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Angola-Giraffe – Namibia-Kalender, März

Im aufgeklärten 21. Jahrhundert sollte man eigentlich meinen, dass die Wissenschaft alles entschlüsselt hat. Aber weit gefehlt, nicht mal bei so großen Tieren wie Giraffen besteht Einigkeit wie man die Tiere einzuordnen hat. Folgt man der IUCN, gibt es eine Giraffenart mit neun Unterarten, von denen eine die hier abgebildete Angola-Giraffe ist. Im Jahr 2016 ergab dann eine Erbgutuntersuchung des Senckenberg-Instituts, dass die Giraffen deutlichere Unterschiede aufweisen. Von einer Art spricht man wenn verschiedene Unterarten sich miteinander paaren – bei einem Hybriden pro Generation ist es ein- und dieselbe Unterart. Bei Giraffen stellte man fest, dass maximal alle fünf Generationen ein Hybrid zur Welt kommt und so wurden die Giraffen in vier Arten eingeteilt. Folgt man dieser Einteilung handelt es sich auf dem Kalenderbild immer noch um eine Angola-Giraffe, die aber neben der Kap-Giraffe eine Unterart der Süd-Giraffe darstellt.

Sicher ist, dass wie auch immer man sie systematisch einordnet, es sich bei der Angola-Giraffe um eine der wenigen Giraffenarten handelt, die nicht gefährdet sind. Ausgestorben waren sie paradoxerweise allerdings in Angola bis man sie wieder künstlich angesiedelt hat. In Namibia kommt sie im Etosha Nationalpark sowie in privaten Wildlife-Reservaten vor. Man schätzt den wildlebenden Gesamtbestand der Angolagiraffe auf etwa 13.000 Tiere ein. In Zoos wird diese Unterart selten gehalten. In Deutschland ist der Zoo Dortmund mit einem relativ jungen Bullen und einer betagten Giraffenkuh der einzige Halter.

Das Foto wurde aufgenommen im Okonjati Wildreservat am Mount Etjo. Die Farben wurden nicht bearbeitet, die trockene Vegetation sorgt dafür, dass der Hintergrund grau erscheint und die Giraffe den Farbkontrast dazu liefert.

Im Folgenden noch einige andere Beispiele von Angola-Giraffenfotos aus verschiedenen Gegenden Namibias.

Olaf Goldbecker

Raubtier-Kalender, März: Eurasischer Luchs

Der Eurasische Luchs hat ein weites Verbreitungsgebiet, im Grunde von Norwegen bis China, und gilt mit etwa 70.000 Tieren auch nicht als gefährdet. Anders ist die Situation in Deutschland. Hier wurden Anfang 2018 77 Exemplare gezählt und die Art gilt als stark gefährdet.

Dass es überhaupt wieder lebende Tiere in Deutschland gibt, ist auch den Zoos und Tierparks zu verdanken, denn die Tiere siedelten von einzelnen Ausnahmen abgesehen nicht wie die Wölfe von allein wieder an. Es fanden und finden Auswilderungsprogramme statt mit Fokus auf dem Harz und dem Bayerischen Wald, wo auch die einzigen nachgewiesenen Reproduktionen festgestellt wurden. Ein neuer Versuch wird derzeit im Pfälzerwald gestartet. Wirklich ansteigende Populationszahlen kann man bislang aber nicht feststellen. Die Geburten werden durch Verluste wieder kompensiert. In erster Linie fallen die Tiere dem Straßenverkehr zum Opfer, aber auch Krankheitsfälle und illegale Tötungen sind ein ernstes Problem und so liegt die aktuelle Zahl in Deutschland bei 70-80 Tieren.  

In Deutschland müssen Rehe in erster Linie als Futter herhalten. Im Alpenraum sind es Gämsen und im Norden Rentiere. Von einem Tier lebt ein Luchs etwa fünf Tage lang. Ausgerottet wurde der Eurasische Luchs, der auch Nordluchs genannt wird, hierzulande seinerzeit wegen des Fells, als Nahrungskonkurrent und weil er Nutztiere fraß.

Der Luchs „Sieghard“ auf dem Kalenderblatt lebt seit Dezember 2016 im Tierpark Herford, wo er ein neu geschaffenes Gehege als Erstbesatz bewohnt. Geboren wurde er im hessischen Wildtierpark Edersee. Seit letztem Sommer ist er selbst Vater eines kleinen Katers – vielleicht wandert er oder Nachwuchs von ihm ja eines Tages auch durch die Wälder Deutschlands.

Olaf Goldbecker

Raubtier-Kalender, Februar: Amerikanischer Schwarzbär

Der im Februar gezeigte Schwarzbär ist in Nordamerika beheimatet und kommt von Alaska im Norden bis runter nach Mexiko vor. Entsprechend gehört er zu den nicht gefährdeten Tierarten. Geschätzt leben etwa 600.000 Schwarzbären, auch Baribals genannt, in der freien Natur. Einzige Ausnahme ist Mexiko, deren Population dort als gefährdet geführt ist. Im Vergleich zum in Nordamerika auch lebenden Grizzlybär ist der Schwarzbär deutlich kleiner und leichter.

Die meisten Schwarzbären halten Winterruhe, was jedoch vom Klima abhängt. Je südlicher und wärmer das Klima ist, desto eher kann der Bär auch auf seine Verschnaufpause verzichten. Als Allesfresser sind die Baribals anpassungsfähig. Pflanzen, Beeren und Insekten stehen ebenso auf dem Speiseplan wie kleine Säuger, Fische und Huftiere. Insbesondere Elch- und Hirschnachwuchs ist in großer Gefahr vor dem Schwarzbären. Da der Bär als Allesfresser auch die Reste von menschlichem Müll gebrauchen kann, ist in der nordamerikanischen Wildnis immer zu empfehlen, dass man keine Essensreste liegen lässt.

