versucht mit den Zoos enger zu verknüpfen. Es wurden beispielsweise verschiedene Forschungs- und Schutzprojekte von der Gruppe mit einem enormen Zeitaufwand evaluiert, die wir dann am Ende den Haltern als unterstützenswert empfehlen. Diese enge Verknüpfung von in-situ und ex-situ Artenschutz ist auch weiterhin eines der Ziele des Zuchtprogramms.

 

CK: Zuletzt, Sie sind Zuchtbuchkoordinator der unterschiedlichen Giraffenarten, haben in Gelsenkirchen und jetzt in Kronberg jeweils mit Rothschildgiraffen/Nubischen Giraffen gearbeitet. Wird die Art damit automatisch gewissermaßen zu einem Favoriten oder wäre es Ihnen egal, mit welcher Giraffenart Sie im Alltag arbeiten?

JJ: Es stimmt, die Rothschildgiraffen begleiten mich seit ich die Koordination des Zuchtprogramms übernommen habe. Trotzdem liegen mir die anderen Unterarten genauso am Herzen und faszinieren mich gleichermaßen. Und so genieße ich es sehr wenn ich Kollegen besuche, die eine andere Giraffenunterart halten, diese Tiere dort zu beobachten. Dann kommt es natürlich vor, dass ich die Besonderheiten der anderen Unterarten direkt mit „meinen“ Rothschildgiraffen vergleichend in Bezug setze. Dies liegt aber nicht an einer Vorliebe, sondern eher daran, dass ich die Rothschildgiraffen täglich vor Augen habe, wenn ich im Zoo bin…

 

Olaf Goldbecker

Netzgiraffen in Zoos und der Wildnis – Interview mit Zuchtbuchführer Jörg Jebram

Wenn es um Giraffenbestände in den wissenschaftlich geführten Zoos Europas geht, steckt ein Mann dahinter, der die Koordination durchführt und entscheidet, welche Tiere in welchem Zoo leben und welche sich fortpflanzen dürfen. Jörg Jebram führt die Geschicke des Zuchtbuchs, bis Ende 2019 von der Zoom-Erlebniswelt Gelsenkirchen aus, seit 2020 aus dem Opel-Zoo Kronberg. Von ihm kam die Empfehlung zur Unterstützung der Reticulated Giraffe Project im Samburu Nationalpark, und mit ihm sprach Charity Kalender über seine Tätigkeit innerhalb des Zoos und die Situation der Netzgiraffen in der Wildnis.

 

Charity-Kalender: Herr Jebram, in deutschen Zoos werden Netzgiraffen von 13 Haltern* gezeigt, keine Unterart der Giraffe ist häufiger zu sehen. Tatsächlich aber geht der Bestand nach unten. Die letzten Nachzuchten gab es 2016 – was ist der Grund dafür?

Jörg Jebram: Vor etwa acht Jahren habe ich die Koordination des Erhaltungszuchtprogrammes für die in Europa gehaltenen Giraffenunterarten übernommen. Damals waren die Populationen insgesamt zu groß. Es gab schlichtweg kaum Platz, um die Nachzuchten in anderen Zoos unterzubringen. Im Jahre 2014 haben wir einen sogenannten Long-Term-Managementplan für jede einzelne gehaltene Unterart erstellt. Die Zielgröße bei den Netzgiraffen wurde nach genauer Analyse der vorliegenden genetischen Daten auf 130 Tiere festgelegt. Derzeit werden 149 Netzgiraffen im Zuchtbuch koordiniert, d.h. wir haben momentan immer noch 19 Netzgiraffen mehr als wir eigentlich zur langfristigen Gesunderhaltung der Population benötigen. Das Ziel ist also immer noch, die Gesamtpopulation ein wenig zu verkleinern.

 

CK: Wie möchten Sie das Ziel der Reduktion erreichen?

JJ: Dies passiert in erster Linie durch eine Verringerung der Geburtenrate. Sowohl der Rückgang der Bestandszahlen als auch die Minderung der Geburtenrate ist also beabsichtigt. Die deutschen Kollegen haben mich dabei sehr unterstützt und deswegen bin ich ihnen auch extrem dankbar. Das Funktionieren eines Zuchtprogramms hängt immer von den Teilnehmern ab und ist nie das Werk eines einzelnen.

 

CK: Wie schwierig war der Prozess, die anderen Zoos von der Reduktion zu überzeugen? Nachwuchs wird gemeinhin ja sehr gerne von Zoos präsentiert.

JJ: Der entscheidende Faktor war aus meiner Sicht eher die Tatsache, dass möglicher Nachwuchs bei Eintritt der Geschlechtsreife nicht hätte in anderen Zoos platziert werden können – die Jungtiere hätten also über die Geschlechtsreife hinaus in ihrem Geburtszoo bleiben müssen. Dies habe ich damals sehr ausführlich und klar an die Halter kommuniziert und ihnen die Situation dargestellt. Ich denke, dass es genau diese offene und zugegebenermaßen sehr zeitaufwändige Kommunikation war, die die Halter zur Mithilfe bei der Reduktion der Geburtenrate motiviert hat.

 

CK: 2014 gab es hierzulande eine Reform der Säugetierhaltungsrichtlinie, die bei Giraffen sowohl für Innen- wie Außenanlagen eine deutliche Verschärfung bewirkt hat. Inwieweit stellt das ein Problem für die Zukunft der Haltung hierzulande dar?

