April-Bild: Borneo Orang-Utan

April-Bild: Borneo Orang-Utan

Über Borneo Orang Utans wurde an dieser Stelle im ersten Jahr des Charity Kalenders schon viel berichtet als die hervorragende Artenschutzorganisation Borneo Orangutan Survival Zuwendungen aus dem Verkauf des Primaten-Kalenders erhielt. Das Thema hat leider nach wie vor nichts an Aktualität eingebüßt. In den 70ern lebten noch fast 300.000 Orang Utans auf Borneo, heute beträgt die Anzahl nur noch zwischen 50.000 und 100.000 „Waldmenschen“, was das Wort Orang Utan aus der Landessprache übersetzt heißt. Kein Wunder, hat man allein im letzten Jahrzehnt für Palmölplantagen Urwald von der Größe komplett Bayerns auf Borneo abgeholzt – ein Lebensraum, den Orangs zwingend zum Leben benötigen. 85% des weltweiten Palmöls stammt aus Indonesien und Malaysia.

 

Besonders tragisch: der Bestand erholt sich nicht. Orang Utans sind absolute Einzelgänger, die nur dort vermehrt vorkommen, wo reichlich Futter für mehrere Tiere vorhanden ist. Männchen erreichen die Geschlechtsreife mit etwa zehn Jahren, Weibchen können mit etwa sieben Jahren Nachwuchs bekommen. In den ersten zwei Lebensjahren wird das Baby permanent von der Mutter getragen, erst danach wird es Stück für Stück selbständiger und nabelt sich im Alter von fünf bis sieben Jahren ab. Die Mutter wird in diesem Zeitraum nicht schwanger, so dass oft 7-8 Jahre zwischen zwei Geburten liegen.

 

Immer häufiger enden die Babys aber als Waisen in Auffangstationen wie von Borneo Orangutan Survival. Brandrodungen für die Palmölplantangen sind eine Ursache, aber häufig werden Orang Utans auch bei ihrer Nahrungssuche von Farmern abgeschossen, weil sie deren Ernte gefährden. Der Stern berichtete letztes Jahr von einem Fall, wo ein Orang Utan mit 130 Gewehrkugeln im Körper, davon 74 im Kopf, tot aufgefunden wurde – keinesfalls alle durch den Angriff, der ihn schlussendlich das Leben kostete. Wird eine Mutter mit Kind getötet, landet das Baby oft als Haustier unter unwürdigen Lebensbedingungen in kleinen Käfigen oder angekettet in Holzverschlägen.

 

Hoffnung ist nicht wirklich in Sicht. In Indonesien hängen 17 Millionen Arbeitsplätze von der Palmölindustrie ab – wohlgemerkt von einer Pflanze, die im Land gar nicht heimisch ist. Der Staat hat wenig Interesse daran etwas zu ändern. Im Gegenteil, die EU will 2030 aus der Nutzung von Palmöl für Biokraftstoffe wie E10 und Biodiesel aussteigen – in der EU steckt trotz aller Palmölprodukte in den Supermärkten der mit Abstand größte Verbrauch in diesen pseudoumweltfreundlichen Kraftstoffen – und bekommt unverhohlen die Drohung Indonesiens, das man dann aus den Klimaprogrammen aussteigt. Der einzige Weg scheint momentan in der Tat der Ankauf von Waldflächen zu sein, die damit der Palmölindustrie entzogen und für Orang Utans und andere Lebewesen verwendet werden.

 

Der auf dem April-Kalenderbild gezeigte Borneo Orang Utan aus dem Allwetterzoo Münster lebt inzwischen leider auch nicht mehr. Der im dänischen Aalborg geborene Pongo kam mit sechs Jahren nach Münster und musste in diesem Februar aufgrund einer langjährigen chronischen Lungenkrankheit eingeschläfert werden. Als dreifacher Vater konnte er seine Gene erfolgreich weitergeben – Sohn Ito lebt in Israel, der 5-jährige Mr Miyagi wohnt noch in Münster, wo die ein Jahr ältere Tochter Niah nach dem Tod ihres Vaters wahrscheinlich verbleiben wird.

Olaf Goldbecker