Da der Grizzlybär eine Ecke größer und schwerer ist, sollte der Schwarzbär Begegnungen tunlichst vermeiden. Ansonsten kann nur der Nachwuchs zur Beute anderer Karnivoren wie Wölfen oder Pumas werden. Zum Schutz können junge Baribals auf Bäume klettern, was ältere Schwarzbären nicht mehr schaffen. Die größte Gefahr für den Schwarzbären ist allerdings eindeutig der Mensch, denn zur Sportjagd werden um die 20.000 Tiere pro Jahr erlegt. Vermeintliche Tierfreunde, die die Bären füttern, erweisen den Tieren sozusagen einen Bärendienst, denn die einmal von Menschen angelockten Tiere werden zum Abschuss freigegeben, weil die Gefahr besteht, dass sie immer wieder zu den Menschen zurückkommen. Ein neuer Markt zur Tötung von Schwarzbären ist leider auch hier mal wieder Asien, wo man der Gallenflüssigkeit heilende Wirkung zuschreibt. 

Umgekehrt ist der Mensch für den Schwarzbären nicht unbedingt im Fokus. Zusammentreffen sollte man dennoch vermeiden, in einem Zeitraum von 80 Jahren sind 23 tödliche Unfälle mit Schwarzbären registriert worden. Wie auch bei anderen Raubtieren sind vor allem Kinder gefährdet, weil sie wegen der Größe und des Verhaltens als Beute angesehen werden könnten. Verletzungen durch Bären gab es häufiger – vor allem aber Selbstverschuldete wenn versucht wurde, wilde Bären zu füttern oder sie zu streicheln.

Der hier gezeigte Schwarzbär ist im Zoo Osnabrück zu sehen. Er wurde im Januar 2016 im niederländischen ZieZoo in Volkel unter dem Namen Tommy geboren und lebt seit Herbst 2017 mit seiner Wurfschwester Annika im Zoo Osnabrück, wo die beiden nach Sponsorenbeschluss in Theo und Lea umbenannt wurden.

Olaf Goldbecker

Februar-Bild, Namibia-Kalender: Südlicher Gelbschnabeltoko

Ein populärer Vogel bei den Einheimischen ist der Südliche Gelbschnabeltoko. Der Vertreter aus der Familie der Nashornvögel wird wegen seines gebogenen gelben Schnabels von den Einheimischen ‚Flying Banana‘ genannt. Oft sieht man den Vogel einfach durch die Luft gleiten und ist damit nicht nur durch den auffälligen Schnabel gut zu erkennen.

Bei seiner Nahrung ist der Vogel nicht wählerisch. Er kann Früchte, Samen und Insekten essen, aber kleine Säugetiere und Reptilien müssen vor ihm ebenfalls auf der Hut sein. Der lange Schnabel ist dabei für ihn ein elementares Werkzeug. Aufpassen muss allerdings auch der Gelbschnabeltoko, der seinerseits Beute darstellt für größere Greifvögel.

Auch wenn der Südliche Gelbschnabeltoko noch häufig ist und nicht zu den gefährdeten Arten gehört, liegen keine Erfahrungswerte über das Alter vor, das der Vogel in freier Natur erreicht. In Zoos kann ein Alter von 20 Jahren erreicht werden – auch dies ist in Europa allerdings theoretischer Natur, denn es gibt keinen Zoo auf diesem Kontinent, der dieses Tier überhaupt hält.

Olaf Goldbecker

Namibia-Kalender, Januar-Bild: Große Kudus

Der Große Kudu ist eine Antilopenart, die in Ost- und Südafrika vorkommt. Die auf dem Foto gezeigte Unterart ist ein Sambesi-Großkudu, die hier in der Nähe des Etosha Nationalparks aufgenommen wurde. In Namibia sagt man einfach nur ‚Kudu‘ zu dieser Art, denn der verwandte Kleine Kudu kommt nur in Ostafrika vor und ist wesentlich seltener.

Nach den Elenantilopen gelten die Großen Kudus als zweitgrößte Antilopenart. Eine Herde wird angeführt von einem imposanten Männchen, das mit seinem geschwungenen Geweih leicht zu erkennen und erheblich größer und schwerer ist als die Weibchen. Da der Bock auf die Herde aufpassen und sie nicht nur gegen Feinde, sondern auch gegen andere männliche Artgenossen verteidigen muss, die seine Position einnehmen wollen, werden sie in freier Wildbahn normalerweise weniger als zehn Jahre alt, während die Weibchen bis zu 15 Jahre alt werden können.

Feinde für die Tierart sind im Grunde nur Löwen und Leoparden. Lediglich der Nachwuchs kann ins Visier von Wildhunden und kleineren Angreifern geraten. So ist der Bestand der Großen Kudus auch ziemlich konstant, die Tierart aus der Familie der Waldböcke gilt als nicht gefährdet.

In Zoos können Große Kudus auch ein Alter von 20 Jahren erreichen. Bei den Zoos, die den Raubtierkalender unterstützen, finden sich Große Kudus in Gelsenkirchen, Hamburg und Osnabrück.

Großer Kudu im Zoo Osnabrück
Großes Kudu Männchen im Zoo Duisburg (kein aktueller Halter mehr)
Olaf Goldbecker

Raubtier-Kalender, Januar-Motiv: Europäischer Seehund

Der ein oder andere wird sich wundern, warum man denn einen Seehund im Raubtierkalender findet. Ein typischer Vertreter  ist er sicher nicht, aber er gehört wie alle Robben zu den Hundeartigen und ist damit ein Raubtier. Dabei hat das namensgebende germanische Wort Selha weder etwas mit dem Wort „See“ noch mit dem Wort „Hund“ zu tun, sondern heißt schlicht ‚Robbe‘.

Seehunde finden sich sowohl im Atlantik wie auch im Pazifik. Die Tierart findet man bekanntlich in Deutschland an der Nordseeküste, wenige Tiere gibt es auch in der Ostsee. Etwa 20% der weltweiten Seehundpopulation von einer halben Million Tieren findet sich in Europa. Dabei war der Bestand zwischenzeitlich schon mal ins Wanken geraten. Ab Ende des 19. Jahrhunderts redete man sich ein, dass der Seehund ein Nahrungskonkurrent sei, den es zu vernichten galt. Erst seit den 1970er Jahren ist die Jagd in Deutschland verboten. Weltweit gilt die Art heute nicht als gefährdet. Speziell in Deutschland werden Seehunde allerdings als gefährdet angesehen und sind geschützt.