JJ: Das hat auf meine Arbeit als Zuchtbuchkoordinator sehr wenig bis gar keinen Einfluss. Als die Überarbeitung der Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren in Deutschland erschien, ist zumindest kein Zoo an mich herangetreten, der seine Giraffenhaltung aufgeben wollte oder musste. Ich glaube, die Haltung der Giraffen in den deutschen Zoos war und ist auf einem sehr hohen Niveau. Die wissenschaftlich geführten Zoos hinterfragen stetig Ihre Haltungen und passen sie falls nötig an. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Größe eines Geheges meist recht wenig über die Qualität der Haltung aussagt. Natürlich muss jedes Gehege dem Tier und seinem Verhalten in der Größe entsprechen, aber es gibt noch einige andere Faktoren, die ich für mindestens genauso wichtig halte. Dementsprechend sehe ich es nicht sehr gern wenn die Gehegegröße so sehr in den Fokus gerückt wird.

 

CK: In der Vergangenheit sind Bullen häufig schon mit Erreichen der Geschlechtsreife in die Herden gekommen und haben dann regelmäßig für viel Nachwuchs gesorgt. Wäre es nicht sinnvoller für ein ausgewogenes Populationsmanagement wenn man die Jungs erst wie in der Natur in eine Jungbullengruppe gibt und die Zuchtbullen bei Bedarf im höheren Alter aus diesen Gruppen nimmt?

JJ: Aus genetischer Sicht ist es egal, ob ein Bulle schon im Alter von 2,5 Jahren als Zuchtbulle in eine Weibchengruppe kommt oder erst mit 5 Jahren – seine Gene, die er vererbt, bleiben dieselben. Wie schon erwähnt, sind die Zuchterfolge mit der bisherigen Art des Managements ausgesprochen gut. In der Natur bestimmen die alten, erfahrenen Bullen für eine gewisse Zeit das Fortpflanzungsgeschehen bis sie von aufstrebenden Jungbullen abgelöst werden. Ich denke aber nicht, dass der Aufenthalt in einer Junggesellengruppe irgendeinen Einfluss auf das Wohlbefinden der Tiere hat, sondern dient in freier Wildbahn dazu, das Überleben der Jungbullen zu sichern – es ist also eher eine Art Zweckgemeinschaft. Anstelle des Zucht-Auswahlverfahrens durch Kämpfe der Tiere in freier Wildbahn, tritt bei den Zoogiraffen die Auswahl der Zuchttiere anhand ihrer Gene. Ich schaue, welche genetischen Linien gut repräsentiert sind und welche eher weniger. Letztere kommen dann in den Zoos bevorzugt zur Fortpflanzung, so dass die Population über viele Jahre genetisch gesehen breit gefächert bleibt. Das Alter der Bullen oder aus welcher Gruppenkonstellation sie entspringen, spielt bei dieser Auswahl eher eine untergeordnete Rolle.

 

Lesen Sie in den nächsten Tagen Teil 2 des Interviews, in dem es vornehmlich um die Situation der Tiere in der freien Wildbahn geht.

 

*die 13 Netzgiraffenhalter in Deutschland sind Augsburg, Duisburg, Erfurt, Frankfurt, Hodenhagen , Karlsruhe, Köln, München, Münster, Neunkirchen, Nürnberg, Osnabrück und Stuttgart.

Olaf Goldbecker

Kalenderbilder 2021

Die Bilder entstammen einer Vorabversion. Im Kalender taucht beim Afrik. Strauß natürlich nicht der Balken mit den ? auf wie auf dieser Seite!

 

Olaf Goldbecker

Drillhaltung in Zoos – die aktuelle Situation

Wer Drills kennt, wird in den meisten Fällen Bekanntschaft mit ihnen im Zoo gemacht haben. Die Chancen dafür stehen allerdings gar nicht so übermäßig gut, denn weltweit gibt es nur 18 Halter – fast alle davon in Europa. Mit fünf Haltern bietet Deutschland dabei die größte Möglichkeit dafür. Die haltenden Zoos sind neben Zuchtbuchführer München die Einrichtungen in Hannover, Osnabrück, Wuppertal und Saarbrücken.

 

In den 16 europäischen Einrichtungen konnte 2019 ein kleiner „Meilenstein“ erreicht werden mit dem 100. Drill im Zuchtbuch, Ende 2019 betrug der Stand 103 Tiere. Dies stellt eine erfreuliche Entwicklung dar wenn man bedenkt, dass erst 2005 überhaupt die Marke von 50 Tieren erreicht wurde.

 

Der aktuelle Trend geht hin zu Vergesellschaftungen mit anderen Tierarten, etwa mit Rotbüffeln in Osnabrück, mit Brazzameerkatzen in Hannover, oder mit Zwergflusspferden und Sitatungas in Valencia. Zudem wird probiert mehrere Männchen auf einer Anlage zu halten.

 

Was aber macht das Arbeiten mit Drills besonders? Das können am Besten die Tierpfleger beurteilen, die mit ihnen arbeiten. Und die sind besonders vom Charakter der Tiere beeindruckt. Herbert Hader vom Grünen Zoo Wuppertal empfindet die Arbeit mit ihnen als herausfordernd, weil man mit Einfühlungsvermögen und Diplomatie arbeiten muss, um das Vertrauen der Tiere zu gewinnen und man dadurch selber ständig dazulernt. Auch Kathrin Paulsen vom Erlebnis-Zoo Hannover beschreibt es ähnlich wenn sie sagt, dass alle Tiere einen individuellen Charakter haben, den man genauso wie ihre verwandtschaftlichen und freundschaftlichen Verhältnisse berücksichtigen muss – mit der besonderen Herausforderung, dass die Beziehungen zueinander dynamisch sind und sich stets wandeln können. Machen Sie sich vielleicht einmal einen persönlichen Eindruck davon bei ihren nächsten Besuchen in drillhaltenden Zoos.

