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Monatsarchiv 25.09.

Artenschutz in Nigeria: Interview mit Zack Schwennecker

Zwischen dem Charity Kalender und Rettet den Drill hat sich in den letzten Jahren gewissermaßen eine feste Partnerschaft eingespielt. Zum vierten Mal wird der Verein unterstützt, der wiederum die Artenschutzarbeit vor Ort in Nigeria und Kamerun zu einem gewichtigen Teil ermöglicht. Zack Schwennecker, 28, studierte in den USA Zoologie und landete nach seinem Abschluss in Nigerias Afi Mountains in der Drill Ranch. Wie es dazu kam, was er dort macht und wie er den schwierigen Alltag meistert, hat er uns erzählt.

 

Zack, mit Unterbrechungen arbeitest du seit 2015 für die Drill Ranch. Wie ist es gekommen, dass ein Amerikaner nach seinem Studium weit weg von zuhause in Afrika landete?

Ich war dreimal für einige Monate als Freiwilliger in der Drill Ranch und bin im November 2019 als Project Manager zurückgekehrt. Dazu gekommen bin ich durch meine Cousine, die über einen Zeitraum von fünf Jahren immer mal wieder als Volunteer dort tätig war. Auf unseren jährlichen Familientreffen habe ich ihre Geschichten gehört und das hat mich dazu bewogen Zoologie an der Michigan State University zu studieren. Ich hatte mich noch nicht festgelegt, was meine Zukunft angeht, und als meine Cousine vorschlug, dass ich mit ihr auf die Drill Ranch komme, war es ein Leichtes „ja“ zu sagen.

 

Deine Berufsbezeichnung ist “Projektmanager” – das kann so ziemlich alles und nichts bedeuten. Was genau umfasst deine Arbeit?

Es gibt nichts, was man als typischen Arbeitsablauf bezeichnen kann, kein Tag gleicht dem anderen. Abhängig von unseren verfügbaren Arbeitskräften nehme ich die tiermedizinische Betreuung vor inklusive der damit verbundenen Papierarbeit – von 600 Tieren! Dazu Buchhaltung, Management der einheimischen Arbeiter und der Volunteers, Bauplanung, Futterbeschaffung, gemeinnütziges Engagement und Öffentlichkeitsarbeit in Bezug auf Artenschutzaspekte, Aufenthaltstitel für ausländische Mitarbeiter, und so weiter. All dies für zwei unterschiedlichen Projektorte, deren Bedarfe und Abläufe sehr unterschiedlich funktionieren. Wenn die Posten gut besetzt sind, dann werden die meisten dieser Bereich von einheimischen Arbeitern oder Volunteers erledigt, aber wenn die Situation bei den Mitarbeitern schlecht ist, kann es ein 14-16-stündiger Arbeitstag werden, um alles zu schaffen.

 

Als du nach Nigeria kamst, hattest du die Situation so erwartet?

Ich hatte sehr niedrige Erwartungen als ich nach Nigeria gekommen bin, was eine gute Einstellung für mich war. Ich habe festgestellt, dass viele Menschen, die mit hohen Ambitionen und Träumen vom Leben und Arbeiten nach Afrika gekommen sind, enttäuscht wurden von der Realität. Es ist nicht die glamouröse Arbeit wie sie bei National Geographic und ähnlichen Formaten dargestellt wird. Mit den niedrigen Erwartungen konnte ich Nigeria akzeptieren so wie es ist und konnte Enttäuschungen vermeiden, die manch einer erleidet wenn er in so einem schwierigen Umfeld arbeitet.

 

Was war für dich das größte Problem seit du dort lebst?

Die größte Herausforderung in den letzten beiden Jahren ist mein Alter. Nigeria, und Afrika allgemein, setzen viel Bedeutung auf das Alter. Ich bin erst 28, was es für mich schwierig gemacht hat Glaubwürdigkeit bei Kollegen und Mitarbeitern zu erlangen. Mittlerweile bin ich sechs Jahre hier, weiß eine Menge über das Projekt, das Land und die Probleme, mit denen wir zu kämpfen habe, was mir geholfen hat mein Alter etwas zu kompensieren.