Die meisten haben schon mal Sandbänke gesehen, wo die Seehunde in Gruppen liegen und sich ausruhen. Grundsätzlich aber sind es Einzelgänger, die auch an Land eher mit Sicherheitsabstand zueinander liegen und keinen zu engen Kontakt zu Artgenossen mögen. Die Paarung geschieht in den Sommermonaten und ist ein ziemlich unromantischer Akt, bei dem mehrere Männchen das sich wehrende Weibchen bedrängen bis einer Erfolg hat und sich fortpflanzen kann. Das Männchen hat dann seinen Job getan und kümmert sich weder um Weibchen noch um seinen Nachwuchs.

Die Meeresbewohner können ziemlich alt werden. Männchen schaffen bis 25 Jahre, Weibchen können zehn Jahre älter werden. Die hier gezeigte Art ist ein Ostatlantischer Seehund, auch Europäischer Seehund genannt, aus dem NaturZoo Rheine. Neben dem Zoo in Rheine finden sich Seehunde bei unseren Unterstützerzoos auch in Duisburg, Frankfurt und Osnabrück.

Olaf Goldbecker

Das Dezember Modell: Lisztaffe

Der kleine Krallenaffe ist wahrlich sehr auffällig mit seiner Frisur. Ob er wie im Deutschen nach der Frisur des Komponisten Franz Liszt benannt wird, oder wie im Englischen nach der Baumwollpflanze (Cotton Top Tamarin) – beides scheint sehr zutreffend zu sein. Zu unterscheiden ist er damit von anderen Affenarten sehr einfach. Das hier gezeigte Exemplare lebt im Zoo Osnabrück und wurde 2006 dort geboren.

 

Die Heimat des Lisztaffen sind die Wälder Nordwest-Kolumbiens. Es lebt ein monogames Paar mit seinem Nachwuchs zusammen in Kleingruppen von weniger als zehn Tieren. Der Vater trägt den Nachwuchs auf dem Rücken und gibt ihn nur zum Säugen zur Mutter zurück. Die familiäre Ausprägung kennen auch Zoos, denn der Lisztaffe attackiert so ziemlich alles, was er als Bedrohung für seine Familienbande ansieht.

 

Es gibt nur noch 6.000 Tiere in freier Wildbahn, die Lisztaffen sind vom Aussterben bedroht, der Rückgang in den letzten 20 Jahren betrug über 80% der Gesamtpopulation. Hauptgrund ist die fortschreitende Zerstörung des Lebensraums wegen der Ausbreitung der Menschen und des damit verbundenen Anstiegs der Landwirtschaft. Dazu werden Lisztaffen als Haustiere gefangen

 

Die Zoopopulation ist hingegen relativ groß, weil die kleinen Krallenaffen verhältnismäßig einfach gehalten werden können. Um die Tiere in der Natur kümmert sich das Proyecto Titi, das den Regenwald aufrecht erhält und die Bevölkerung bildet. Allein in den letzten beiden Jahren wurden 160 Hektar Regenwald gesichert. Mehr Informationen findet man auf www.proyectotiti.com

 

Unter unseren Unterstützerzoos findet man Lisztaffen neben Osnabrück in Aachen, Braunschweig, Detmold-Heiligenkirchen, Köln, Rheine und Barcelona.

 

Olaf Goldbecker

Die Tierwelt Namibias

Was ist zu erwarten im Kalender „Wildlife Namibia“? Die Wildnis Namibias ist gekennzeichnet durch das Wüstenklima des Landes. Fast alles außerhalb des Caprivi-Zipfels im Norden und der Atlantikküste ist trockenes Land ohne reichhaltige Bepflanzung. Am Bekanntesten ist der Etosha Nationalpark, ansonsten spielt sich das Tierleben hauptsächlich im Caprivi-Streifen und auf privaten Wildlife Farmen ab.

Abgesehen vom Seebären, dem am häufigsten vorkommenden Säugetier des Staats, ist die größte Population an Säugetieren bei den Huftieren zu suchen. Mit Abstand am meisten existieren Springböcke (730.000) ungefähr so viele wie Spießböcke und Große Kudus zusammen, die den nächstgrößeren Bestand darstellen. Warzenschweine kommen etwa halb so viel wie Kudus vor, auch von den Kuhantilopen existieren über 100.000 Exemplare.

Spezieller wird es bei der Tierart, die am meisten unter 100.000 Exemplaren vorkommt, den Hartmann-Bergzebras mit 72.000 Tieren. Die Tierart ist dennoch gefährdet, weil dies nahezu der komplette Bestand ist. Alle andere Arten tauchen erheblich seltener in Namibia auf. Die Elenantilope ist etwa halb so häufig. Etwa gleich viel sind dagegen das Burchell-Steppenzebra mit erstaunlich niedrigen 25.000 Exemplaren, weil man diese Art im Etosha Nationalpark häufig sieht, und die Streifengnus. In dieser Größenordnung gibt es auch Elefanten. Angola-Giraffen kommen etwa 15.000 Mal im Land vor, die Gewöhnlichen Impalas ebenso. Die Schwarznasen-Impalas sind dagegen vom Aussterben bedroht und die 3.300 Tiere in Namibia sind fast der komplette Bestand weltweit .

Mehr über die einzelnen Tierarten gibt es jeweils im Zusammenhang mit den einzelnen Kalenderblättern zu Beginn jedes Monats.

Olaf Goldbecker

Raubtiere – Allgemeine Informationen

Raubtiere zu klassifizieren ist zunächst einmal ganz einfach. Man muss nur an die bekannte Haustierfrage denken und die Personen in Katzen- oder Hundetypen einteilen und schon hat man die beiden grundsätzlichen Kategorien beisammen: Hunde- und Katzenartige, mehr gibt es nicht.

Dass die Familie der Hundeartigen die eigentlichen Hunde beinhaltet, ist wenig überraschend. Dass die Bären dazu gehören, dürften viele auch noch wissen. Darüber hinaus muss man noch die Marder mit einbeziehen, und die größte Überraschung dürften die Robben sein, die die Meisten auf Anhieb wohl nicht zu den Hunden zählen würden. Die Gruppe der Katzenartigen ist vielschichtiger. Neben den eigentlichen Katzen sind sicherlich die Hyänen und Mangusten bekannt, aber Pardelroller, Schleichkatzen, Madagassische Raubtiere und Linsangs sind wohl eher wenigen ein Begriff.