 

Für weitere Informationen über Drills in Zoos empfehlen wir dieses etwa zwei Jahre alte Interview mit Carsten Zehrer vom Tierpark Hellabrunn, der das Zuchtbuch für Drills führt: http://charity-kalender.de/de/der-herr-der-drills-in-zoos-interview-mit-zuchtbuchfuehrer-carsten-zehrer

Olaf Goldbecker

Reticulated Giraffe Project

Es taucht nicht auf dem Kalender auf, aber wie bereits angekündigt und mit Rettet den Drill besprochen, wird ab einem Gewinn von 500 Euro ein zweites Projekt unterstützt. Es handelt sich dabei um eine lokale Organisation aus Kenia, die sich um die dortigen Netzgiraffen kümmert. Der Name „Reticulated Giraffe Project“ klingt nicht spektakulär, aber es steckt eine sehr unterstützenswerte und förderungswürdige Unternehmung dahinter.

 

Der Schotte John Doherty lebt seit über 20 Jahren in Kenia und kümmert sich um die dortigen Netzgiraffen. Von der IUCN wird die Art als stark gefährdet gelistet. Neben der wissenschaftlichen Arbeit setzt das Reticulated Giraffe Project bei der lokalen Bevölkerung an, denn der größte Feind der Giraffen ist der Mensch.

 

Die Organisation fährt mit Kindern in die Wildnis hinaus und zeigt ihnen die Tierwelt, ist nicht auf Giraffen beschränkt. Dabei spricht man über das Thema und stellt die Wichtigkeit der Tiere dar. Dies wird von der älteren Bevölkerung nicht so gesehen, daher hofft man auf Einfluss bei der künftigen Generation Erwachsener. Geschützte Wildgebiete gelten bei Einwohner oft als Privileg von Besserverdienern, Weißen und Touristen, weswegen die lokale Bevölkerung die Vorgänge skeptisch betrachtet, die lieber ihr Vieh dort weiden sieht und auch Wild erlegt. Von Zeit zu Zeit finden bewaffnete Konflikte zwischen Volksstämmen statt, die auch Opfer unter den Tieren zur Folge haben.

 

Hier kann man einen Tagesthemen-Beitrag mit John Doherty zur Problematik ansehen: http://michna.com/temp/Giraffen_Tagesschau_2019-08-22.mp4

 

Olaf Goldbecker

Rettet den Drill

Zum dritten Mal bereits wird mit dem Artenschutzkalender der Verein „Rettet den Drill“ unterstützt. Was aber ist dieser Verein und macht er eigentlich?

 

Ein Tierpfleger aus Hannover führte eine Aktion mit dem gleichen Titel über 15 Jahre lang durch, um auf diesem Weg Unterstützung für die Drills in der freien Natur zu erwerben. Im Jahr 2004 änderte man dies von der Privatinitiative in einen eigenen Verein mit Sitz in Nordhorn ab. Rettet den Drill ist selbst nicht vor Ort in Afrika tätig, sondern sammelt auf vielfältige Weise Gelder ein, die dann der Organisation Pandrillus in Nigeria (siehe http://charity-kalender.de/de/drills-in-nigeria) und dem Limbe Wildlife Center in Kamerun (siehe  http://charity-kalender.de/de/drills-in-kamerun)  zugutekommen. Gleichzeitig überwacht man deren Aktivitäten und fordert Nachweise für die Mittelverwendung ein, um sicherzustellen, dass die Gelder auch ordnungsgemäß eingesetzt werden.

 

Rettet den Drill ist nach wie vor eine Aktion mit großen Zoobezug. Einige zoologische Gärten sind ebenso juristische Mitglieder wie auch viele Tierpfleger. Natürlich kann auch jeder andere Mitglied werden und damit die Arbeit für die Drills in der freien Wildbahn mit 40 Euro im Jahr unterstützen, www.rettet-den-drill.de

 

Zum Thema kann man auch zwei alte Beiträge nachlesen:

Charity Kalender meets Rettet den Drill – http://charity-kalender.de/de/charity-kalender-meets-rettet-den-drill

Rettet den Drill Vorsitzende Kathrin Paulsen im Interview – http://charity-kalender.de/de/1616-2

Olaf Goldbecker

Kalenderbild Dezember: Addax / Mendesantilope

Das finale Kalenderbild dieses Jahres zeigt eine Mendesantilope, auch Addax genannt, mit ihrem Nachwuchs im Erlebnis-Zoo Hannover. Schnee wie auf diesem Bild, werden sie aus ihrer Heimat kaum kennen, denn sie stammen aus der Sahara. Ihre Farbgebung bietet dort eine gute Tarnung, dennoch steht die Tierart vor der Ausrottung in freier Wildbahn, wo nur noch wenige hundert Tiere existieren.

 

In der Wüste verbringen diese Antilopen die Tage meist ruhend und werden erst abends bei sinkenden Temperaturen aktiv. Als Pflanzenfresser müssen sie im rauen Klima wandern, um an ihr Futter zu kommen. Als auf Wüste angepasste Tiere brauchen sie keine Trinkquellen, sondern nehmen die benötigte Flüssigkeit über das Futter auf. Die Herden bestehen sowohl aus Männchen wie auch aus Weibchen und werden im Unterschied zu vielen anderen Antilopenarten nicht vom Männchen, sondern vom erfahrensten Weibchen angeführt.

 

Die Mendesantilopen galten schon immer als Nahrungsquelle für die lokale Bevölkerung, was auch bis zur rasanten technischen Entwicklung kein Problem war. Ebenso sind sie relativ leichte Beute für Raubtiere, weil sie sich nur langsam fortbewegen, aber auch dies konnte dem Gesamtbestand wenig anhaben. Erst Jagden mit Motorrädern und Flugzeugen ermöglichten Massentötungen, von denen sich die Bestände nicht erholen konnten. Die Bestände in Zoos sind dagegen gut. Für Europa koordiniert der Zoo Hannover das Zuchtbuch, der auch federführend ist für Auswilderungen, die vornehmlich in Marokko stattfindet.

