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Monatsarchiv 22.08.

Euronerz

Artenschutz gilt als etwas, das man in Afrika und Asien betreiben muss. Dass dies auch vor der eigenen Haustür vonnöten ist, wird gerne verdrängt, erst recht wenn eine Art scheinbar unspektakulär daherkommt. Der Europäische Nerz, von der IUCN als vom Aussterben bedroht gelistet, ist dafür ein sehr gutes Beispiel.

 

In Deutschland galt der Nerz seit 1925 als ausgestorben. In Osteuropa waren die Vorkommen noch größer, allerdings wurde er wegen seines Fells bejagt, etwa 50.000 Tiere kamen in Russland pro Jahr dadurch um. Nicht besser wurde die Lage der Nerze als in den 1950er Jahren der Amerikanische Mink importiert wurde – eine größere Marderart, die den Pelztierfarmern mehr Ertrag und weniger Aufwand versprach. Als der allerdings aus den Pelztierfarmen entkam, verdrängte er sein kleineres europäisches Pendant und breitete sich hier aus. Die am Wasser lebenden Nerze hatten aber nicht nur mit dem Mink, sondern zusätzlich noch mit Flussbegradigungen, Waldrodungen und Gewässerverschmutzung zu kämpfen. Seit 2011 gilt die Art offiziell als vom Aussterben bedroht, lediglich isolierte Populationen in Russland, Frankreich und Spanien gibt es noch.

 

In Deutschland hat sich im April 1998 ein Verein gegründet, der es sich zum Ziel gemacht hat, den Nerz hierzulande wieder anzusiedeln. Bei einer Forschungsarbeit der Universität Osnabrück gelang 1997 aus Novosibirsk erhaltenen Tieren die erstmalige Nachzucht in menschlicher Obhut in Westeuropa, ein Anstoß für den Verein „Euronerz“. Auf dem Gelände des Vorsitzenden Wolfgang Festl im Osnabrücker Land wurde eine provisorische Verpaarungsstation eingerichtet, in der die strikten Einzelgänger unter Aufsicht verpaart werden. Die trächtigen Fähen werden dann in viele Tierparks der Republik gefahren, wo sie den Nachwuchs zur Welt bringen. Dies gibt die Gelegenheit, in den Parks auf die Situation der Nerze aufmerksam zu machen. Im Alter von drei Monaten ist der Nachwuchs selbständig und muss von der Mutter getrennt werden, die Einzelgänger möchten sich nicht länger sehen. Die Fähen kommen zurück ins Zuchtzentrum und der Nachwuchs wird selektiert. Da Nerze nur in den ersten drei Lebensjahren – die Lebenserwartung beträgt maximal zehn Jahre – Nachwuchs zur Welt bringen, muss ein Drittel der Fähen immer zur Zucht verbleiben. Die übrigen Tiere werden vom Zuchtbuchkoordinator im estnischen Tallinn verwaltet und damit auch ausgewählt, welche Tiere in einer nächsten Stufe für die Wiederansiedlung vorgesehen werden.

 

Bislang gibt es zwei Ansiedlungsgebiete, zum einen im Saarland, zum anderen am Steinhuder Meer. Im Saarland wird seit 2006 versucht, den Nerz wieder anzusiedeln, bislang mit mäßigem Erfolg. Besser sieht es in Niedersachsen am Steinhuder Meer aus, wo das Projekt seit 2010 stattfindet und nachweislich auch schon Nachwuchs im Freiland zur Welt kam. Bevor die Tiere allerdings angesiedelt werden können, müssen sie auf die Freiheit trainiert werden, was in der Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen geschieht.

 

 

Der Vorsitzende des Vereins, Wolfgang Festl, dem seinerzeit als Mitarbeiter an der Uni Osnabrück die erste Nachzucht gelang, und der mittlerweile als Revierleiter im Zoo Osnabrück arbeitet, fährt für die Nerze etwa 15.000 Kilometer pro Jahr in seiner Freizeit. Nebenbei steht derzeit ein Neubau der Zuchtstation auf dem Programm, ein finanzieller Kraftakt für den Verein, der zum Teil von der Haarmann-Stiftung finanziert wird. Immerhin ist für das Futter der Tiere in der Aufzuchtstation gesorgt – vom Volumen etwa sechs Eintagsküken pro Nerz je Tag – denn das trägt der Arbeitgeber Festls aus seinem Pensum.

Namibia-Kalender, August-Bild: Afrikanischer Leopard

Wenn man nach Afrika fährt, gilt die Sichtung eines Leoparden als großes Glück. Die scheue Raubkatze möchte sich nicht jedem zeigen, und auch am Wasserloch im Etosha Nationalpark war weit und breit nichts von Raubtieren zu sehen. Große Kudus badeten im Wasser und Impalas standen gemütlich in der Nähe. Plötzlich starrten die Tiere gebannt auf das angrenzende ‚Waldstück‘ wenn man die verdorrten Bäume denn so nennen will – und wenig später schossen die unter starker Anspannung stehenden Antilopen aus dem Wasser hinaus.

 

Gebannt starrten sie und die Impalas auf die Lichtung

 

Die Vermutung lag nahe, dass ein Raubtier in der Nähe sein musste – und richtig, zwischen den Bäumen trabte ein Leopard heraus.