Beim Menschen sind die in der Natur lebenden Raubtiere nicht sehr beliebt. Sie sind Nahrungskonkurrenten und wurden daher schon immer bejagt. Auf Lateinisch heißen die Raubtiere Carnivoren, was Fleischverschlinger bedeutet. Allerdings sind nicht alle Raubtiere reine Fleischfresser, es gibt auch Pflanzen- und Allesfresser unter ihnen wenn man an die Familie der Bären denkt.

Im Verlauf des Jahres 2019 stellen wir die Karnivoren anlässlich des Kalenders „Raubtiere 2019“ näher vor.

Einige Beispiele von Raubtieren seht ihr in der Galerie

Olaf Goldbecker

Der „Herr der Drills“ in Zoos – Interview mit Zuchtbuchführer Carsten Zehrer

Seit vielen Jahren nehmen Zoos von Ausnahmen abgesehen keine Tiere mehr aus der Natur auf. Dies macht eine Zusammenarbeit unter den Zoos nötig. Die Tiere „gehören“ nicht mehr einzelnen Zoos, sondern werden international verteilt. Bei den Drills kümmert sich Zookurator Carsten Zehrer vom Tierpark Hellabrunn sowohl um das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) wie auch um das Internationale Zuchtbuch (ISB). Mit ihm unterhielt sich Charity Kalender anlässlich des Engagements um diese Tierart:

Herr Zehrer, Sie führen das internationale Zuchtbuch und koordinieren das Europäische Erhaltungszuchtprogramm für den Drill. Wie sind Sie zu dieser Aufgabe gekommen?

Beide Programme waren früher im Erlebnis-Zoo Hannover angesiedelt und wurden dort vom Stellvertretenden Zoologischen Leiter, Dr. Andreas Knieriem, verantwortet. Der Zoo Hannover hat bei der Erhaltungszucht der Drills in menschlicher Obhut schon vor 30 Jahren eine große Rolle gespielt. Mit dem Wechsel von Dr. Knieriem in den Münchner Tierpark Hellabrunn im Jahr 2009 kamen kurze Zeit später auch das Zuchtbuch sowie das EEP nach München, nachdem auch Hellabrunn mit der Pflege von Drills begonnen hatte und ich habe die Aufgaben übernommen. Da ich früher auch im Zoo Hannover beschäftigt war und Drills schon „von klein auf“ kenne, hat mich dies sehr gereizt.

Welchen Umfang in der alltäglichen Arbeit umfasst das Führen des Zuchtbuchs?

Das ist ganz unterschiedlich und hängt auch sehr davon ab, ob es bei einem Zoo, der Drills pflegt, in der dortigen Gruppe Probleme gibt, so dass z. B. ein Tier dringend in einen anderen Park vermittelt werden muss. Im Schnitt sind es etwa zwei Stunden wöchentlich.

Wie ist die aktuelle Situation bei den Drills in den Zoos, auch in Vergleich mit früheren Jahren?

Der Drillbestand innerhalb des EEP ist in den letzten Jahren langsam aber stetig immer weiter gewachsen auf aktuell knapp 90 Tiere. Auch die Anzahl der Zoos, die Drills pflegen, hat sich erhöht. Das ist beides eine sehr erfreuliche Entwicklung.

Angenommen, ein Zoo kontaktiert Sie und möchte Drills halten – was muss der Zoo mitbringen / was muss er mitbringen, damit er Drills halten darf und würde er schnell Tiere zugewiesen bekommen oder gibt es eine Wartezeit?

Ein Zoo, der sich bei mir meldet und mit Drills neu beginnen möchte, muss zunächst Pläne und Fotos der Anlage übermitteln, die dann bewertet werden, um ggf. noch notwendige Veränderungen aufzeigen zu können. Eine längere Wartezeit gibt es normalerweise nicht. Da wir im EEP immer wieder das Problem mit jungen Männchen haben, die in ihrer Geburtsgruppe Schwierigkeiten mit ihrem Vater bekommen, beginnen solche neuen Institutionen zunächst häufig mit einer jungen Männergruppe.

Inwieweit kann man als Zuchtbuchführer die Geschicke der Tierart in zoologischer Haltung beeinflussen? Verfolgen Sie bestimmte Ziele oder sind können Sie quasi nur auf die Geschehnisse in den einzelnen Zoos reagieren?

Beides. Als Zuchtbuchführer bzw. Koordinator eines Zuchtprogramms leitet man quasi die Partnervermittlung für die entsprechende Tierart. Grundlage ist dabei immer ein Zuchtbuch, das die Abstammung wie in einer Ahnentafel enthält. Das Ziel ist immer eine gesunde, stabile und möglichst nicht miteinander verwandte Population in menschlicher Obhut aufzubauen bzw. zu erhalten. Dazu werden sogenannte Empfehlungen festgelegt, welche Tiere züchten und auch welche Tiere in andere Zoos reisen sollten.

Gibt es eine Zusammenarbeit der Zoos mit Stationen in Nigeria und Kamerun, wo die Tiere in der Natur vorkommen?

Es gibt über den Verein „Rettet den Drill“ eine sehr enge Zusammenarbeit mit den drei Stationen der Organisation „Pandrillus“ in Nigeria bzw. Kamerun. Viele Zoos, die Drills pflegen, sind Mitglied bei „Rettet den Drill“. Die Unterstützung passiert nicht nur auf finanzieller Basis, sondern auch z. B. mit dem Transport von Dienstkleidung oder Verbandsmaterial bzw. Medikamenten für Drills von Europa nach Westafrika. Das Ziel, was Rettet den Drill und auch die Drill zeigenden Zoos verfolgen, ist, diese Affenart und Ihre Bedrohungsursachen in Europa bekannt zu machen sowie die Erhaltung des Drills in seinem natürlichen Lebensraum.

Info: der Drill wird aktuell in 17 europäischen Zoos gehalten, darunter sechsmal in Deutschland (Hannover, München, Osnabrück, Saarbrücken, Stuttgart und Wuppertal). In Japan und in den USA ist gar nur ein Drill-haltender Zoo vorhanden. Mit unter 100 Tieren in Zoos ist die Rückhaltebasis für die in der Natur stark gefährdete Tierart bislang noch nicht stark ausgeprägt und Zuchterfolge umso wichtiger.