Olaf Goldbecker

Vorkommen der Netzgiraffen in der Wildnis

In der Literatur findet man überall, dass die Netzgiraffe in Kenia, Somalia und Äthiopien vorkommt. Wie die Situation dort ist, zeigt ein Blick in die einzelnen Länder.

 

Netzgiraffen in Kenia

Der Großteil der wildlebenden Netzgiraffen kommt in Kenia vor – einem Land, das drei verschiedene Giraffenarten beherbergt. Sie leben im Norden und Osten des Landes, etwa den Nationalparks Samburu, Shaba oder Tsavo East. Allerdings haben Tracker ergeben, dass die Netzgiraffen große Distanzen zurücklegen, sich aber nur zu 4% innerhalb geschützter Gebiete aufhalten. Dies ist deswegen ein Problem, weil es Konflikte mit den Viehherden der lokalen Bevölkerung gibt und Gebietsverlust sowie Wilderei das größte Problem der Netzgiraffen darstellt.

 

Netzgiraffen in Somalia

Somalia ist ein sehr instabiler junger Staat, der unter Einfluss von Bürgerkriegen und der Al Shaabab steht. Artenschutz ist unter den Voraussetzungen kein Thema im Land. Es ist sogar unsicher, ob die Netzgiraffe überhaupt noch in Somalia vorkommt, Untersuchungen konnten wegen der bewaffneten Konflikte nicht stattfinden. Zuvor gab es noch Restbestände im Bushbush National Park und der Lower Juba Region. Da bewaffnete Wilderer von Somalia aus in Kenia einfallen, muss man davon ausgehen, dass die Netzgiraffen dort nicht mehr vorkommen.

 

Netzgiraffen in Äthiopien

Das dritte Land, das weithin als Heimat der Netzgiraffe angesehen wird, ist Äthiopien. Das Land ist eines der übervölkertsten Länder Afrikas, was natürlich auf Kosten der Wildnis geht. Ende des letzten Jahrtausends schätzte man den Bestand noch auf gut 140 Tiere ein. Heute ist unsicher, ob überhaupt noch Netzgiraffen bestehen, in jedem Fall sind es deutlich unter 100 Exemplare, so dass man leider festhalten muss, dass der einzig nennenswerte Restbestand der Art noch in Kenia existiert.

Olaf Goldbecker

Drills in Nigeria

Das Vorkommen des Drills in Nigeria ist limitiert auf den Cross River State, dem südöstlichsten Bundesstaat des Landes, der an Kamerun angrenzt. Die Gebiete der Afi Mountains, der Mbe Mountains und des Okwangwo Sektors verbinden sich mit dem Takamanda Nationalpark, der schon in Kamerun liegt und so zu einem wertvollen transnationalen Rückzugsgebiet nicht nur für die Drills geworden ist. Ein weiteres Vorkommen ist in den Obe Hills, die wiederum an den kamerunischen Korup Nationalpark grenzen.

 

Lage des Cross River State in Nigeria, rechts davon Kamerun

 

Zum einen in der Hafenstadt Calabar wie auch in den Afi Mountains liegen die Drill Ranchs von Pandrillus, die 1991 gegründet wurden. Hierhin werden Tiere gebracht, die von Behörden konfisziert wurden – Waisenkinder, deren Mütter bei der Jagd erschossen wurden, oder die illegal als Haustiere gehalten wurden. Die Station in Calabar dient der Quarantäne und als Tierarztpraxis sowie als Verwaltung. Etwa 30 Tiere sind dort untergebracht, die aufgrund ihrer Gewöhnung an Menschen nicht für eine Auswilderung in Frage kommen. Die Stadtmenschen können die Drills in dieser Station bei Führungen besichtigen.

 

 

320 Kilometer, oder 7-8 Stunden Fahrstunden entfernt liegt die Drill Ranch in den Afi Mountains, wohin auch die auswilderungsfähigen Drills aus der Station in Calabar gebracht werden. „Alleine die Fahrt mit einem Fahrer von Pandrillus durch die Dörfer und den Regenwald dorthin, ist ein Erlebnis“, weiß Rettet den Drill-Vorsitzende Kathrin Paulsen zu berichten (erneut ein Dankeschön für die zur Verfügung gestellten anschaulichen Bilder). Die Ranch liegt mitten im Schutzgebiet der Afi Mountains im Regenwald, entsprechend sind die klimatischen Bedingungen. Sechs Drillgruppen leben hier auf neun Hektar Fläche. Sie werden vom Personal gefüttert, aber Reinigungsarbeiten fallen aufgrund der Größe der Anlage nicht an – eher technische Arbeiten. „Es ist einmalig, die Drills dort in ihrem natürlichen Lebensraum zu erleben und die großen Gruppen zu bestaunen“, ist Paulsen fasziniert.

 

Olaf Goldbecker

Drills in Kamerun

In Kamerun lebt die größte Anzahl an Drills, etwa 80% aller Tiere werden hier vermutet. Hier haben sie auch das mit Abstand größte Verbreitungsgebiet, das von West-Kamerun bis zum Sanaga River in Zentral-Kamerun reicht. Dies umfasst zum Beispiel den Ebo Forest, der zu bergig für den Abbau von Rohstoffen und damit ein optimaler Rückzugsort für die Primaten ist, oder den Korup Nationalpark, wo man die meisten Drills vermutet, es allerdings auch vermehrt zu illegalen Jagden gekommen ist, die den Bestand reduziert haben.