 

Trotz all der Schwierigkeiten, die du überwinden musstest, arbeitest du jetzt seit ein paar Jahren für die Drill Ranch. Wie hast du deine Motivation aufrecht erhalten / was ist dein persönlicher Antrieb für die Arbeit?

Ich glaube jeder, der mit Tieren arbeitet, findet seine Motivation in den Tieren. Auch wenn der Erfolg oft nur klein ist und die Missstände groß, so ist es genug Antrieb für mich wenn man sieht wie die Tiere in ihrer natürlich Umgebung aufgehen, selbst wenn es sich um einen umzäuntes Areal handelt. Wenn man miterlebt wie ein Tier hier ankommt, das ein meist durch Menschen verursachtes schweres Trauma erlitten hat, es aufwächst und die vergangenen Tragödien vergisst, ist das wenigste, was wir unternehmen können über die Grenzen von dem, was wir als machbar erachtet haben, hinauszugehen, um dem Tier zu helfen.

 

Geparden – Cheetah Conservation Fund

In diesem Jahr wird mit dem Cheetah Conservation Fund eine Organisation unterstützt, die sich um den Schutz der Geparden kümmert. Mit eigenen Aufnahmen aus der Wildnis kann ich hier leider nicht dienen, denn obwohl sie sowohl in Kenia wie auch Namibia zuhause sind, wo mich meine bisherigen Reisen hinführten, konnte ich leider kein einziges Exemplar dieser faszinierenden Tierart zu Gesicht bekommen. Aus dem Grund helfen hier Bilder aus Zoos. Bevor über die Arbeit vom CCF informiert wird, gibt es hier aber ein einleitendes Intro über die Tierart:

 

Fast jedes Kind weiß, dass Geparden die schnellsten Landsäugetiere der Welt sind. Die meisten wissen auch, dass die Katzenart diese Geschwindigkeit nur für kurze Zeit beim Jagen durchhält. Ansonsten kennen fast alle ihren schlanken Körperbau, die gelbliche Grundfarbe mit den schwarzen Punkten über dem Körper, aber nähere Details haben viele nicht vor Augen.

 

So dürfte es für viele überraschend sein, dass Geparden nicht nur in Afrika leben, sondern auch in Asien. Einst lebten die Tiere sogar über Indien hinaus bis nach Zentralasien. Heute ist der Asiatische Gepard nur noch im Iran in zweistelliger Anzahl anzufinden, entsprechend ist er dort vom Aussterben bedroht. Die restliche Gepardenpopulation befindet sich in Afrika südlich der Sahara. Einige unterscheiden in Afrika vier Unterarten: Der Nordwestafrikanische Gepard lebt in Algerien und den südlich angrenzenden Ländern mit maximal 250 verbliebenen Tieren. Der Nordostafrikanische oder Sudan-Gepard hat sein Verbreitungsgebiet von Tschad bis Somalia, er wird von der IUCN als Unterart anerkannt und gilt als vom Aussterben bedroht. Der Ostafrikanische Gepard kommt in Kenia, Tansania und angrenzenden Ländern vor und bildet mit 2.500 Tieren den zweitgrößten Bestand. Etwa die doppelte Anzahl existiert von den Südafrikanischen Geparden im Bereich Namibia, Südafrika und Botswana. Neuere Untersuchungen legen allerdings nahe, dass zumindest der Ostafrikanische und der Südafrikanische Gepard identisch sind, was auch die Cat Specialist Group der IUCN so anerkannt hat – diese Variante ist als gefährdet gelistet.

 

Geparden gehören zu den Katzen, zählen allerdings nicht zu den Großkatzen, sondern zu den Kleinkatzen. Seine nächsten Verwandten sind die Pumas auf dem amerikanischen Kontinent. Die Anatomie mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 1,50 m zuzüglich Schwanz und einem Gewicht von nur 60 Kilogramm lässt für ganz kurze Zeit die hohe Geschwindigkeit zu, was aber bedeutet, dass der Gepard dadurch auf offene Savannen angewiesen ist, um auf die benötigte Geschwindigkeit zu kommen. Bevorzugte Beute sind mittelgroße Antilopen- oder Gazellenarten wie Impalas, Springböcke oder Thomsongazellen, aber auch Hasen, Nager oder Vögel.