Olaf Goldbecker

‚Rettet den Drill‘-Vorsitzende Kathrin Paulsen im Interview

Von der ersten Charity-Kalender Aktion „Primaten 2018“ erhielt der Artenschutzverein ‚Rettet den Drill‘ etwa 530 Euro. Vorsitzende des Vereins ist Kathrin Paulsen, von Beruf Tierpflegerin. Mit ihr sprachen wir anlässlich der neuen Kalenderaktion über den Verein.

 

Charity-Kalender: Zum zweiten Mal unterstützt Charity-Kalender Rettet den Drill – was hat der Verein mit den Einnahmen aus dem ersten Jahr veranstaltet?

Kathrin Paulsen: Die Einnahmen aus der Kalenderaktion sind direkt an die Auffangaststationen für Drills in Nigeria und Kamerun gegangen. Dort werden davon Futter für die Tiere, aber auch die Gehälter für die Tierpfleger vor Ort bezahlt.

 

CK: Was gibt es zur Entwicklung der Drill-Situation in den letzten zwölf Monaten zu sagen?

KP: Mit Hilfe vieler Gelder, Mitgliedsbeiträgen und Spenden – unter anderem auch aus der Kalenderaktion konnte besonders die Drillstation in den Afi Mountains in Nigeria weiter am Leben erhalten werden. Somit wurde Zeit gewonnen sich auch vor Ort um weitere Sponsoren zu bemühen. In Kamerun kann zum Beispiel die Umgestaltung des großen Drillgeheges mit vielen neuen Rückzugmöglichkeiten sowie weiteren Schattenplätzen weiter vorgenommen werden.

 

CK: Als Zootierpfleger haben Sie einen tierreichen und anstrengenden Alltag. Wie viel Zeit nimmt die Arbeit für den Verein darüber hinaus ein?

KP: Viel! Manchmal sogar ganze Tage, besonders wenn ich Vorträge oder Sitzungen vorbereite. Aber der Erfolg unseres Vereins macht das wieder wett!

 

CK: Welche Unterstützung erfährst du von deinem Arbeitgeber, dem Zoo Hannover, für Rettet den Verein?

KP: Auf der einen Seite ist das die finanzielle Unterstützung. Aber insbesondere wird auch durch die neue Anlage „Afi Mountain“ auf dem Lehrpfad auf unsere Arbeit hingewiesen. Dazu erhalte ich regelmäßig Freistellungen wie jetzt gerade für den internationalen Tierpflegerkongress in Buenos Aires, wo ich einen Vortrag über Drills gehalten habe. Auch sonst ist der Zoo sehr daran interessiert, die Arbeit des Vereins durch die Medien bekannt zu machen.

 

CK: Wie breit ist der Verein aufgestellt, wieviel Unterstützung bekommst du von anderer Seite?

KP: Der Verein hat nicht nur einen aktiven Vorstand, sondern zeichnet sich besonders durch die Aktionen unserer Mitglieder aus. Inzwischen sind wir über 160 Mitglieder aus den verschiedensten Berufsgruppen.

 

CK: Wie oft konntest du dir schon ein Bild vor Ort in Namibia und Kamerun machen, was waren deine Eindrücke?

KP: Ich war bereits dreimal im Kamerun und einmal in Nigeria. Besonders beeindruckt hat mich das Engagement der Mitarbeiter vor Ort – sei es das Management oder auch die Tierpfleger – und natürlich der Eindruck, so viele Drills zu sehen.

 

Info: Rettet den Drill ist ein aus Privatinitiative von Zootierpflegern gegründeter Verein, der sich um den Erhalt des Drills kümmert. Die in Kamerun und Nigeria heimische Affenart ist stark bedroht. Rettet den Drill sammelt in Deutschland Gelder und unterstützt die Auffangstationen in Afrika, die wiederum Rechenschaft für die Mittelverwendung ablegen müssen.

 

Olaf Goldbecker

Das Namibia-Kalender Cover: der afrikanische Steppenelefant

Die Elefantenherde auf dem Cover vergnügte sich an einem Wasserloch im namibischen Etosha Nationalpark. In der staubtrockenen Wüstenlandschaft Namibias sind diese Trink- und Badestellen die Topgelegenheiten, um Wildtiere zu beobachten. Wenn man das Glück hat, dass dort eine ganze Elefantenherde Rast macht, kann man ein spektakuläres Schauspiel beobachten.

In Namibia leben nach letzter Einschätzung etwa 22.000 von insgesamt etwa 350.000 afrikanischen Elefanten, die es derzeit noch gibt. Die Gesamtanzahl ist nicht wenig, weswegen die Gefährdungslage 2004 von stark gefährdet auf gefährdet zurückgestuft wurde, allerdings reduzierte sich der Bestand seitdem um satte 30 Prozent. Schaut man sich die Afrika-Karte an, stellt man fest, dass Elefanten sehr versprengt verteilt sind – man kann ihn also in vielen Ländern sehen, aber die einzelnen Populationen sind meist auf Nationalparks begrenzt und genetischer Austausch kann so kaum noch stattfinden.

Um die Fähigkeiten und Lebensweisen von Elefanten ranken sich einige Gerüchte. Von Höchstgeschwindigkeiten von 40 Stundenkilometern und 80 Kilometern Laufstrecke ist gelegentlich die Rede, aber dies hat nichts mit der Normalität zu tun, sondern sind seltene Extremfälle. Üblicherweise laufen die größten Landsäugetiere der Welt etwa 12 Kilometer am Tag, sprich einen halben Kilometer pro Stunde. Ausschlaggebend für die Laufstrecke ist nicht das pure Laufvergnügen, sondern schlicht die Frage wie viel Futter und Wasser vorhanden ist bei etwa jeweils 150 Kilogramm, die ein Elefant am Tag verbraucht. Je trockener das Land, desto mehr muss das Tier folglich zurücklegen. Im üppigen Grün wird man dagegen Elefanten auch stundenlang an einem Ort sehen können.

Feinde in der Natur hat der Elefant nicht, lediglich Jungtiere können von Löwen erlegt werden. Hauptsächlich macht ihm der Mensch zu schaffen durch die Jagd auf das wertvolle Elfenbein oder durch Konflikte mit der Bevölkerung durch die zunehmende Ausdehnung der Population auf das Land.