 

         

 

In der Hafenstadt Limbe – als Victoria gegründet und zu deutschen Kolonialzeiten als Viktoria weitergeführt – findet man das Limbe Wildlife Center. Dies wurde 1993 in Zusammenarbeit von Pandrillus mit dem kamerunischen Umweltministerium eröffnet, man übernahm den heruntergekommenen Victoria Zoo. Etwa 15 einheimische Primatenarten werden hier neben anderen Arten gehalten mit dem Ziel Umweltbildung bei der lokalen Bevölkerung. Die meisten Affenarten sind Meerkatzen, daneben aber auch Schimpansen und Gorillas. Die größte Gruppe mit etwa 70 Tieren stellen die Drills dar. Das Center gibt etwa 30 Personen Arbeit, es dient als Auffangstation und entlässt nach Möglichkeit die Tiere auch wieder in die Wildnis. „Bei kleineren Arten wie Schildkröten oder Graupapageien sind Auswilderungen vorgenommen worden. Bei Primaten sind die Vorbereitungen dafür sehr umfangreich, Untersuchungen in verschiedenen Gebieten haben aber bereits stattgefunden“, weiß Rettet-den-Drill-Vorsitzende Kathrin Paulsen zu berichten, die netterweise auch die Bilder zur Verfügung gestellt hat.

 

Olaf Goldbecker

Die Netzgiraffe

Netzgiraffen kennen viele Menschen aus Zoos, wo diese Tiere relativ häufig anzutreffen sind. Doch wissenschaftlich ist vieles noch gar nicht bekannt. Schon bei der Frage nach der Einordnung als eigenständige Art oder als „bloße Unterart“ der Giraffe herrscht noch Unklarheit. Traditionell werden alle Giraffe als eine einzige Art angesehen, die in neun verschiedene Unterarten aufgeteilt wurde, die Netzgiraffe eben als eine davon. Eine aufwendige Genanalyse des Senckenberg-Instituts förderte zutage, dass die Giraffen neu bewertet werden müssen. Vier verschiedene Arten wurden erkannt, von denen eine die Netzgiraffe ist (mehr darüber kann man hier nachlesen: http://charity-kalender.de/de/weltgiraffentag-bedrohte-riesen)

 

Für die Netzgiraffe bedeutet das, dass sie nicht mehr eine von etwa 100.000 Giraffen ist, sondern es sich um eine eigene Art mit nur noch etwa 8.700 Tieren handelt, die als stark gefährdet gelistet wurde. Ihr Vorkommen erstreckt sich auf Nord-Kenia, Süd-Äthiopien und Somalia – wobei das auch nicht mehr korrekt ist wie wir in der nächsten Zeit gesondert feststellen werden.

 

Unter den Giraffen hebt sich die Netzgiraffe optisch stärker von anderen Giraffenarten ab. Ihr Fell ist zwar auch eher cremefarben, wirkt aber wegen der großen braunen Flecken so als ob die Tiere braun mit dem namensgebenden weißen Netz wären, während es bei anderen Giraffenarten eher wie dunkle Flecken auf der hellen Haut aussieht. Jeder aufmerksame Zoobesucher kann feststellen, dass  Giraffen ein individuelles Muster haben und sich kein Tier dem anderen gleicht.

 

Männliche Netzgiraffen können bis an die 6 Meter groß werden und ein Gewicht von 900 kg auf die Waage bringen. Und das, obwohl die Tiere reine Vegetarier sind. Etwa 50-60 Kilogramm Nahrung braucht eine Giraffe am Tag. Aus dem Grund sind Giraffen so viel in Bewegung, die Menge muss erst einmal aufgetrieben werden – die Hälfte des Tages sind die langen Riesen entsprechend mit Futtern beschäftigt. Auch im Verhältnis zu anderen großen Tieren verfügen Giraffen über ein äußerst großes Herz, das 12 Kilogramm wiegt.

 

Ein mittlerweile weitestgehend bekannter Fakt ist, dass der lange Hals von sieben Wirbeln gehalten wird – und damit von genauso vielen wie unser menschlicher Hals. Interessant bei den Tieren sind die Hörner, mit Fell überzogene Knochenzapfen. Bei Männchen sind die in freier Wildbahn oft blank und nicht mit Haaren bedeckt, weil sie diese zum Kampf gegen Rivalen benutzen. Im Gegensatz zu den Weibchen, die sich mit Nachwuchs zu Herden zusammenschließen, sind adulte Bullen absolute Einzelgänger, die andere Männer nicht in ihrer Nähe dulden. Lediglich Jungbullen, die ihre Mütter verlassen haben, vereinen sich mit anderen heranwachsenden Jungs zu einer Zweckgemeinschaft.

 

Nachzuchten sind bei Netzgiraffen nicht das große Problem. Nach etwa fünfzehn Monaten Tragzeit bringt eine Kuh ihren Nachwuchs zur Welt. Es dauert aber nicht lange bis sie wieder paarungsbereit ist, so dass alle anderthalb Jahre ein Junges zur Welt kommt. Allgemein können sich adulte Giraffen gut verteidigen, Löwen sind die größten Feinde im Tierreich, die aber selber bei einem Angriff auf eine Giraffe in Lebensgefahr schweben – die Tritte der langen und kräftigen Beine sind eine gefährliche Waffe. Die Jungtiere sind deutlich gefährdeter, die können auch durch kleinere Raubtiere wie Geparden, Leoparden, Hyänen und Wildhunde gerissen werden, so dass maximal jede zweite Giraffe überhaupt nur das Erwachsenenalter erreicht. Erheblich gefährlicher für den Fortbestand der Art ist allerdings der Mensch, der den Lebensraum der Tiere einschränkt und Jagd auf sie macht.

 

Olaf Goldbecker

Der Drill

Durch die Unterstützung von Rettet den Drill steht er in diesem Jahr steht er wieder im Fokus vom Charity Kalender. Was aber ist der Drill überhaupt für ein Affe? Wir rücken das Tier, seine Situation in den Verbreitungsländern und seine Situation in den zoologischen Gärten in den nächsten Wochen einmal näher in den Fokus.