 

Das Gebiss der Geparden ist relativ klein für eine Katzenart. Um anderen größeren Beutegreifern wie Löwen, Leoparden und Hyänen aus dem Weg zu gehen, sind Geparden tagaktiv. Ihnen gegenüber sind sie in Sachen Beißkraft unterlegen und müssten ihnen die Beute überlassen, was oft passiert. Meist jagen Geparden früh morgens und in den frühen Abendstunden, mittags in der Hitze ruhen sie sich aus.

 

Nach etwa drei Monaten Tragzeit kommen die Jungtiere zur Welt, zwischen 1 und 8 Jungtieren pro Wurf sind bisher gesichtet worden, wobei die übliche Wurfgröße eher in der Mitte liegt. Zudem ist die Jungtiersterblichkeit extrem hoch. Die ersten zwei Monate verbringt der Nachwuchs in einer Höhle mit der Mutter bevor die sie zum ersten Mal rauslässt. Mit etwa 1,5 Jahren werden sie erwachsen sofern sie nicht anderen Raubtieren bis dahin zum Opfer gefallen sind, und mit drei Jahren geschlechtsreif. Die Lebenserwartung bei Männchen liegt bei 8 Jahren, bei Weibchen bei 12 Jahren. Weibliche Geparden sind Einzelgänger mit Ausnahme der Jungtieraufzucht, während männliche Geparden – vor allem Brüder – auch gemeinschaftlich leben.

 

Bild aus dem Allwetterzoo Münster

Der Schauplatz des 2022er Kalenders: Namibia

Wenn der Kalender in diesem Jahr über die Wildnis Namibias berichtet, dann bietet es sich zunächst natürlich an überhaupt etwas über das Land zu erfahren, in dem sich die Inhalte des nächsten Jahres abspielen. Namibia liegt im Südwesten Afrikas, darunter befindet sich nur noch Südafrika. Mit dem Flieger aus Frankfurt landet man nach langen elf Stunden im einzigen internationalen Flughafen des Landes, dem Husea Kutako Airport in Windhoek. Was man ganz schnell realisiert wenn man früh morgens nach einem Nachtflug landet: nachts ist es sehr frisch.

 

Windhoek

Windhoek

 

Die recht zentral gelegene Hauptstadt ist wie so oft die größte Stadt des Landes mit inzwischen gut 350.000 Einwohnern – in Deutschland vergleichbar mit Wuppertal. Wer jetzt ein kleines Land erwartet, sieht sich allerdings getäuscht. Namibia ist mehr als doppelt so groß wie Deutschland, hat insgesamt aber nur 2,5 Millionen Einwohner – so viel wie München und Köln zusammen. Bei den Relationen kann man sich vorstellen: es ist viel Platz vorhanden. Das ist gut für die Tierwelt, die allerdings auch mit den klimatischen Bedingungen zurecht kommen muss, die der Grund für die dünne Besiedlung ist. Im Westen grenzt das Land an den rauen Atlantik, im Norden befindet sich der sogenannte Caprivi-Streifen, wo Namibia Zugang zu den grenzbildenden Flüsse Okavango, Sambesi und Kwando hat. Den größte Landesteil macht das zentrale Hochland aus, dazu kommen noch Wüsten. Grundsätzlich muss man sich in Namibia auf heißes Wetter und Trockenheit mit erheblich kälteren Nächten einstellen wenn man nicht gerade zur Regenzeit reist.

 

Im Wesentlichen sind die Aufnahmen für den Kalender auf drei Schauplätzen entstanden. Der Erste ist der weltberühmte Etosha National Park 400 Kilometer nördlich von Windhoek gelegen. Hier regiert die Tierwelt in einem umzäunten Gebiet, das ziemlich genau der Fläche von Mecklenburg-Vorpommern entspricht – immerhin das sechstgrößte Bundesland bei uns. Unter Schutz gestellt wurde das Gebiet schon während der deutschen Kolonialzeit – allerdings nicht aus ökologischer Verantwortung heraus, sondern weil man die Tierwelt per Jagden schon so weit dezimiert hatte, dass dies schon rein zur Fleischversorgung der Bevölkerung notwendig wurde. Teil 2 der Bilder wurde im etwa 360 km² großen Okonjati Wildlife Reserve aufgenommen, das sich etwa auf halbem Weg von Windhoek zum Etosha Nationalpark befindet. Dritter Schauplatz ist das Kuzikus Wildlife Reserve, knapp 200 Kilometer südöstlich der Hauptstadt am Rande der Kalahari-Wüste gelegen und auch noch auf einer üppigen Fläche von 100 km² gelegen. Letztere beide Orte sind private Schutzgebiete.