Olaf Goldbecker

November-Model: Husarenaffe

Man kann die Größe des kleinen Babys erahnen wenn man den Grashalm, an dem es sich festhält, in Relation setzt. Der kleine Husarenaffe aus dem Tierpark Hamm ist inzwischen zwei Jahre alt und hat zwei kleinere Geschwister. Die Männchen werden im Alter von 4-5 Jahren geschlechtsreif, die Weibchen mit 2-3 Jahren – spätestens dann wird das Baby den Zoo verlassen müssen.

Häufig wir die afrikanische Primatenart nicht in deutschen Zoos gehalten, aber gefährdet ist sie in freier Natur nicht, auch wenn sie wegen ihres Fleisches gejagt werden. Im traditionellen Volksglauben wird angenommen, dass der Verzehr des Fleisches gegen Lepra hilft.

Die Husarenaffen gehören zu den Meerkatzenartigen und sind hauptsächlich Bodenbewohner, die vornehmlich zum Schlafen auf die Bäume steigen. In reinen Baumgebieten kommen sie nicht vor, denn dies behagt ihnen nicht. Sie sind eine friedliche Affenart, die nicht die besten Kletterer sind und statt zu kämpfen lieber auf ihre Geschwindigkeit setzen. Mit 55 km/h sind sie die schnellste Primatenart.

Wenn der kleine Husarenaffe mal ausgewachsen ist, wird der Kopf rötlich gefärbt sein. Da die Husaren schnell unterwegs waren und einen Rotanteil in der Kopfbedeckung hatten, wurden die Primaten nach ihnen benannt.

Bei den Unterstützern des Primatenkalenders kann man diese Primatenart außer in Hamm nur im Zoo Barcelona ansehen.

Olaf Goldbecker

Das Schwarzfußkatzenprojekt

Eines der beiden begünstigten Projekte vom Charity Kalender in diesem Jahr ist das Schwarzfußkatzenprojekt. Was aber verbirgt sich dahinter? Eine Fahrt nach Köln zum Dr Alexander Sliwa, Leiter dieses Projekts, sollte Aufschluss darüber geben.

Wie wird man Spezialist für eine Tierart, die es in europäischen Zoos überhaupt nicht zu sehen gibt? Diese Frage begleitete mich auf dem Weg zu Dr Sliwa, von Beruf Kurator im Kölner Zoo, und gleichzeitig Begründer und Leiter des Schwarzfußkatzenprojekts in Südafrika. Dass Zoomitarbeiter sich auch für die freilebenden Tieren interessieren, ist normal, vor allem aber entwickeln sie Interesse an den eigenen Zöglingen. Wie kommt man aber auf eine Katzenart, die nahezu unbekannt ist!?

Das Interesse an der Natur ist bei Alexander Sliwa in die Wiege gelegt. Beide Eltern waren naturbegeistert und so war der Werdegang vorgezeichnet. Das Interesse war aber zunächst nicht so sehr an Zoos, sondern die Richtung sollte in Freilandprojekte gehen. Einen Großteil der Jugend hat Sliwa in Japan verbracht, vielleicht auch ein Fingerzeig hin zum Internationalen. Die Uniausbildung fand in den USA, an der FU Berlin und in Südafrika statt.

Für die Diplomarbeit ging der Weg über einen Zoo ins Freiland. Durch einen Besuch bei den Schwiegereltern kam Sliwa in Kontakt mit dem Zoo Wuppertal, der zu diesem Zeitpunkt nicht weniger als zwanzig Schwarzfußkatzen beheimatete. Die Aussage des Zoodirektors, dass man diese Tiere aus eigener Erfahrung nie in der Wildnis entdecken würde, geriet zur Herausforderung in den frühen 90er Jahren. Eine Herausforderung, die gemeistert werden konnte, 1993 ging es in Südafrika ans Projekt Schwarzfußkatze. Schon seit 1994 gehört Sliwa zur Gruppe der Katzenspezialisten der IUCN.

So ganz passt die anfangs getroffene Aussage also nicht, es gab Schwarzfußkatzen in Zoos und auch dadurch kam das Interesse an der Tierart zustande. Vor fünf Jahren ist das letzte Tier in Europa verstorben. In Nordamerika leben derzeit 45 Tiere in 18 verschiedenen Zoos.

Die reine Feldarbeit gab Sliwa 1998 der Familie wegen auf und ging 1999 an den Zoo Wuppertal, ehe 2007 der Wechsel nach Köln folgte. Die Reiseaktivitäten sind als Kurator am Zoo keineswegs eingestellt, auch wenn er von Köln aus die internationalen Zuchtbücher für die Oman-Falbkatze und die Bartaffen führt. Seit 2008 leitet er das Schwarzfußkatzenprojekt. Die Unterstützung erfolgt wie meist bei solchen Projekten durch Zoos, in dem Fall hauptsächlich aus den USA.

In Südafrika wurden viele Katzen mit Sendern ausgestattet, um ihre Wege zu verfolgen und ihre Lebensweise verstehen zu können. Nur so kann man Erkenntnisse über den Bestand gewinnen und der Tierart letztlich helfen. Der Bestand der Schwarzfußkatze ist als gefährdet gelistet. Die kleinste Katzenart Afrikas bekommt ein- bis zweimal im Jahr Nachwuchs und im Schnitt überlebt eines der Tiere aus dem Wurf. Im Jugendalter und vor allem wenn sie erwachsen werden und gerade ihre ersten eigenen Schritte machen, laufen sie Gefahr zur Beute zu werden, weswegen der Bestand sich auch nicht erhöht. An mangelnder Jagdfähigkeit liegt es jedenfalls nicht, dass die Anzahl der Tiere nicht wächst, denn die Schwarzfußkatze gilt als eine der erfolgreichsten Jäger. Freilich sind die Beutetiere bei der Größe der Katzen auch eher kleine, aber dafür umso wendigere Säuger.

Von den generierten Geldern wird eine Person finanziert, die vor Ort die Feldarbeit übernimmt. Ein amerikanischer Zoo stellt dabei großzügigerweise das Fahrzeug. Die Tätigkeit ist ziemlich einsam, denn die Schwarzfußkatze lebt in Trockengebieten fernab der Bevölkerung. Die größte menschliche Gefahr geht daher auch von Farmern aus, die nur die Augen der Katze leuchten sehen und nicht wissen, mit welchem Beutegreifer sie es zu tun haben und zur Vorsicht schießen. Die Aufklärung der lokalen Bevölkerung ist auch ein Job, den das Schwarzfußkatzenprojekt sich auf die Fahne geschrieben hat. Eines der nächsten Ziele des Projekts ist die Ausweitung der Forschung auf Namibia.