 

Der Drill kommt in den Ländern Nigeria, Kamerun und auf der zu Äquatorialguinea gehörenden Insel Bioko vor, gehört damit zu den Altweltaffen. Näher einzuordnen ist er in der Gruppe der Pavianartigen und gehört darin neben seinen nächsten Verwandten, den Mandrills, zur Untergruppe eben der Mandrillartigen. Während die Mandrills durch das auffällige Äußere des bunt im Gesicht leuchtenden Männchens noch ziemlich bekannt sind, werden nur wenige Leute von den Drills gehört haben. Die Weibchen der beiden Arten kann man sogar in etwa miteinander vergleichen, aber die Männchen unterscheiden sich von den Mandrills hauptsächlich dadurch, dass sie eine rein schwarze Gesichtsfarbe haben. Das Hinterteil der Männchen ist dafür bunt und scheint in einer Farbvariation von blau bis lila – je leuchtender desto höher im Rang steht das Tier. Bei einer Länge von meist um die 60 cm bringen Männchen über 30 kg auf die Waage, die Weibchen etwas mehr als ein Drittel davon.

 

Eine Drillgruppe mit etwa 25 Individuen besteht aus einem dominanten Männchen, einer Haremsgruppe an Weibchen und deren Nachwuchs. Verschiedene Gruppen können sich aber zusammenschließen, so dass sich eine Truppe von über 100 Individuen ergeben kann. Im Alter von fünf bis sieben Jahren verlassen die  jungen Männchen ihre Geburtsgruppe, die Weibchen bleiben.

 

Lebensraum der Drills ist der Regenwald. Allerdings sind sie keine Baumbewohner, sondern vorwiegend auf dem Boden anzutreffen. Der Wald dient dem Schutz der Tiere und bietet gleichzeitig die beste Nahrungsquelle, wobei Drills Allesfresser sind, die auch vor Fleisch nicht haltmachen. Die Rodung des Regenwald für Tropenholz und Ackerland ist daher die größte Gefahr für die Primatenart, die als stark gefährdet gelistet ist. Gerade auch deswegen spielen die Drills eine wichtige Rolle für das Ökosystem. Durch das Fressen von Früchten verteilen sie die Samen im Wald und helfen somit, dass Bäume und Pflanzen neu wachsen. Vermutlich leben etwa 5.000 Tiere noch in freier Wildbahn, ein rapider Verlust von 50% in den letzten 30 Jahren. Neben dem Lebensraumverlust werden sie auch einfach als Nahrungsmittel gejagt oder als Schädlinge für den Anbau von Bananen, Kokospalmen und Maniok ausgerottet.

 

Olaf Goldbecker

Das Kalendercover 2021: Südliche Breitmaulnashörner auf der Solio Ranch

Das Titelbild hat eigentlich einen traurigen Hintergrund. Es zeigt Südliche Breitmaulnashörner, eine Unterart, die in Kenia ursprünglich gar nicht vorkommt. Somit handelt es sich eigentlich um Neozoen, die allerdings nicht wie hierzulande Waschbär, Mink oder Nutria versehentlich ins Land gelangten, sondern bewusst importiert wurden. Dieses Bild wurde aufgenommen auf der Solio Ranch – dem Ort, der 1980 Südliche Breitmaulnashörner nach Kenia holte.

 

Warum machte man dies? Kenia ist eigentlich Heimat vom Ostafrikanischen Spitzmaulnashorn und dem Nördlichen Breitmaulnashorn. Spitzmaul- und Breitmaulnashorn haben kein überschneidendes Territorium – die Variante mit dem breiten Maul nutzt den Mund gewissermaßen als Staubsauger über dem Boden und ernährt sich von Gras, während die Art mit dem spitzen Mund selbigen zum Abknipsen von Buschwerk nutzt. Die Solio Ranch war seit 1966 im Privatbesitz eines Mannes, der seiner Frau zuliebe einen Teil des Geländes – schlappe 55 km² – für Wildtiere absperrte. Nashörner waren auf dem Gelände nicht heimisch, hätten von den Gegebenheiten aber dort leben können. Dies erkannte der kenianische Staat 1970 trotz eines Bestands von noch 20.000 Ostafrikanischen Spitzmaulnashörnern, dass er die Tierart nicht selber vor Wilderern schützen kann und bat die Solio Ranch um das Einstellen einiger Tiere. In den folgenden zehn Jahren kamen insgesamt 27 Spitzmaulnashörner auf das Gelände – im gleichen Zeitraum verringerte sich der Bestand der Tiere in Kenia wie befürchtet um über 90% auf nur noch 1.500 Exemplare. Auf Solio erkannte man, dass das Gelände aber auch sehr gut für Breitmaulnashörner geeignet war. Das Problem: die Nördlichen Breitmaulnashörner waren schon so wenige, dass der Bestand im Grunde verloren war – 2008 starb das letzte Tier in freier Wildbahn, aktuell leben noch genau zwei Weibchen dieser Tierart, der letzte Bulle verstarb 2018. Also beschaffte man sich 1980 auf Solio vorausschauend die andere Unterart: 16 Südliche Breitmaulnashörner aus Südafrika.

 

Die Nashorngeschichte auf Solio ist ein überragender Erfolg. Alle Südlichen Breitmaulnashörner in Kenia stammen von den 16 importierten Tieren ab, so auch Mutter und Nachwuchs auf dem Titelbild. Ostafrikanische Spitzmaulnashörner sind hier allerdings ebenso weiterhin gut vertreten. Der Nashorn-Nachwuchs wurde nicht nur innerhalb von Kenia in Nationalparks und andere Schutzgebiete verteilt, sondern wurde auch an andere Staaten wie Malawi oder Uganda abgegeben. Wie fragil das Gebilde trotzdem ist, zeigt, dass auch auf Solio Anfang des Jahrtausends binnen fünf Jahren 30 Nashörner gewildert wurden – dies war allerdings der Beginn für weitere Schutzmaßnahmen und ein intensives Monitoring, was man bis dahin noch gar nicht betrieb.