 

Die Sorge der Huftiere erwies sich jedoch als unbegründet. Der Leopard stiefelte gemächlich zum Wasserloch und wollte dort seinen Durst stillen. Eilig hatte er es nicht, und so konnte man ihn einige Minuten lang beobachten, ehe er wieder dahin verschwand, wo er herkam.

 

 

 

Bei der Bedrohungsstufe wird durch die IUCN nicht zwischen den einzelnen Unterarten unterschieden. Unterm Strich gilt der Leopard als gefährdet, wenngleich der Afrikanische Leopard noch deutlich häufiger vorkommt als seine Verwandten in Asien. Schätzungen variieren sehr stark und rangieren zwischen 250.000 und 750.000 Tieren. Mit Ausnahme von kleinen Beständen in Marokko und Ägypten kommt die Art südlich der Sahara in vielen Ländern vor.

ACCB Kambodscha – Angkor Center for Conservation of Biodiversity

Der Allwetterzoo Münster ist Träger des Angkor Center for Conservation of Biodiversity, kurz ACCB, das eine maßgebliche Rolle im Arten- und Naturschutz in Kambodscha innehat. Als eines der ersten Zentren seiner Art im Jahr 2004 gegründet, arbeitet es heute im Lebensraumschutz, baut Erhaltungszuchten auf, dient als Auffangstation für verletzte oder beschlagnahmte Wildtiere und betreibt Umweltbildung. Aktuell arbeiten im ACCB 30 Angestellte, darunter auch der aus Halle/Westfalen stammende Leiter des Zentrums, Michael Meyerhoff. Der Schwerpunkt im Artenschutz liegt auf den Süßwassersystemen, die zu den stark bedrohten Lebensräumen von Schildkröten- und Vogelarten zählen. Durch Rodung ihrer südostasiatischen Lebensräume beraubt und durch Wilderei und illegalen Tierhandel in der Population nahezu ausgerottet, gelten Schildkröten als die global gefährdetste Wirbeltiergruppe. Daher etabliert das ACCB derzeit Zuchtprogramme, um später Tiere in geeigneten Lebensräumen wieder anzusiedeln.

Wie aber kommt man auf Kambodscha als Standort für ein solches Naturschutzzentrum? Ursprünglich war dies eine Idee des ortsansässigen Biologen Sam Veasna, der eine Station für beschlagnahmte Wildtiere schaffen wollte, mit der gleichzeitig die lokale Bevölkerung über die Arten und die Wichtigkeit des Artenschutzes aufgeklärt werden sollte. Veasna selber verstarb 1999 bei einem Forschungseinsatz an Malaria. Die Idee lebte aber weiter und wurde auch dem Allwetterzoo zugetragen. Der damalige Direktor des westfälischen Zoos, Jörg Adler, flog daraufhin nach Südostasien und begutachtete die Situation vor Ort, ehe der Startschuss für das Projekt erfolgte. Heute engagieren sich der aktuelle Zoodirektor Dr Thomas Wilms, sowie Dr Philipp Wagner, Kurator für Forschung und Artenschutz, um das ACCB bekannter zu machen und die Finanzmittel für die Zukunft zu sichern. Charity-Kalender wird über das Projekt im Verlauf der Aktion näher berichten.

Raubtier-Kalender, August-Bild: Riesenotter

Sein kräftiges Gebiss zeigt dieser Riesenotter aus dem Zoo Miami, einem Zoo, der sich aufgrund seiner Lage auf die südlichen Tierarten spezialisiert hat. Zu ihnen gehört die in Südamerikas Flüssen beheimatete längste Marderart der Welt. Im Vergleich zu anderen Otterarten ist der Riesenotter ein in Gruppen lebender Gemeinschaftsjäger, der es nicht nur auf Fische, sondern auch auf Vögel, Eier und Nagetiere abgesehen hat. Auf der anderen Seite drohen die Tiere selber zum Opfer von Kaimanen und Jaguaren zu werden. Die Lebenserwartung der Riesenotter beträgt nur 10 Jahre.

Der Riesenotter gilt als stark gefährdet, wahrscheinlich leben nur noch 1.000 bis 5.000 Exemplare in freier Wildbahn. Als tagaktive und neugierige Tiere sind sie leicht zu jagen, was hauptsächlich für das Fell in den 50er und 60er Jahren gemacht wurde. Heute ist die Umweltzerstörung ihr Hauptproblem. Die Waldrodung und Siedlungen sind ein Teil der Problematik, aber auch Gifte, die sich im Wasser verbreiten sind eine heftige Bedrohung. Quecksilber als Nebenprodukt der Goldgewinnung und Wasserverschmutzung sind genauso ein Problem wie Pestizide und Chemikalien durch die Landwirtschaft. Zudem sind die Tiere nicht gern gesehen als Nahrungskonkurrenten um Fische. Reichlich Gründe also, die eine ernsthafte Gefahr für den Fortbestand des Riesenotters ausmachen. Einige Länder wie die Guyanas, Peru und Bolivien haben inzwischen reagiert und Schutzgebiete ausgewiesen.

Es ist ein Projekt in Planung, dass Zootiere in Argentinien ausgewildert werden, doch aktuell leben in Europa nur 62 Riesenotter in 19 verschiedenen Zoos.