Schwarzfußkatze – Black-footed cat – Felis nigripes – Copyright Dr Alexander Sliwa

Schwarzfußkatze – Black-footed cat – Felis nigripes – Copyright Dr Alexander Sliwa

Olaf Goldbecker

Raubtiere-Cover 2019: Eisbären Nanuq und Sprinter

Nanuq und Sprinter heißen die beiden Hauptdarsteller des Coverfotos von „Raubtiere 2019“. Entstanden ist das Bild auf der hervorragenden Eisbärenanlage des Erlebniszoos Hannover. Die zwei männlichen Eisbären lebten zur Zeit der Aufnahme alleine auf der Anlage und testeten ihre Kräfte spielerisch im Wettstreit. Beide Tiere wurden 2007 geboren und leben seit 2010 in Hannover. Nanuq ist gebürtiger Österreicher aus Wien, während Sprinter im niederländischen Rhenen zur Welt kam. Mittlerweile hat sich ihre Situation geändert. Seit 2017 lebt die russische Eisbärendame Milana noch in Hannover und soll sich ihren Traumprinzen aus den beiden aussuchen.

Ein grundsätzliches Problem des als gefährdet gelisteten Eisbären in der Natur ist bekanntlich die globale Erwärmung. Der Ruf gerade des amerikanischen Präsidentendarstellers nach Förderung von Erdöl in der Arktis ist eine zweite große Bedrohung für den Eisbären, denn es würde nicht nur Lebensraum genommen, sondern mit der Ansiedlung von Arbeitern eine Konfliktsituation künstlich geschaffen. Im Gegensatz zu allen anderen Bären sieht der Eisbär den Menschen nämlich als Beute an und würde angreifen, was wiederum eine hohe Zahl an erschossenen Bären zur Folge hätte. Das Abschießen von Eisbären ist in Kanada und Grönland mit gewissen Quoten übrigens nach wie vor gestattet.

Der Eisbär ist eng mit dem Braunbären verwandt, was sich auch daran zeigt, dass die beiden sich miteinander verpaaren können. Dies ist nicht nur als Unfall im Zoo Osnabrück passiert, sondern häuft sich auch in der Natur, da Braunbären durch das wärmere Klima sich immer weiter in den Norden ausdehnen und dort auf Eisbären treffen. Die kalten Temperaturen der Arktis benötigt der Eisbär hingegen nicht unbedingt – auch in Alaska werden es im Sommer über 20 Grad Celsius – an das Eis angepasst ist er hauptsächlich für die Beutejagd. Die fetthaltigen Robben sind bevorzugtes Ziel und da sie im Wasser keine Chance auf eine erfolgreiche Jagd haben, benötigen sie die Löcher in der Eisdecke, die von den Robben genutzt werden, um Luft zu tanken. Zu erfolgreichen Jagdzeiten können sich Eisbären ein dickes Polster anfressen, von dem sie zur Not wochenlang zehren können.

Andere Tierarten profitieren übrigens immens von der Arbeit der weißen Bären, denn sie verzehren nur Haut und Fett, während andere Fleischfresser wie Polarfüchse sich über den Rest hermachen. Die kleinen Füchse müssen aber trotzdem vorsichtig sein, denn grundsätzlich fressen Eisbären alles, selbst der eigene Eisbärennachwuchs ist außer vor der Mutter vor niemandem sicher. Jedoch sind schnelle Tiere grundsätzlich im Vorteil, denn mehr als einen kurzen Sprint schaffen Eisbären nicht, sie sind gewöhnlich eher im Schritttempo unterwegs.

In der freien Natur können Eisbären maximal 25-30 Jahre alt werden, wobei die meisten das Alter von 20 Jahre nicht erreichen. In Zoos gilt 30 als hohes Alter, wenngleich die Tiere dort bis zu 45 Jahren alt werden können. Wegen der hohen Haltungsanforderungen werden Eisbären nicht mehr so häufig in Zoos gezeigt. Empfehlenswerte Anlagen bei unseren Unterstützerzoos gibt es neben Hannover auch in Emmen und Gelsenkirchen.

Olaf Goldbecker

Das Oktober-Model: Bolivianischer Totenkopfaffe

Totenkopfaffen gehören dank Pippi Langstrumpfs Herr Nilsson zu den bekanntesten Affenarten der Welt. Dabei „profitierte“ die Art von der Filmfassung, denn Astrid Lindgren hatte ihrer Hauptfigur in den Büchern eine Meerkatze zur Seite gestellt. Ende der 60er und in den 70er als die Filme gedreht wurden, hielt man gelegentlich Totenkopfaffen in Haushalten entgegen ihrer Natur alleine, bekam sie dadurch zahm und konnte sie besser für einen Film gebrauchen als Meerkatzen. In freier Natur bestehen die Gruppen aus 50 und mehr Tieren.

Die Totenkopfaffen gehören mit den Kapuzineraffen zur Familie der Kapuzinerartigen. Die Totenkopfaffen teilen sich in acht Untergruppen auf. Wir beschäftigen uns mit der Art, die auf dem Foto aus Apeldoorn zu sehen ist, den Bolivianischen Totenkopfaffen. Im dortigen Affenpark „Apenheul“ leben die Tiere auch in der entsprechenden Gruppenzahl frei im Waldstück, durch das die Gäste als Besucher durchgehen.

Was ihn von anderen Totenkopfaffen unterscheidet, ist die dunklere Kopffärbung, die bei Weibchen schwarz und bei Männchen grau ist. Auf dem Foto handelt es sich folglich um ein Weibchen. Die weiße Umrandung um die Augen ist bei der bolivianischen Unterart rundlicher als bei anderen Subspezies. Entgegen ihrem Namen kommen sie nicht nur in Bolivien, sondern auch in Peru und Teilen von Brasilien vor.

Tonangebend unter den Totenkopfaffen sind die Weibchen, die in ihrer Gruppe bleiben, während die Männchen mit Eintritt in die Geschlechtsreife mit 2-3 Jahren ihren Familienverbund verlassen und sich einer Junggesellengruppe anschließen. Gefahr droht dem Bolivianischen Totenkopfaffen durch Jagd auf ihr Fleisch und immer noch durch den Fang als Heimtiere, aber gefährdet ist die Art nach aktuellem Stand nicht.