 

Weitere Impressionen von der Solio Ranch:

 

 

Olaf Goldbecker

Titelbild November: Weißhandgibbons

Wer bei einem Zoobesuch schon mal auf sirenenartiges Geheule gestoßen ist, der ist wahrscheinlich schon mal Gibbons begegnet. Die Affen aus der Gruppe der Menschenartigen hört man oft bevor man sie sieht, vor allem wenn die Anlagen bewaldet sind. Mit ihren Rufen markieren die meist in monogamer Paarbeziehung lebenden Primaten ihr Revier und warnen fremde Artgenossen vor einem Eindringen.

 

Bei den hier gezeigten Exemplaren handelt es sich um Weißhandgibbons, auch Lar genannt, aus dem Grünen Zoo Wuppertal. Die weiße Hand lässt sich besonders gut bei dunkel gefärbten Tieren erkennen, denn die Tiere können in der dunklen Variante braunes bis schwarzes Fell oder aber in der hellen Variation weißes bis cremefarbenes Fell aufweisen. Anders als bei etwa dem Weißwangenschopfgibbon, wo die Farbe dem Geschlecht zuzuordnen ist, haben Weißhandgibbons keine geschlechtsspezifische Fellfarbe. Beim Lar kommt es abweichend zur monogamen Lebensweise allerdings auch vor, dass Weibchen das Revier wechseln oder mit mehr als einem Männchen leben – der umgekehrte Fall, dass ein Männchen mehrere Weibchen hat, ist noch nicht beobachtet worden.

 

Mit ihrem kleinen Körper und den langen Armen und Beinen sind Gibbons typische Baumbewohner, die eigentlich kaum mal auf den Boden herunterkommen. Ihr Lebensbereich im Baum ist hoch oben in den Baumkronen. Der Aktionsradius der Tiere ist abhängig vom Futtervorkommen, im Schnitt legen die Weißhandgibbons am Tag nur gut anderthalb Kilometer zurück. Die Nahrung besteht zu gut zwei Dritteln aus Früchten, einem Viertel aus Blättern, der Rest aus Insekten und Vogeleiern.

 

In freier Natur erreichen Gibbons im Idealfall ein Alter von etwa 40 Jahren, in menschlicher Obhut können es zehn Jahre mehr werden. Geschlechtsreif werden die Tiere mit ungefähr elf Jahren. Kommt der Nachwuchs zur Welt, dauert es drei Jahre bis die Weibchen wieder aufnehmen können. Die monogame Lebensweise und die lange Aufzuchtphase sorgen dafür, dass Verluste der Art schwer zu schaffen machen. Die größte Gefahr ist neben dem Lebensraumverlust durch Waldrodung ganz besonders die Jagd auf die Tier als Haustier oder zu Fleischgewinnung. Aus dem Grund gilt die Art als stark gefährdet.

 

Olaf Goldbecker

Masai Mara

Die Masai Mara ist der berühmteste Nationalpark Kenias. Dank der Bemühungen von Bernhard und Michael Grzimek in den 60er Jahren wurde ein übernationaler Nationalpark erreicht, der die Wanderrouten von Gnus und Zebras berücksichtigt und nicht auf nationale Grenzen limitiert ist. Mit 1500 Quadratkilometern ist die Masai Mara als kenianischer Teil der Serengeti dabei erheblich kleiner als der tansanische Anschluss, der Serengeti Nationalpark, der knapp 15.000 Quadratkilometer umfasst.

 

Die Masai Mara besteht überwiegend aus weit einsehbarer Savanne. Keine Gegend in Kenia ist arten- und tierreicher. Das große Naturschauspiel findet statt wenn die gigantischen Herden von über einer Million Gnus, 500.000 Thomsongazellen, 200.000 Böhm-Steppenzebras, 100.000 Seregenti-Topis und 20.000 Elenantilopen sich im Juli/August von der Serengeti in die Masai Mara begeben. Dieses Schauspiel wurde eben von den Grzimeks aus der Luft entdeckt und durch sie verhindert, dass ein Zaun zwischen den Nationen diese Wanderroute verhindert. Im November geht der beschwerliche Weg wieder nach Tansania in die Serengeti. Der Übergang durch den Mara River, wo die Krokodile auf die Herden warten, ist sicherlich allen durch die Tierdokumentationen bekannt.

 

 

Nicht zu vernachlässigen ist jedoch, dass die Besiedlung des Gebiets voranschreitet und einige Tierarten deutlich im Bestand verringert wurden durch Jagd wie auch durch Ansiedlung von Nutzvieh. Vor allem die Anzahl an Giraffen, Impalas, Kuhantilopen und Warzenschweinen ist erheblich gesunken.

 

Olaf Goldbecker

Aberdares Nationalpark

Benannt nach dem Entdecker der Region, dem schottischen Lord Aberdare, handelt es sich beim Aberdare Nationalpark um ein 766 km² großes Reservat. Die Aberdare Mountains gehen bis auf eine Höhe von 3.999 Metern hoch und bestehen aus drei Vegetationsschichten – im unteren Teil Buschland, im mittleren Teil Bambuswald, im oberen Teil Moorland.