 

September-Bild: Böhm-Steppenzebra

Zebras sind grundsätzlich bekannte Tiere, aber wenn es um eine genauere Einteilung der Pferdeartigen geht, sind viele schnell mit dem Latein am Ende. Dabei ist die Einordnung übersichtlich und leicht, es gibt nämlich nur drei Arten: Grevy-Zebras, Bergzebras und Steppenzebras. Bergzebras teilen sich noch in zwei Unterarten auf, während Steppenzebras aus sogar fünf noch lebenden Unterarten bestehen (Böhm-Zebras, Burchell-Zebras, Chapman-Zebras, Crawshay-Zebras, Mähnenlose Zebras). In Kenia kommen das Grevy-Zebra sowie das Böhm-Steppenzebra vor.

 

Auf dem Kalender zu sehen ist ein junges Böhm-Steppenzebra-Fohlen, an dem man schön die Unterschiede zu anderen Zebraarten und -unterarten erkennen kann. Zunächst ist dies die Mähne, die bei der auch Grant-Zebra genannten Unterart eher bräunlich ausläuft und nicht so schwarz ist wie bei anderen Zebras. Die Streifen bei den Böhm-Steppenzebra sind für gewöhnlich ziemlich breit – das erkennt man hier schon recht gut am Hals, allerdings ist dies beim jungen Zebra noch nicht so ausgeprägt wie es später in der adulten Form sichtbar sein wird. Steppenzebras besitzen sogenannte Schattenstreifen – sie sind nicht nur weiß und schwarz, sondern haben dünne graue Streifen zwischendurch, die bei der Böhm-Variante allerdings kaum bis gar nicht ausgeprägt sind. Bei diesem Fohlen erkennt man dies am oberen Hinterbein. Dazu gehen die Streifen bis zum Boden runter, was nicht bei allen Zebraunterarten der Fall ist, die teilweise auch sehr weiße Beine besitzen.

 

Die IUCN listet die Steppenzebras in ihrer Allgemeinheit erst seit fünf Jahren als potentiell gefährdet. Diese pauschale Einteilung ist überraschend, denn die Häufigkeit der Unterarten variiert eklatant. Man nimmt etwa 500.000 Steppenzebras insgesamt an, wovon allerdings fast schon an die 400.000 auf die Böhm-Steppenzebras entfallen, die somit eigentlich keineswegs gefährdet sind. Ganz anders sieht dies bei Chapman-Zebras, bei Crawshay Zebras und den Mähnenlosen Zebras aus, die eigentlich einen höheren Schutzgrad als nur potentiell gefährdet bräuchten. Allerdings hat eine DNA Untersuchung 2018 ergeben, dass wahrscheinlich keine Unterscheidung zwischen den Unterarten vorliegt und eher regionale Varianzen vorliegen, z.B. dass die Streifen der Zebras im Norden breiter sind als im Süden und im Süden dafür mehr Schattenstreifen auftreten.

 

Während man aus Afrika Bilder von hunderten, wenn nicht tausenden Zebras vor Augen hat, so sind sie doch in kleine Gruppen unterteilt, die sich zu großen Formationen zusammenschließen. Eine Herde besteht aus einem adulten Zebrahengst, der einen Harem von einigen Stuten mit seinem Nachwuchs unterhält. Junghengste schließen sich zu Bachelor-Gruppen zusammen bis sie einen adulten Hengst herausfordern, um dessen Familie zu übernehmen. Gelingt ihm dies, wird er den Nachwuchs seines Vorgängers vertreiben oder sogar töten, um möglichst schnell selber Nachwuchs bekommen zu können. Die Tragzeit beträgt elf Monate, weitere elf Monate werden die Fohlen von der Mutter gesäugt. Die Geschlechtsreife erlangt der Nachwuchs allerdings erst deutlich später – Stuten mit drei Jahren und Hengste mit etwa fünf Jahren.