Unter den Zoos, die den Primatenkalender unterstützt haben, findet man den Bolivianischen Totenkopfaffen außer in Apenheul noch in Aachen, Detmold-Heiligenkirchen, Nürnberg, Osnabrück und Overloon. Wer vergleichen möchte, findet den Gewöhnlichen Totenkopfaffen in Braunschweig und Dortmund.

Olaf Goldbecker

Weltnashorntag: Aussterben für Hokuspokus-Glauben

Fünf Nashornarten existieren weltweit noch. Die bekanntesten zwei in Afrika mit dem Spitz- und dem Breitmaulnashorn. In Asien ist das Panzernashorn noch geläufig, das Java- und Sumatranashorn dagegen schon deutlich weniger. Der Grund ist recht banal: es gibt sie nicht in europäischen Zoos und damit fehlt es an Bekanntheit.

Das Javanashorn existiert kaum noch. Etwa 40-60 Exemplare wurden zuletzt gesichtet. Ein Schutzprogramm ist auferlegt, um die Art noch retten zu können. Nicht viel besser steht es um das Sumatra-Nashorn, von dem noch etwa 200 Tiere leben. Das Panzernashorn ist in Indien etwas besser geschützt und mit 3.000 verbliebenen Exemplaren das noch am Häufigsten anzutreffende Nashorn Asiens. Das afrikanische Spitzmaulnashorn kommt in acht Unterarten vor, von denen fünf aber bereits ausgestorben sind. Am meisten Exemplare existieren mit etwa 20.000 vom südlichen Breitmaulnashorn, während vom nördlichen Breitmaulnashorn die letzten beiden Tiere in Kenia auf dem Privatgelände der Ol Pejeta Conservancy ohne Chance auf Nachwuchs leben.

Heute das größte Problem der Tiere ist der ostasiatische Hokuspokus-Glaube, dass das Horn des Nashorns zum einen krebsheilende Wirkung hätte, zum anderen wird es als Potenzmittel verkauft. Schön, wer daran glaubt, aber das Horn besteht aus Keratin – genauso gut könnten die ostasiatischen Wunderheiler ihre Fingernägel und Haare in die Medizin schnipsen. Da die traditionelle Medizin das aber nicht glaubt und es obendrein ein lukratives Geschäft ist, wird weiter ohne Rücksicht auf Verluste und frei jeglicher menschlicher Vernunft gewildert.

Resultat ist, dass Nashörner im Grunde nur noch unter kompletter Bewachung eine Überlebenschance haben. In Namibia lagert der Staat Nashörner wegen der besseren Überwachungsmöglichkeit aus den Nationalparks an private Farmen aus. In Kenia schützen bewaffnete Ranger die Nashörner, die teilweise in Parks von der Öffentlichkeit und dem anderen Tierleben weggesperrt eingezäunt leben rund um die Uhr. Im vergangenen Jahr machte erstmals aus Paris ein Fall die Schlagzeilen, dass Wilderer im Zoo ein Nashorn getötet und das Horn geklaut haben.

Im 21. Jahrhundert sollte man eigentlich denken, dass die Leute so aufgeklärt sind, dass solche haarsträubenden Aktionen in Geschichtsbüchern unter der Rubrik „Absurditäten mittelalterlicher Irrglauben“  zu finden sind, aber so sind Nashörner vielleicht die Tiere, die mit den größten Einschränkungen leben müssen, um ihren Fortbestand überhaupt retten zu können.

Olaf Goldbecker

Raubtiere 2019: alle Kalenderbilder

Olaf Goldbecker

Namibia 2019: alle Kalenderbilder

Olaf Goldbecker

Das September-Model: der Katta

Wer gelegentlich in verschiedene Zoos geht, könnte denken, dass die Kattas Massentiere sind. Die wohl bekannteste Lemurenart wird oft und gerne gezeigt, kommen sie beim Publikum doch sehr gut an. Dies liegt nicht zuletzt am Film „Madagaskar“, der auch „Schuld“ daran trägt, dass Heerscharen von Leuten vor die Gehege treten und die Tiere schnell als „King Julien“ identifizieren.

 

Die Realität ist eine ganz andere, die Kattas sind eine als stark gefährdet gelistete Tierart. Sie sind endemisch auf Madagaskar, wo die Bevölkerungszahlen stark zu- und die Waldflächen stark abnehmen. Die Tierwelt auf Madagaskar ist ob ihrer isolierten Insellage einzigartig. Die starke Gefährdungslage betrifft nicht nur Lemuren, sondern nahezu alle auf der Insel vorkommende Tierarten.

 

Die „Disneyfizierung“ zeigt beim Katta wie bei kaum einer anderen Tierart die positiven und negativen Seiten derart stark. Auf der einen Seite wecken die Darstellungen in den Animationsfilmen das Interesse an den Tieren, zeigen aber zeitgleich ein irreführendes Bild mit ihren vereinfachten und auf Niedlichkeit getrimmten Darstellungen. So wäre „King Julien“ im wahren Leben kein Herrscher, denn Lemuren sind matrilinear organisiert, d.h. ein zentrales Weibchen bestimmt, was die aus etwa gleich vielen Männchen wie Weibchen bestehende Gruppe macht – der Anführer müsste also eigentlich eher „Queen Julia“ heißen…

 

Bei Zoos führt die Fokussierung der Besucher auf Kattas dazu, dass viele sie halten wollen, weil die Besucher durch die Filme einen hohen Popularitätsgrad haben. So halten alleine in Deutschland über 50 zoologische Einrichtungen Kattas. Das ist für eine bedrohte Tierart hervorragend, um die 2.500 Tiere bilden eine grandiose Reservepopulation. Dies geht leider zu Lasten anderer Lemurenarten, die nicht so häufig gezeigt werden, aber nicht minder bedroht sind.

 

Unter den Zoos, die den Primatenkalender unterstützt haben, kann man Kattas an folgenden Orten sehen: Braunschweig, Frankfurt, Hamm, Hannover, Herford, Münster, Rheine, Apeldoorn, Arnheim, Overloon und Barcelona.

 

Olaf Goldbecker