 

 

Der Besuch des Parks ist anspruchsvoll. Es gibt nur wenige Fahrspuren, die Strecken sind teilweise steil auf Naturgrund, und ohne Guide darf man gar nicht erst in den Nationalpark. Wer eine Safari wie in der Savanne erwartet, wo man große Tiere schon aus der Ferne ohne Probleme sieht, wird hier sicherlich nicht glücklich. Wer aber wachen Auges überraschende Einblicke bekommen möchte, ist hier perfekt aufgehoben. Selbst Elefanten können ein paar Meter neben einem im Buschland entschwinden oder plötzlich auftauchen. Auch seltenere und scheue Arten kann man zu Gesicht bekommen, weil die einen natürlich auch nicht aus der Ferne bereits sehen und verschwinden – allerdings können diese Ansichten auch mal nur wenige Sekunden dauern.

 

 

In den Aberdares Mountains kommen die extrem seltenen Östlichen Bongos, auch Bergbongos genannt, vor. Diese Tierart gibt es ausschließlich noch in Kenia, wahrscheinlich deutlich unter 200 Exemplaren in der freien Natur, die dazu noch räumlich getrennt sind in verschiedenen Parks. Zu ihrem Schutz wurden die Löwen aus dem Park gebracht, um die wenigen verbliebenen Tiere nicht noch zu gefährden – Leoparden gibt es aber weiterhin. Die Kerntierart der Aberdares sind aber die Elefanten, von denen etwa 2.000 dort leben. Es ist faszinierend zu sehen, auf welch steilem Terrain sich die Tiere bewegen und wie grün alles ist, obwohl jeder einzelne ganze Büsche ausreißt und vertilgt.

Olaf Goldbecker

Oktober-Kalenderbild: Großer Ameisenbär

Eine sehr interessante Tierart zeigt sich auf dem Oktober-Bild mit dem Großen Ameisenbär. Mit einem Bären hat die Tierart nichts zu tun – man vermutet, dass das Aufrichten für eine bessere Übersicht, die ähnlich aussieht wie beim Bären, zu dem Namen geführt hat. Die anderen Bestandteile des Namens sind dagegen treffend. Ameisen und Termiten sind die ausschließliche Nahrung des Ameisenbären, der als „Groß“ bezeichnet wird, weil er unter den Ameisenbären neben den Zwergameisenbären und den Tamanduas die größte Art darstellt.

 

Holt man etwas weiter in der Systematik aus, gehören die Ameisenbären zu den Nebengelenktieren, die sich durch zusätzliche Gelenke an der Wirbelsäule auszeichnen. Neben den Ameisenbären gehören die Faultiere und Gürteltiere zu dieser Überordnung, also alles Tiere, die in Südamerika beheimatet sind. Faultiere sind daher auch die nächsten Verwandten von Ameisenbären. Diese zusätzlichen Gelenke geben den Tieren besondere Fähigkeiten – das Gürteltiere kann sich einrollen, das Faultier kann sich vom Ast baumeln lassen und Ameisenbären können sich damit auf die Hinterbeine stellen, um zusätzliche Kraft für die mächtigen Krallen zu generieren.

 

Charakteristisch für den Großen Ameisenbären ist natürlich die lange Schnauze mit kleinem Mund, durch den sie ihre lange Zunge in einen Insektenbau zur Nahrungsaufnahme herausschnellen lassen können. Wichtig für die Tiere und auch Voraussetzung für die Mahlzeit sind allerdings auch die kräftigen Krallen, die sie benötigen, um den Bau überhaupt durchdringen zu können. Zähne braucht der Großen Ameisenbär daher nicht. Durch den langen und schmalen Kopf bleibt nicht viel Platz für ein Gehirn, weswegen die Tiere nicht gerade gedankenschnell und multitaskingfähig unterwegs sind. Sie sind aber immerhin so clever, dass sie Ameisenbauten nie leerfressen, um sicherzustellen, dass ihre Nahrungsquelle sich wieder vermehren kann und somit nicht versiegt.

 

Verglichen mit den anderen Vertretern der Ameisenbären ist der Große Ameisenbär der einzige Vertreter, der auf dem Boden bleibt und der seinen langen und buschigen Schwanz als Wärme- und Nässeschutz einsetzen kann.

 

Der Große Ameisenbär gilt als gefährdet wegen des Lebensraumverlusts durch aufkommende Landwirtschaft. Zwar ist er potentielle Beute von Raubtieren wie dem Jaguar oder Puma, aber zum einen bringt der schlanke und behaarte Ameisenbär nicht viel nahrhaftes Fleisch, dazu ist er äußerst wehrhaft mit seinen großen, scharfen Krallen in Verbindung mit sehr muskulösen Armen, so dass die Beutegreifer nach Möglichkeiten eher Abstand von einem Angriff nehmen. Von Menschen drohen dem Tier keine Angriffe, weil sein Fleisch vermutlich wegen seiner Nahrungsspezialisierung nicht als wohlschmeckend gilt. Die Nahrungsspezialisierung gibt aber auch gleichzeitig den Lebensraum vor. Wo intensiv Landwirtschaft betrieben wird, gibt es keine Ameisen und keine Termiten und damit auch keine Nahrung für den Ameisenbären.

 

Die Tiere sind strikte Einzelgänger, einzige Ausnahme sind die Weibchen mit ihrem kleinen Nachwuchs, den sie auf dem Rücken tragen. Mit spätestens einem Jahr wird das Baby entwöhnt und muss seines Weges ziehen. Als territorial lebende Tiere kann es vor allem zwischen Männchen zu heftigen Kämpfen kommen. Über die Lebenserwartung in freier Natur ist nichts bekannt, in menschlicher Obhut beträgt die Erwartung etwa 15 Jahre, wobei auch 25 Jahre im Ausnahmefall erreicht werden können.

 

Das Kalenderbild wurde aufgenommen im niederländischen ZooParc Overloon.

Olaf Goldbecker